Das Kuschelmonster

Wir erwarteten Kitsch, wir erwarteten eine Art Disneyland, oder den rosaroten, plüschigen, zuckersüßen Traum eines kleinen prinzessinnenhaften Mädchens. Stattdessen fanden wir eine Horde Heranwachsender und deren gastfreundlichen, super netten Lehrer. Als wir in Dalat ankamen, dem Flitterwochenziel Nummer Eins in Vietnam waren wir erstaunt, wie überraschend normal alles war und eben kein Kitschtraumland für Pärchen.

EiffelturmDalat

Diesmal mussten wir auch nicht von Guesthouse zu Guesthouse ziehen und nach Preisen fragen. Stattdessen war der Plan, in einer Art Studentenwohnheim zu nächtigen, betrieben von dem freundlichen Lehrer der Schüler, Daniel. Ihn hatten wir auf Couchsurfing entdeckt. Als wir an seinem Wohnheim ankamen, sahen wir schon vor der Haustür den kleinen Huskiewelpen, bärenhaft und verspielt. Die Tür stand offen, doch keine Spur von Daniel. Nach mehrmaligem Rufen im Hausflur kam eine junge Frau und wies uns ab. Man merkte jedoch, sie hatte nicht recht verstanden, was wir von ihr wollten. Etwas verwirrt standen wir also erneut auf der Straße. Als wir fast aufgegeben hatten, kam noch ein Mädchen und fragte, ob wir Daniel gerufen hätten und erklärte uns, er sei noch in der Schule. Sie führte uns in ein Zimmer. Unser Bett stand im Raum mit einem weiteren Stockbett. Für die nächsten zwei Nächte teilten wir unser Zimmer also mit zwei ca.16-jährigen Schülern. Abends aßen wir gemeinsam mit dem ganzen Haus. Fünfzehn Studenten plus zwei Lehrer leben dort. Nach dem Essen lernten wir auch endlich unseren Gastgeber Daniel persönlich kennen.

Früh morgens hatten wir noch eine ganz besondere Begegnung. Die Schüler brachen zur Schule auf, was uns nicht weiter störte, wir konnten ja noch etwas liegen bleiben. Doch leider ließen sie die Tür offen, was das sabbernde Kuschelmonster von Huskiewelpe wohl als Aufforderung sah, in unser Bett zu springen. Er wollte nur spielen, aber mit kalten Geschlabber und Gezerre an der Kleidung geweckt zu werden, war etwas rabiat. Gar nicht so leicht, früh morgens einen schon recht kräftigen Hund wieder aus dem Zimmer zu befördern.

Vormittags wollte Daniel uns mit dem Roller etwas herum fahren, aber nicht ohne ein leckeres, ganz besonderes, vietnamesisches Frühstück und einen Kaffee.
Daniel hatte noch eine weitere Couchsurferin bei sich, welche wir beim Kaffee trinken kennen lernten. Sein Lehrerkollege, seine Schwester und sein Cousin, welche zufällig auch zu Besuch waren, luden uns ein. Die Mahlzeit bestand aus einer Art Reisküchlein, in drei Variationen, mit Ei, mit Shrimp oder mit Hackfleisch. Die griff man mit den Essstäbchen, was gar nicht so leicht war und dippte sie in eine super leckere, salzige Fischsauce.
Nach dem Frühstück tranken wir eine Art vietnamesische Espressovariante, mit der hier allseits beliebten süßen Milch. Es war wirklich schön mit vier Vietnamesen den Tag zu verbringen. Daniels Cousin war Hochzeitsfotograph und seine Schwester begann bald in einem Tempel die Meditation zu lernen. Es war wirklich interessant und diese zwei netten Leute fuhren uns sogar noch etwas mit dem Motorrad herum, da Daniel leider keine Zeit mehr hatte, weil er unterrichten musste.

Zuerst hielten wir an einem See, dessen Umgebung eher an das Allgäu erinnerte, mit all den Hügeln. Der zweite Stopp war ein buddhistisches Kloster, eben jenes, in dem Daniels Schwester die Meditation erlernte. Nachmittags besuchten wir, wieder nur zu zweit den Markt in Dalat und die örtliche Kirche. Der alte Bahnhof durfte auch nicht auf unserer Sightseeingliste fehlen. Früher einmal war Dalat auch ein beliebter Urlaubsort der französischen Kolonialherren, geschätzt aufgrund des kühleren Klimas. Während es in Saigon heiß wie in einem Kochtopf ist, hat es hier angenehme 22 bis 25°C. Sie konnten hier bequem mit dem Zug anreisen und in einer der unzähligen französischen Villen, die bis heute erhalten sind übernacht bleiben.

Abends speisten wir erneut mit all den Schülern und sie bekamen noch eine Nachhilfestunde, direkt in unserem Schlafzimmer. Von Chemie ist bei uns leider doch nicht mehr alles im Kopf und so war es auch für uns eine Nachhilfestunde.

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung und jetzt freuten wir uns auf ein, zwei Tage Strandurlaub.

Strand1

Dazu ging es zunächst mit dem Bus, den wir in allerletzter Sekunde erwischten nach Natrang, der Strandpartyhauptstadt Vietnams.
Hier blieben wir jedoch nicht, sondern sprangen direkt in den Zug Richtung Norden, an einen etwas abgelegeneren Strand. Unser Endbahnhof hieß Dieu Tri. Hier kamen wir erst abends an und mussten somit die Nacht dort verbringen, bevor wir mit dem Lokalbus die letzten zehn Kilometer zum Strand fuhren. Die Zimmersuche in Dieu Tri, verlief etwas kurios, aber letzten Endes fanden wir ein Hotel und konnten am nächsten Tag endlich zum Strand.
Kaum Ausländer in Sicht, so ließ es sich aushalten, mit einem komplett leeren Strand.
Wir machten nichts anderes, als einfach mal eineinhalb Tage faul am Strand zu liegen und im Wasser zu planschen. An beiden Abenden konnten wir noch einem besonderen Spektakel beiwohnen. Mitten im Zentrum, unweit unserer Unterkunft, war eine riesige Bühne und eine noch größere Tribüne. Jeden Abend herrschte Ausnahmezustand und die komplette Stadt und das Umland waren auf den Beinen. Auch wenn uns der Grund der Feier nicht ersichtlich war, evtl. der Frühlingsbeginn, gefielen uns einige der Perfomances, hauptsächlich Tänze sehr gut, manche trafen wohl eher den asiatischen Geschmack. Unsere Hotelbesitzerin, die das ganze als Liveübertragung aus gemütlichen 500m Distanz auf ihrem Fernseher beobachtete, verriet uns dann, es sei eine Feier für und von der Jugend.

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