Alles hat ein Ende

Etwas traurig machte ich mich von Tabriz in die Grenzstadt Jolfa auf. Langsam hieß es Abschied nehmen vom Iran. Nach sechs Wochen fiel mir dies besonders schwer. Nach und nach hatte ich mich wirklich eingelebt. Die verschleierten Frauen auf der Straße waren ganz normal geworden und den Ruf zum Gebet, der von den Minaretten widerhallte, hörte ich schon gar nicht mehr. Ich fühlte mich wie im Himmel, denn es störte mich keineswegs jeden Tag Fleisch zu essen. Ein Tag ohne chai, war schon gar nicht mehr vorstellbar und ich trauerte jetzt schon um die günstigen Süßigkeiten die es überall gab. Es war auch völlig normal geworden, ständig von Fremden angesprochen zu werden, die mir ihre Hilfe anboten. So hatte ich meine Paranoia aus Südostasien, ständig übers Ohr gehaut zu werden, abgelegt.

Um mich herum wurde geraucht,  gegessen und getrunken, als ich im geteilten Taxi nach Jolfa saß. Auch als ich mittags etwas zu essen suchte, war es kein Problem, ich wunderte mich nur etwas über die mit Zeitungspapier abgedeckten Fenster. Als ich in meine Unterkunft von eher bescheidener Qualität zurückkam, warnte mich der Sohn des Hotelbesitzers, nicht auf der Straße zu trinken, nachdem er meine Cola-Flasche erblickte. Zunächst war ich verwirrt, dann fiel mir aber sofort ein, dass ja Ramadan war. Es war mir gar nicht aufgefallen, da es die Iraner damit anscheinend recht locker nehmen. Ein bisschen unterhielt ich mich noch mit dem jungen Mann, der mir offen davon erzählte, wie gerne er doch Bier trinkt. Anschließend spazierte ich zurück zum zentralen Platz, an dem viele Taxis warteten. Ich kam, um einen Fahrer zu finden, der mich zu einer alten Kirche bringen konnte.

Dies sollte eine schöne Einstimmung auf den morgigen Tag werden. Es ging nämlich nach Armenien. Und was gab es da besseres, als noch ein wunderschönes, armenisches Kloster auf iranischem Boden zu besuchen? Die Fahrt dorthin ging durch den Aras-Canyon. Dieser schon in der Bibel erwähnte Fluss schuf hier zu beiden Seiten eindrucksvolle, steile, rote Klippen. Zugleich bildete der Fluss auch die nördliche Grenze des Irans. Eine sehr sensible Grenze, was an den in regelmäßigen Abständen platzierten Militärposten erkennbar wurde. Zwar kann man ein paar Fotos vom Canyon schießen, sollte aber vorsichtig sein, wohin genau man seine Kamera richtet. Ansonsten könnte der Iranaufenthalt ungewollt verlängert werden.

Steil bergauf ging es zum Parkplatz vor dem ehemaligen Kloster und ich erblickte bereits die rote Kuppel zwischen den Baumkronen. Hier zeigte sich wieder, dass das antike Armenien bei Weitem größer war, als das  verschwindend kleine Überbleibsel von heute. Der Osten der Türkei, Nordiran, Aserbaidschan, sogar  Zentralanatolien und Nordsyrien gehörten einmal zum armenischen Reich. In der größten Ausdehnung erstreckte es sich vom Mittelmeer bis ans Kaspische Meer.
Ich besichtigte die wunderschöne Anlage. Wie die meisten armenischen Kirchen und Klöster war sie wie eine kleine Festung, mit Mauer und Wehrtürmen. Neben der Kirche lagen die einstmaligen Zellen der Mönche. Ein Glockenturm und eine weitere Kapelle gehörten ebenfalls dazu. Beide besaßen, so wie die Hauptkirche einen spitz zulaufenden Kegel als Dach. Dieser symbolisiert den Berg Ararat, das Wahrzeichen Armeniens, heutzutage ebenfalls in der Türkei. Innen waren beide Kirchen recht schlicht und nur ein paar erhaltene Fresken zierten die Hauptkirche.

Mauer

Viele weitere ähnliche Kirchen sollte ich noch in Armenien zu Gesicht bekommen. Mit Moscheen war jetzt erst einmal Schluss und es war auch genau die richtige Zeit um dem Ramadan zu entfliehen.

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