Chefchaouen, die blaue Stadt

Ursprünglich sollte unser nördlichstes Ziel auf dieser Reise Fes sein. Da uns ein Ausflug in die Wüste, aber zu stressig und unauthentisch schien, hatten wir noch etwas Zeit übrig. Was also nun anfangen mit unserem Mietwagen? Wir entschieden uns, gut drei Autostunden weiter in den Norden zu fahren, als ursprünglich geplant, in die blaue Stadt Chefchaouen. In den 1960ern und 70ern war dieser Ort ein beliebter Treffpunkt für Hippies, im umliegenden Riffgebirge wird auch heute noch viel Haschisch angebaut. Mittlerweile aber sieht man mehr normale Touristen und Backpacker die Stadt besuchen, als drogenkonsumierende Blumenkinder.

Der Hauptgrund heutzutage, ein paar Nächte in Chefchaouen zu verbringen, sind die vielen malerischen Gassen, mit blau und weiß getünchten Häußern. Die Farben und architektonischen Einflüsse verleihen der Stadt ein andalusisches Flair. Jedoch sind auch die arabischen Elemente nicht zu übersehen. Kleine Überdachungen an den Eingängen oder die typischen Hufeisenbögen und Stalaktitenverzierungen. Stellenweise ist wirklich alles hier blau, der Fußboden, die Treppen, die Wände und Fensterläden.

blauesackgasse

Dies Stadt liegt, ähnlich wie Moulay Idriss, an einem Hang und so schlängeln sich dutzende enge Gassen nach oben. Hin und wieder öffnen sie sich wie aus dem Nichts, zu einem kleinen Platz. Meist steht hier eine Moschee oder eine alte Ziwa (Tekke), ein Kloster einer Suffibruderschaft. Der Ort eignet sich ideal, um ein paar Tage die Atmosphäre zu genießen, und in den zahlreichen Cafés und Restaurants zu entspannen. Aber das umliegende Riffgebirge bietet auch Möglichkeiten zum Wandern. Von eintägigen Ausflügen, bis hin zu mehrtägigen Wandertouren hat man hier viele Möglichkeiten. Es sei der Tallasemante Nationalpark genannt oder das Naturreservat Bouhachem.

chefchaouenferne1
Chefchaouen ist umgeben von wunderschöner Landschaft

blauetreppen

Blauer Overkill

Das Erste, was ihr in Chefchaouen machen solltet, ist einfach umherschlendern. Lauft in jede Richtung und in jede Gasse. Zu unterschiedlichsten Tageszeiten. Ich empfehle unbedingt einen Spaziergang früh am Morgen, wenn noch keiner der Souvenirstände offen hat. Die Gassen werden euch völlig neu vorkommen. Vor ca. halb zehn werdet ihr kaum Menschen auf den Straßen antreffen. Genießt die Details. Ihr werdet viele kleine Brunnen entdecken und hier und da kleine, liebevolle Verzierungen. Aber wenn langsam die ersten Souvenirverkäufer ihre Läden aufmachen um ca. 10 bis 11 Uhr, ist auch eine der besten Lichtstimmungen, also schießt fleißig Bilder. Praktisch alles ist hier ein perfektes Postkartenmotiv. Vor allem, wenn die warme Morgensonne alles schön ausleuchtet und eure Bilder das gewisse Etwas bekommen.

Persönlich genoss ich es sehr, immer wieder neue Ecken und Enden zu entdecken. Eines meiner Lieblingbilder entstand an einer Treppe mit bunten Blumentöpfen und Katzen. Jedoch fand ich es auch genial, in einer komplett blauen Gasse zu stehen, in der wirklich jeder Quadratzentimeter blau getüncht war. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Auch wenn irgendwann alle Souvenirläden geöffnet haben und ihr euch in manchen Gassen vor lauter Teppichverkäufern und Gewürzhändlern nicht mehr wohl fühlt, gibt es noch genug Orte, an denen es den ganzen Tag über ruhig und voller Atmosphäre ist. Lauft einfach etwas abseits der Ströme und ihr findet euren persönlichen Lieblingsort in Chefchaouen.

wp-1483723975276.jpg

Mehr als nur blau

Auf euren Streifzügen durch die schmalen Sträßchen, werdet ihr aber auch viel mehr sehen, als nur blaue Häuser. Zum Beispiel dutzende Moscheen in verschiedensten Baustilen. Eine Moschee besitzt ein achteckiges Minarett und liegt versteckt in den engen Gassen. Eine andere liegt direkt am großen Platz im Zentrum und ist mit grünem Mosaik und einem Brunnen vor dem Eingang geschmückt.

Insbesondere auf dem zentralen Platz (Outa el Hammam), habt ihr wirklich das Gefühl, in Spanien zu sein. Zahlreiche Cafés und Restaurants laden zum Verweilen ein. Hier herrscht Urlaubsfeeling und im Sommer könnt ihr hier gut die Mittagshitze überbrücken. Genießt einen Tee und schaut dem bunten Treiben auf dem Platz zu. Abends kann man hier auch gut speisen. Zwar bieten alle Restaurants mehr oder weniger das Gleiche an, auch die Preise sind ähnlich und alle Restaurants richten sich eher an Touristen, aber wir empfanden das Preisleistungsverhältnis als sehr gut. Außerdem gibt es hier ein paar besondere Spezialitäten, die ihr nicht immer auf einer Karte finden werdet z.B Lammtajine mit Backpflaumen, Walnüssen und Honig.

wp-1483723694640.jpg
Cafés und Restaurants am Place Outa el Hammam.

Weiterhin sehr sehenswert sind die vielen über die Stadt verstreuten Ziwas. Ähnlich wie Moulay Idriss war Chefchaouen eine für Nichtmuslime lange verbotene Stadt, weswegen es noch viele dieser Klöster gibt. Immer wieder werdet ihr an einem Eingang vorbei spazieren. In Chefchaouen gibt es recht viele Infotafeln, die euch etwas über die Sehenswürdigkeiten erläutern.

Eine andere spannende Besonderheit sind öffentliche Backstuben. Familien bringen hierher ihren Brotteig, damit dieser in großen Lehmöfen gebacken werden kann. Diese Gemeinschaftsöfen waren leichter zu finanzieren, da sich kaum eine Familie einen eigenen Brotofen leisten konnte (kann). Auch heute noch sieht man viele Frauen mit Brettern voller Teigfladen zu diesen Bäckereien gehen. Ihr erkennt die jeweiligen Gebäude leicht an ihren stark verrußten Dächern und Kaminen und zum Teil an großen Bergen von Brennholz.

Die spanische Moschee

Mindestens einmal solltet ihr während eures Aufenthalts hoch zur spanischen Moschee laufen. Sie ist leicht von einer der unzähligen Dachterassen zu erspähen, auf einem Hügel direkt südlich der Stadt. Um hierherzukommen, verlasst ihr die Medina durch das östliche Tor (Bab al Ansar) und könnt dann links über eine schmale Straße oder wenig später über Treppen hoch zur Moschee laufen. Die Moschee selbst ist nicht sonderlich spannend, aber dieser Hügel ist der beste Aussichtspunkt über die Stadt und ein beliebter Treffpunkt, um den Sonnenuntergang zu genießen. Wir waren hier am Nachmittag und auch das hat sich gelohnt. Also wenn ihr Lust habt, warum nicht zweimal zu unterschiedlichen Tageszeiten hierherkommen?

 Unterkunft in Chefchaouen

Wir übernachteten in der Casa Amina. Der junge Besitzer spricht gut Englisch und man fühlt sich sofort wohl. Außerdem waren zur Zeit unserer Übernachtung viele junge Gäste da, sodass man schnell Leute kennenlernte. Das Beste aber sind die Preise. Wenn ihr eine sehr günstige Unterkunft sucht, seid ihr hier richtig.

Sucht besser vorher im Internet eine passende Unterkunft, denn mit Gepäck ist es wirklich anstrengend bergauf, bergab durch die engen Gassen zu laufen und etwas passendes zu suchen. Nicht selten werdet ihr dabei auch noch von Männern belästigt, die euch mit günstigen Preisen und Haschisch in ihre Unterkunft locken wollen. Wie ich hörte, sind das aber ziemliche Bruchbuden, in denen ihr nicht bleiben wollt.

Allgemein werdet ihr immer wieder ein geflüstertes “Haschisch?” oder “Kif?” hören. Ihr solltet diese Angebote ausschlagen, denn für Marokkaner ist der Konsum legal, für Ausländer aber nicht. Und ihr wärt nicht die ersten Touristen, die sich deswegen in einem marokannischen Gefängnis wiederfinden.

Habt ihr noch mehr Tipps zu Chefchaouen? Was hat euch gefallen und was nicht? Schreibt es in die Kommentare!

Kommentare

    1. Autor
      des Beitrages
        1. Autor
          des Beitrages
          wasgesternwar

          Ja sehr unkompliziert. Ein bisschen französisch hilft, ist aber auch kein Muss. Ansonsten einfach defensiv fahren und nicht zu tief in die Altstadt fahren mit dem Auto. Aber ansonsten super easy.
          Solltest du in Erwägung ziehen. Du findest auch noch Beiträge in der Kategorie Marokko wie du am besten einen Mietwagen buchst und allgemeine Tipps zum günstigen Reisen. 😉

  1. ChezJuli

    Hi Oliver!
    Toller Beitrag und hammer Bilder! Schön, dass dir mein Artikel zum Travel Journal gefallen hat. Aber da du hier ein wunderbares Reisetagebuch schreibst, wirst du das ja sicher nicht für deine Reiseerinnerungen brauchen, oder? 😉
    Liebe Grüße
    | Juli |
    http://www.chezjuli.de

    1. Autor
      des Beitrages
      wasgesternwar

      Hey Juli!
      Danke für die lieben Worte. Trotz des Blogs besitze ich auch viele Notizbücher und Skizzenbücher. Ich bin ein großer Freund von Papier und Gedanken und Erlebnisse darauf festzuhalten. 🙂

      VG
      Olli

  2. Pingback: Die blaue Stadt Chefchaouen und wie die Kälte nach Marokko kam

  3. Pingback: Was kostet Backpacking in Marokko? | wasgesternwar.com

Teile deine Gedanken...