Zentralanatolien

Im Februar 2016 ging es wieder los, wenn auch nur für kurze Zeit. Dafür versprach diese Reise, eine besonders Intensive zu werden. Nun schon zum zweiten Mal, sollte ich die Türkei besuchen. Es war sicher ein Vorteil, sich schon ein wenig auszukennen. In einem Land, in dem nicht viele Menschen Englisch sprechen, hilft es deutlich, ein paar Worte und Sätze Türkisch zu beherrschen und bereits etwas vertraut mit all den alltäglichen Problemen auf einer Reise zu sein, wie zum Beispiel Bustickets zu kaufen oder wie man eine Unterkunft findet.

Ein günstiger Flug brachte mich zunächst nach Ankara: selbst zwar keine Schönheit, aber der ideale Ausgangspunkt, um die umliegenden Berge, Täler und Hochebenen Zentralanatoliens zu erkunden. Nach zwei Tagen in der lauten, dreckigen aber dennoch irgendwie charmanten Metropole zog es mich erst einmal aufs Land, in das kleine, märchenhafte Safranbolu.

Safranboutitel

Hier verbrachte ich einen herrlichen Tag inmitten der zuckerweisen Häuschen und der sagenhaften, ottomanischen Architektur. Abends gönnte ich mir etwas Erholung in einem traditionellen Hamam, ich ließ mich einmal richtig durchkneten und gönnte mir noch zusätzlich ein Ganzkörperpeeling. Am nächsten Tag nahmen mich zwei wahnsinnig freundliche Geschäftsleute aus Kuweit in ihrem Mietwagen an mein nächstes Ziel mit. Durch verlassene Landschaften schlängelte sich unser Weg. Links und rechts der Straßen erblickte man das ein oder andere Schneefeld, welches sich noch nicht ganz dem nahenden Frühling ergeben wollte. Endlose Weiten, steppenartige Ebenen und nur hier und da winzige, recht ärmlich anmutende Dörfer, umgeben von hohen Bergen. Letzten Endes aber erreichten wir unser Ziel und damit auch wieder die Zivilisation.

Amasya, die Stadt der Äpfel. Doch wegen der Äpfel war ich nicht gekommen, vielmehr zog mich die Geschichtsträchtigkeit des Ortes in seinen Bann. Neben der malerischen Lage der ottomanischen Häuser am Fluss, gab es auch noch einzigartige, pontische Felsgräber, direkt in die steilen Felsklippen gehauen. Still thronten sie über dem Ort. Zeugen der Zeit, so wie auch die Moscheen, aus jeder erdenklichen Epoche. Nachts war der ganze Ort einschließlich der Gräber aufwändig beleuchtet.

MedresseGemaltQuer

Meine nächsten Ziele Sivas und Tokat, waren selbst bei türkischen Touristen nicht sehr gefragt. Somit bot sich mir hier einmal mehr die Möglichkeit, das Leben in einer türkischen Kleinstadt so authentisch wie überhaupt möglich kennen zu lernen. Zu sehen, wie Familien durch den Park flanieren oder selbst den Ausblick vom Burgberg genießen. Beide Orte gefielen mir ausgesprochen gut und es gab viel zu bestaunen. Insbesondere die kunstvolle, seldschukische Architektur hatte es mir angetan. Koranschulen mit riesigen, reich verzierten Eingangsportalen. Moschen mit angeschlossenen Grabtürmen, an denen man die einstige Pracht der blauen Zierfließen erkennen konnte. Von all dem sollte ich in Kayseri noch weit mehr erleben.

Kayseri kennen die meisten Touristen nur wegen des Flughafens, der so günstig nah an der einzigartigen Tuffsteinlandschaft Kappadokiens liegt. Tatsächlich bieten die Vororte, die die Meisten mit dem Bus auf dem Weg passieren, nicht viel mehr als grauen Beton. Doch nimmt man sich die Zeit, sich die Innenstadt mal etwas genauer anzuschauen, so findet man dutzende Medressen, Moscheen, sogar zwei armenische Kirchen wieder. Insbesondere aber der überdachte Basar lädt zum Bummeln ein. Kunsthandwerk mischt sich hier mit allerlei alltäglichem Konsumgut.

Letzten Endes aber, ging es auch für mich nach Kappadokien, wo ich meine Anatolienreise bei gemütlichen Wanderungen ausklingen ließ. Schon das zweite Mal zog es mich in den Bann dieser einzigartigen, sogar von der UNSESCO ausgezeichneten Landschaft. Hier findet man die verblüffendsten Felsformationen wieder: lange, spargelartige Säulen, riesige Burghügel, unterirdische Städte und wohin man auch geht, überall alte, in den bloßen Fels geschlagene Kirchen und Klöster.

Schneeberg1

Erneut war es eine grandiose Zeit in der Türkei, fernab vom Massentourismus. Hier, wo man als Ausländer eine Seltenheit und Reisen noch ein klein wenig abenteuerlicher ist, als auf den ausgetretenen Pfaden. Auch das Essen ist sensationell und die Gastfreundschaft umwerfend. Einfach so wird man von dem willkürlichen Passanten zur richtigen Bushaltestelle geführt oder der Ladenbesitzer, den man nach dem Weg fragt, ruft gleich zehn andere herbei, um gemeinsam zu beratschlagen. Wie selbstverständlich die Gastfreundschaft hier gepflegt wird, wurde mir auch in Ürgüp, einem kleinen Dörfchen in Kappadokien, bewusst. Selbst hier, wohin sich doch noch recht viele Touristen verirren, wurde ich einfach so vom Imam mit Tee bewirtschaftet, während er neugierig eine Frage nach der anderen stellte, nur um mich dann auch noch mit Büchern zu beschenken. Sowas passiert einem wohl kaum in Deutschland.

Eine wirklich lohnenswerte Reise. Somit bleibt nur:

Teşekür ederim und hoşçakal!