Auf den ersten Blick nicht einladend…

Letzten Endes holte uns doch die Zeit ein und die letzte Etappe musste wohl oder übel kommen. In Hanoi sollte Einiges enden. Das Reisen zu zweit. Das Reisen in Südostasien.

Doch bevor es soweit kam, versuchten wir noch ein letztes Mal, einer dieser asiatischen, gesichtslosen Metropolen etwas persönliches einzuhauchen. Dazu entschieden wir uns wieder für couchsurfing und durften bei Thang, einem netten Studenten, in einer Art Gästezimmer schlafen. Das Bett hatte zwar nicht einmal eine Matratze und man schlief buchstäblich auf dem harten Holz, aber es ging ja nicht darum eine Luxusunterkunft zu finden, sondern Freunde.

Thang unterrichtete auch Englisch in seinem Haus. Dort hatte unser Gastgeber ein Klassenzimmer, komplett ausgestattet mit der neuesten Technik. Wir waren über den Computer und den Beamer wirklich erstaunt, findet man sowas doch kaum in einem Klassenzimmer in Deutschland. Seine Schüler waren hauptsächlich Studenten und fleißig dabei, Englisch zu lernen, da sie die Vorteile einer internationalen Sprache erkannt hatten. Manch einer träumte von einer großen Reise, ein Anderer dachte eher an den Vorteil für die berufliche Karriere. Wir wurden eingeladen, dem Unterricht beizuwohnen, wodurch die Schüler die ideale Gelegenheit hatten, ihr Gelerntes in der Praxis zu erproben. Mehrmals wurden wir über uns, unsere Reise und wie uns Vietnam gefällt ausgefragt. Die Schüler sangen letzten Endes sogar noch ein Lied für uns, unterlegt mit einer Karaoke-Version auf YouTube. Ja, sie lieben Karaoke wirklich sehr hier in Südostasien… Im Gegenzug sang auch Melanie ihnen eine deutsches Leid.

Gleich an unserem ersten Abend in Hanoi, brachten Thang, seine Freundin und ein paar seiner Freunde uns mit dem Roller zu einer wundervollen Garküche. Wir aßen eine nordvietnamesische Spezialität: Bun cha. Wir bekamen eine Suppenschüssel voll leckerer Brühe und kleinen Hackfleischküchlein aus  Schweinefleisch und dazu einen Teller Nudeln. Diese manövrierte man mit den Stäbchen in die Suppe und aß sie mit dem Löffel. Und ganz ehrlich… persönlich war das eines der besten Gerichte, welches ich je in meinem Leben probierte. Das Fleisch war vermutlich mit Honig mariniert und wenn man die Nudeln in die Suppe tauchte, entfaltete sich ein Aroma verschiedenster Geschmäcker. Süß und salzig. Und zugleich ganz leicht würzig. Ich mochte es und hätte drei Portionen verspeisen können.
Wir hatten wirklich aufschlussreiche Gespräche und einen kulturellen Austausch. Während fast jeder europäische Jugendliche täglich viel Zeit damit verbringt, so ist Whatsapp fast unbenutzt in Asien. Viele Jugendliche aus den Bergdörfern kommen zum Studieren in die Großstädte und jeder war natürlich neugierig, wie es denn in Deutschland so ist. Was essen wir? Wie wohnen wir? Und fahren wir auch alle mit dem Roller? Es war mal wieder ein wunderbarer Abend und es ist uns wirklich gelungen, Hanoi eine persönliche Note zu geben.

Hanoi

Der nächste Tag war leider fast komplett meinem Iranvisum gewidmet. Obwohl Hanoi eine wirklich vielschichtige, interessante Stadt ist, konnte ich sie an diesem Tag leider nicht wirklich genießen. Ich war eher damit beschäftigt, Taxis quer durch die Stadt zu nehmen, Formulare auszufüllen, mich von Bankschalter zu Bankschalter zu quälen und zu warten. Zwar hat es den ganzen Tag in Anspruch genommen aber letzten Endes hielt ich am Abend, als die Botschaft schloss, mein Visum in den Händen. Und zumindest schafften wir es, etwas Sightseeing in das straffe Programm des Tages zu quetschen.

Iranvisum

Wenigstens den zweiten Tag wollten wir in vollen Zügen genießen. Leider mussten wir noch für die letzte Nacht in Vietnam das Zimmer wechseln, da unser Gastgeber plötzlich und aufgrund eines unerwarteten Todesfalles in seinem Heimatdorf, aufbrechen musste, um an der Beerdigung teilzunehmen.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, in der wunderschönen Altstadt zu spazieren. Die Straßen in der Altstadt waren nach ihren Handwerken aufgeteilt. Heutzutage war das meiste nur Kitsch, trotzdem war es nett umherzuschlendern. Die Innenstadt wirkte wie ein riesiger Basar. Es gab Buddhastatuen, Töpfe und allen erdenklichen Touristentand.Wir folgten unserem Gespür und selbst im touristischen Epizentrum, war es möglich authentische Ecken zu finden.

Außerdem besichtigen wir das Mausoleum des gefeierten Volkshelden Ho Chi Minh. Um das Mausoleum gab es eine Villa, in der er gelebt hatte, einen Park in dem er spazieren gegangen war und Gäste empfangen hatte, und auch ein traditionelles, vietnamesisches Haus, in dem wir eine Art Büro besichtigen konnten.  Auch mehrere seiner Autos waren ausgestellt. Die Vietnamesen vergöttern ihn fast schon und sehen in als Vater des modernen, unabhängigen Vietnams.

 

Abends gingen wir ein letztes Mal gemeinsam essen, bevor es früh morgens um vier Uhr mit dem Taxi zum Flughafen ging. Somit sollte ein großes Kapitel der Reise enden. Ein Drittel der Reise war damit abgeschlossen und es sollte, trotz des Abschieds eine willkommene kulturelle Abwechslung folgen.

Kommentare

  1. Pingback: Top 10 Südostasien | wasgesternwar

Teile deine Gedanken...