Dark desert highway – Durch die iranische Wüste

Die zwei Jungs, die mir mit dem Taxi geholfen haben, wirkten etwas verrückt und aufgedreht, der Fahrer ist nun das komplette Gegenteil und scheint irgendwo zwischen apathisch und konzentriert zu sein. Der Wind bläst stark und Sandkörner prasseln gegen die Karosserie des Autos. Es ist dunkel, nicht nur, weil die Sonne untergegangen ist, ein brauner Schleier aus Sand umhüllt das Taxi. Mit nicht mehr als dreißig Kilometern pro Stunde ruckeln wir durch den Sandsturm. Die Straße ist schon komplett mit einer Schicht aus Sand bedeckt, weswegen der Mann hinter dem Steuer bei jeder Kurve noch vorsichtiger ist.  Um uns erhasche ich erste Blicke auf die Sandünen, nicht gerade die Sahara, aber für das erste Mal in einer Wüste schon sehr beeindruckend. Draußen hat es sicher noch weit mehr als dreißig Grad, im Auto aber bläst die Klimaanlage unerbittlich und man muss Angst haben, sich in der Wüste zu erkälten. In der Ferne sieht man Berge. Kein anderes Auto ist auf der Straße und ich frage mich, ob ich gerade entführt werde oder irgendwann noch am ‘guesthouse’ ankomme.

Endlich erreichen wir den kleinen Ort “Mesr”, was auf persisch soviel wie “Ägypten” bedeutet. Nur ein paar Lehmhäuschen und eines davon ein Hostel. Es ist fast dunkel und der Sandsturm wütet, wodurch die Umgebung einen ernüchternden Eindruck macht. Im Innenhof sitzen vier andere Gäste. Eine polnische Familie und die Ehefrau des Sohnes.

Der junge Besitzer sah mit seiner weiten Hose und dem struppigen Vollbart wie ein echter Wüstenbewohner aus. Er zeigte mir mein Zimmer, sehr schön und sehr karg. Ein Raum mit einem persischen Teppich und in einer Ecke lagen ein paar Kissen und eine Decke. Der Teppich stellte mein Bett für die nächsten zwei Nächte dar, denn traditionell schläft man im Iran auf dem Boden. Im Innenhof kam ich mit der netten Familie ins Gespräch, wobei nur das junge Paar Englisch sprach. Der einzige Haken an der Unterkunft war wohl, dass das Abendessen genauso viel kostete wie Frühstück und Bleibe zusammen.

Nachdem ich ausgeschlafen hatte und gemeinsam mit der polnischen Familie gefrühstückt hatte, unternahmen wir einen Spaziergang in den Sandühnen. Wohl die größte Stärke der Unterkunft war die unmittelbare Lage zu den Dünen. Wir liefen etwas ziellos umher und erklommen mehrere Dünen. Zwar reichten die Dünen nicht endlos bis zum Horizont, trotzdem war es ein atemberaubendes Gefühl, völlig von Sand umgeben zu sein.

Irgendwann wurde es aber einfach zu heiß. Wir zogen uns über die Mittagshitze in den schattigen Innenhof der Lodge zurück. Gemeinsam mit der Familie spielte ich eine polnische Variante von Sechsundsechzig und döste etwas im Schatten, bevor wir am späten Nachmittag zum Kamelreiten abgeholt wurden. Ja. Klingt touristisch. Ist es auch. Es klingt nach Bespaßungsprogramm. Stimmt. Denn Spaß hat es gemacht. Es war ein tolles Gefühl so über die Dünen zu schwanken.  Zum Aufsteigen kniete sich das Kamel hin, insbesondere dieser Moment, wenn das Kamel aufstand, war es ein sehr komisches Gefühl. Aber es hat wirklich Spaß gemacht und wir waren genau zur richtigen Zeit in den Dünen unterwegs. Die Sonne war kurz vorm Untergehen und es boten sich spektakuläre Ausblicke. Nur der Abend war eine kleine Enttäuschung, der Sternenhimmel war bei Weitem nicht wie erhofft. Was sich uns bot, hätte ich genauso gut zuhause, wenn nicht sogar besser erblicken können. Aber man kann nun mal nicht alles haben, vielleicht lag es am Sturm des vergangenen Abends.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Esfahan. Zuvor wanderte ich aber nochmal zum Sonnenaufgang alleine in die Dünen. Ein rot leuchtendes Meer aus Sand umgab mich. Nicht der Sonnenaufgang selbst war das Highlight, sondern die feurig glühenden Dünen um mich. Es war anstrengend so früh morgens die Sandberge zu erklimmen, aber gelohnt hat es sich definitiv. Anschließend ging ich zurück in mein Zimmer um noch ein, zwei Stunden zu schlafen, bevor es mit dem Bus nach Esfahan ging. Obwohl es mir super gefallen hatte in der Wüste, fiel der Abschied bei einem Blick auf dasThermometer nicht schwer. Die Mittagshitze ließ das Quecksilber fast bersten und so war ich recht froh, aus diesem Heizkessel zu entfliehen. In einem uralten Mercedes Minibus holperte ich Esfahan entgehen.

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