Außenteam an Bodenstation

“Außenteam an Bodenstation. Erstkontakt mit der fremden Umgebung erfolgreich! Die Atmosphäre scheint der unseren ähnlich zu sein und ist atembar, jedoch ist es sehr viel heißer. Wir befinden uns in einer unwirtlichen, absurd wirkenden Landschaft. Spärliche Vegetation und seltsame blauen Felsen bestimmen das Landschaftsbild. Soeben erkunden wir jene seltsamen Formationen, sie wirken nicht-natürlich. Ob sie von einer intelligenten Lebensform geschaffen wurden? Wir sind jedenfalls vorsichtig. Obwohl wir ins Schwitzen geraten, schießen wir weiterhin viele Fotos zu Dokumentationszwecken und erkunden die Umgebung. Außenteam Ende!”

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Wie Astronauten auf einem fremden Planeten haben wir uns in der Steinwüste rund um Tafraout gefühlt. Der Ort liegt etwas abgeschieden im Süden Marokkos, weit weg von den Königstädten und der üblichen touristischen Route. Trotz dutzender Hotels und Restaurants, trafen wir nur relativ wenige Touristen, was eventuell an der langen, beschwerlichen Anreise liegen könnte. Dennoch fehlt es Tafraout und insbesondere der Umgebung nicht an Sehenswürdigkeiten. Verfallene Geisterstädte, antike Steingravuren, bunt bemalte Felsen und kuriose Gesteinsformationen. Am besten lässt sich das alles auf dem Fahrrad erkunden, da die Distanzen nicht allzu weit sind und es überall schöne Fotomotive zum Anhalten gibt.

Auf unserer Mountainbike Tour folgten wir zunächst der Straße Richtung Süden. Die erste Sehenswürdigkeit, welche man dabei passiert, ist der Napoleonshut. Eine außergewöhnliche Felsformation, welche oberhalb eines Dorfes thront und stark an die Kopfbedeckung des französischen Kaisers erinnert.

 

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Der Napoleonshut und das kleine idyllische Dorf darunter.

Stetig geht es leicht bergauf, bis man die abzweigende Schotterpiste zu den bekannten, blauen Felsen erreicht. Diese zum Teil riesigen Felsen wurden vom belgischen Künstler Jean Veran, nicht nur in blau, sondern auch schwarz und violett bemalt. Das recht weitläufige Areal ist frei zugänglich und wenn man vorsichtig fährt, auch mit einem normalen PKW erreichbar.

Von den blauen Felsen aus folgten wir einer sandigen Piste, welche uns stetig bergab zurück in das Dorf unterhalb des Napoleonhutes brachte. Alles in allem, war der Weg zurück bis Tafraout ein richtiges Highlight, fast gänzlich ohne Mühe ließen wir die Räder bergab laufen. Auch die Abfahrt durch das Dorf war genial, auch wenn wegen der Feiertage alles wie ausgestorben wirkte.

Zurück in der Unterkunft warteten wir die schlimmste Mittagshitze ab und kochten uns Nudeln, da auch im touristischen Tafraout kein Restaurant geöffnet hatte.

Nachmittags radelten wir in die andere Richtung, nach Norden in das Tal der Ammeln. Die Ammeln sind ein alter Berberclan und galten schon immer als geschickte Händler. Heutzutage sind aber viele, aufgrund mangelnder beruflicher Perspektiven, in Städte wie Casablanca oder ins Ausland abgewandert. Jedoch fließt viel des verdienten Geldes zurück in die Heimat, weshalb man in und um Tafraout hunderte prächtiger Villen sieht. Als Kontrast hierzu, findet man in den Dörfern nördlich von Tafraout noch viele alte Behausungen aus Lehm. Charakteristisch sind die aus Schieferplatten gemauerten Verzierungen in den Fassaden. Wir erkundeten das Dorf Oumesnat. Es gibt aber noch viele andere schöne Dörfer zu besuchen. Wer etwas mehr Zeit hat, kann auch in dem ein oder anderen Hotel in einem der traditionellen Häuser übernachten.

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Es war eine Schande, all die alten, teils prächtigen Häuser verfallen zu sehen. Da die Bewohner entweder gänzlich weggezogen oder in modernere Häuser umgesiedelt waren, kümmerte sich niemand mehr um sie. Zwar konnte man in keines der Häuser hinein, doch auch von außen machte sich eine gespenstische Atmosphäre breit und wir bahnten uns langsam unseren Weg durch die engen Gassen.

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Viele der Dörfer im Tal der Ammeln liegen in Ruinen.

Eine weitere Unternehmung ist ein Spaziergang zu den ca. 2 km entfernten Felsgravuren in der Palmerie von Tafraout.

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Die Palmerie von Tafraout
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Ein verlassenes Dorf oberhalb der Gravuren.

Tipps zu Tafraout:

Die Anreise nach Tafraout gestaltet sich etwas schwierig. Ohne eigenen Transport, kann man sein Glück von der völlig chaotischen Busstation in Inezgane bei Agadir versuchen. Sollte dieser Versuch scheitern, nimmt man ein Sammeltaxi oder einen Bus nach Tiznit. Von Tiznit aus, ist die wohl bequemste und auch schnellere Variante ein Sammeltaxi für 40 Dirham. Sollte man kein Taxi finden, kann man auch in einen der grünen Lux-Busse steigen. Die Linie 20 bringt einen ans Ziel und kostet 20 Dirham. Mit dem Bus dauert es jedoch deutlich länger, weil in gefühlt jedem Dorf jemand ein- oder aussteigen will.

Übernachtet haben wir in der “Auberge les Amis”. Für nur 14 Euro hatten wir ein geräumiges Doppelzimmer mit Klimaanlage, was während des Sommers sehr zu empfehlen ist. Frühstück gab es zwar keines, aber eine Küche stand zur Verfügung. Wir konnten auch sehr gute Mountainbikes direkt in der Unterkunft leihen und bekamen viele hilfreiche Informationen vom Besitzer.

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