Auf ein Letztes.

Von Tiflis ging es nach Telavi. Eine etwas größere Stadt im Osten,  in der Weinanbauregion Nummer Eins in Georgien. Von dort fuhr ich auch noch in einen kleinen Nationalpark und wanderte zu einem Wasserfall… Aber ganz ehrlich, will das noch jemand lesen?

Schließlich sind das die letzten, recht unspektakulären Tage einer unglaublichen Reise. Einfach so ging es zu Ende. Ohne etwas Besonderes, ohne ein Feuerwerk oder Irgendetwas. Irgendwie habe ich immer geglaubt, dass die letzten Tage etwas Besonderes werden, dabei waren gerade sie die “Normalsten”. Vermutlich gibt es keinen würdigen Abschluss von solch einer Reise, für all die unglaublichen Momente.

„Es ist mir gleich, ob es ein trauriger oder ein schlimmer Abschied ist, aber wenn ich von wo weggehe, möchte ich gern auch begreifen, dass ich von da weggehe. Wenn das nicht so ist, geht’s einem noch dreckiger.“

J. E. Sallinger “Der Fänger im Roggen”

Oder vielleicht sind gerade ein paar ruhige Tage genau das Richtige, um abzuschließen. Noch einmal die Ruhe zu genießen. Dieses “on the road-Gefühl”. Was auch immer jetzt die richtigen Worte sind, ich weiß es nicht. Doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um zurückzublicken. Auf so viele, unvergessliche Ereignisse…

AnhalterTruck

Sei es ein Festmahl mit buddhistischen Mönchen in Vietnam. Oder ein Anhalterabenteuer durch die Berge im Iran. Oft denke ich auch an das Erdbeben in Nepal, solch eine immense Katastrophe hautnah mitzuerleben. An Orten gewesen zu sein, die Tage später in Trümmern lagen. Auf eine weniger tragische Weise unvergesslich ist die Rollertour durch das Bolavenplateau in Laos. Genauso schön ist es, an neue Freunde zu denken, wie an meinen unaussprechlich zuvorkommenden, vertrauensvollen Gastgeber in Shardja. Welcher mich nach nur zwei Stunden ganz allein in seiner Wohnung ließ.

Mein Host und ich beim afghanisch Essen.
Mein Host und ich beim afghanisch Essen.

Ganz egal wo ich hinkam, habe ich immer wahnsinnig viele, wahnsinnig nette Menschen getroffen. Sei es in Südostasien, oder im mittleren Osten oder in Europa. Es macht mich immer wieder glücklich, an all diese Momente der puren Gastfreundschaft zu denken. Diese Leute hatten keinen Hintergedanken, oder sahen einen Profit darin. Vielmehr war es für sie wie eine selbstverständliche Pflicht. Und nicht nur diese freundlichen Menschen waren ein Highlight. Natürlich auch die wunderschöne Natur und die einmaligen Tempel, Paläste und schönen Altstädte. Die Burgen und Höhlen, ebenso wie Klöster und Ruinen. Jeder Ort war einzigartig. Oft werde ich gefragt: “Wo war es denn nun am Schönsten?” Ganz einfach, überall! In Momenten der Reise zeigt sich, auf was für einem einzigartig schönen Planeten wir leben.

BegnasTalBergblick

Für mich hat sich Reisen als eines der schönsten Dinge im Leben herausgestellt. Jeden Tag an einem neuen Ort aufzuwachen. Jeden Tag neue Menschen kennenzulernen oder auch jeden Tag neue Speisen zu probieren.

Doch natürlich hat Reisen nicht nur seine schönen Seiten. Meine vorletzte Nacht verbrachte ich in Tiflis mit einer mittelschweren Lebensmittelvergiftung. Und obwohl es mir in dieser Nacht wirklich elendig ging, dachte ich mir, das ist es wert. Wenn ich so etwas jede Woche einmal durchmachen müsste, wäre es das alles trotzdem wert. All diese kleinen Rückschläge, wie Heimweh, Krankheit oder Frustration, weil etwas nicht so klappt, wie geplant, wären es vollkommen wert, so viel Schönes zu erleben.

Oder zum Beispiel wenn man allein reist, insbesondere in Regionen in denen es wenige andere Touristen gibt, kann es auch mal zu Momenten der Einsamkeit kommen. Doch all das ist schnell vergessen wenn man dann wieder nach einer endloslangen Busfahrt vor dem erträumten Ziel steht.

Auf meiner ersten Reise traf ich einmal einen Finnen in der Türkei. Schon damals spielte ich mit dem Gedanken, eine zweite Reise zu unternehmen und er sagte zu mir:

“Think about you being an 80 year old man. You could either be an eighty year old man who has travelled the world or you can be an eighty year old man. And then the desicion is easy…”

So gesehen ist es wirklich eine einfache Entscheidung. Wir haben nur ein Leben und somit nur einmal die Möglichkeit, die Welt zu sehen. Ich denke, es wäre schade, auf so einem riesigen, vielfältigen Planten zu leben und nur einen winzigen Fleck, den wir Heimat nennen, gesehen zu haben. Auf der Reise habe ich so vieles gesehen und gelernt, was man in keiner Schule lernen kann. Neue Religionen, historische Schauplätze und  mir völlig unbekannte Natur. Um nichts in der Welt möchte ich etwas davon wieder eintauschen.

Vermutlich könnte ich noch Stunden lang weiter über die schönen Seiten des Reisens schwärmen. Doch ich denke jeder muss für sich selbst solche Erfahrungen und Eindrücke machen, um all das zu verstehen.

An dieser Stelle möchte ich noch ein letztes mal mit der Reise, zumindest hier auf dem Blog, abschließen. Mit diesem Artikel wollt eich einfach nochmal zurückblicken und alle snocheinma ein bisschen revue passieren lassen.

Letzten endes an alle die diese Reise so unvergesslich gemacht haben von mir ein:

Herzliches Dankeschön!

 

...und mitten drin auf einem Tuk-Tuk, noch viel angsteinflößender.

Kommentare

  1. Fred

    Der erste Reiseblog, den ich wirklich regelmäßig verfolgt habe, nachdem ich viele immer mal unregelmäßig gelesen hatte. Aber ich war immer neugierig, wie es wohl weitergeht. Dein Schlusswort hätte passender nicht sein können. Danke für die schönen, inspirierenden Posts und dass Du den Fokus auf die positiven Begegnungen gelegt hast.

    1. Autor
      des Beitrages
      wasgesternwar

      Vielen vielen Dank!
      Das freut mich wirklich sehr.
      Und keine Angst, die Reise ist zwar zu Ende aber neue Beiträge über Slowenien stehen schon in den Startlöchern. 😉
      Es geht also weiter!

      Vg
      Olli

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