Abschiedsgedanken

Am Flughafen in Hanoi war es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Von nun an würde ich die verbleibenden 4 Monate alleine reisen. Außerdem war es auch an der Zeit, mit Südostasien abzuschließen. Eine Region, die wir sehr zwiegespalten wahrgenommen hatten.

An Menschen, die Natur und vor allem an die Länder selbst hatte man vor der Reise gewisse Erwartungen. Vieles war jedoch anders, waren gerade die drei, von uns bereisten Länder schon stark vom Tourismus geprägt.

Der Tourismus hatte viele Menschen habgierig gemacht. Sie fokussierten sich zu sehr auf das Geld. Nicht dass ich es den Menschen nicht gönnen würde, wenn der Tourismus ihnen etwas Wohlstand bringt. Ganz im Gegenteil, aber zu erleben, wie einem Taxifahrer und Hotelbesitzer ins Gesicht lügen, nur um ihre Dienste unabdingbar zu machen, war ein Schock. Wie man von vielen einfach nur als ‘falang’ (westlicher Ausländer -politisch korrekt versteht sich) behandelt wird, war diskriminierend.

Man wusste oft den richtigen Preis der Einheimischen für Etwas und trotzdem versuchten die Leute einen übers Ohr zu hauen. Es passierte nicht selten, dass man an einem Kiosk sogar um eine Flasche Wasser verhandeln musste, bevor man nicht mehr das Fünffache des normalen Preises zahlte. Ein Busfahrer wollte uns einmal aus dem Bus schicken, als wir nicht, wie von ihm verlangt, 5 Dollar pro Person für die Fahrt zahlen wollten, statt der eigentlichen 1,5 Dollar pro Person. Auch wenn wir nicht verstanden, was die Einheimischen genau sprachen, oft hörten wir das Wort „falang“ in Kombination mit einem Fingerzeig und einem etwas höhnischen Lachen…

Jedoch möchte ich hier nicht alle Südostasiaten als schlecht darstellen. Ebenso gab es überherzliche Menschen, die uns völlig selbstlos halfen oder einfach ein nettes Gespräch mit uns führen wollten und neugierig waren. Zum Beispiel einmal, als wir etwas hilflos nahe Quy Nhon, mit samt unserem Gepäck, umherirrten stoppte ein Auto und ein Vietnamese bot uns völlig umsonst an, uns dorthin zu fahren, wo wir hinwollten. Er lebte ein paar Jahre in Berlin und sprach ein paar gebrochene Brocken Deutsch. Er erwartete kein Geld dafür und war sichtlich glücklich, uns geholfen zu haben, als wir am Ziel ausstiegen. Ein anderes Mal wurden wir bei einer buddhistischen Feier zu einem Festmahl eingeladen und alle Leute waren freundlich und offen für Gespräche. Es gab sogar den ein oder anderen ‘guesthouse-Besitzer’ der uns völlig freiwillig mit unseren Fragen half, ohne uns gleich eine Tour oder ein Busticket verkaufen zu wollen.

Die Länder selbst hatten viel zu bieten, sei es einmalige Natur wie im Bolavenplateau oder in Ninh Binh, oder seien es atemberaubende Tempel wie in Siem Reap. Leider ist es heutzutage kaum noch ein echtes Abenteuer, in einem dieser Länder zu reisen. Es gibt chinesische Tourbusgruppen, Horden von europäischen Rentnern und natürlich übermutige, junge Backpacker in Scharen. Nicht dass ich mich nicht selbst zu einem dieser jugendlichen Rucksackreisenden zähle, aber dennoch sah man Viele, die meines Erachtens nach aus falschen Motiven reisten. Vielen ging es darum, fast jeden Abend Party zu machen. Sie passten sich der Kultur kaum an. In Südostasien empfinden viele Menschen zu viel nackte Haut als peinlich, trotzdem waren Muskelshirts und Miniröcke an der Tagesordnung. Religion wurde kein Respekt gezollt und gegessen wurde oft nur da, wo andere Touristen waren und es westliches Essen gab.

Natürlich war nicht jeder so und es war vermutlich auch nicht gar so extrem wie beschrieben. Es gab auch durchaus viele, sympathische Reisende und die Gespräche in den Unterkünften und unterwegs waren sehr interessant und man konnte neue Bekanntschaften machen.

Leider trug das negative Verhalten Vieler oft zum Bild des ”dummen Falangs” bei. Wenn man von so etwas wie einem Discobus nach Hanoi hört, musste man sich als Ausländer fast schämen.

Alles war leicht zu organisieren –für einen Aufpreis, natürlich. Der Touristenbus konnte für ein paar Dollar extra im Hotel reserviert werden und kostete letzten Endes dreimal so viel, wie der Lokalbus, man zahlte für W-Lan das nicht funktioniert. Zu vielen Orten, egal wie leicht es war, dort auf eigene Faust hinzukommen, konnte eine Tour gebucht werden. Ein Visum, welches man ohne Umstände auch selbst an der Grenze bekommen konnte, wurde von einem schicken Kerl im Anzug besorgt, wenn man ihm nur seinen Pass und den “selben Preis wie direkt an der Grenze verlangt” überreichte. Am Ende zahlte man aber natürlich 3-4 Dollar extra. All diese Preise klingen auch gar nicht nach all zu viel. Man muss aber bedenken, 4 Dollar können in Laos schnell eine Übernachtung oder zwei Mal warm essen als Gegenwert haben.

Alles in allem war es trotzdem ein mehr als lohnendes Erlebnis, in dieser Region zu reisen und sie wird mir in guter Erinnerung bleiben. Vielleicht auf ein Wiedersehen. Doch nach fast zweieinhalb Monaten fühlte ich auch, dass es Zeit war, weiter zu ziehen. Irgendwann war man doch vom hundertsten buddhistischen Tempel gelangweilt, die tausendste Nudelsuppe zum Frühstück schmeckte nicht mehr und der dauernde Kampf um die Preise war ermüdend. Der Wechsel nach Südasien, genauer gesagt Nepal versprach einen Ausbruch, aus der sich langsam einstellenden Routine. Gemäßigtere Temperaturen, tolle Blicke auf die höchsten Berge der Welt und ein hinduistisch geprägtes Land versprachen neue Motivation.

Auf Wiedersehen Südostasien! Vielleicht ja auf ein nächstes Mal in Burma oder den Philippinen.

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