Das Paradies in der Unterwelt?

Wenn ich an Phong Nha zurück denke, tue ich das mit gemischten Gefühlen. Einerseits war die Natur einmalig. Leuchtend grüne Reisfelder, inmitten von Flüssen und Karstbergen. Und natürlich die immensen, gut beleuchteten Tropfsteinhöhlen, weswegen wir gekommenen waren. Anderseits war es der Ort, an dem Melli unter einer starken Lebensmittelvergiftung litt und mein Kummer um ihre Gesundheit die Schönheit des Ortes überschattete.

Der Tourismus ist für die Region noch etwas recht Neues, was ich recht schnell feststellte, als ich an unserem ersten Tag durch das Wohnviertel der Einheimischen spazierte. Dort mischten sich neugierige Blicke, mit freundlichen „Hello“-Rufen und den Versuchen, mit den paar Worten Englisch, die jeder so kann zu kommunizieren. Auch eine neue Kirche und zahlreiche Wohnhäuser wurden errichtet und man merkte, dass das neue Geschäft mit den Ausländern auch den Wohlstand förderte.

 

Kuh

Das kleine Örtchen, in dem auch wir unsere Unterkunft bezogen hatten, war das touristisch besterschlossenste. Außerhalb bot sich das Bild eines sehr traditionellen Vietnams, was sich mir offenbarte als ich am nächsten Tag mit einem gemieteten Roller loszog. Ungeachtet des touristischen Aufschwungs, gingen die Leute ihrem ursprünglichen Leben nach. Man sah Frauen zwei einzelne Ziegen umhertreiben, Bauern bei der Arbeit auf den Feldern und Leute dort Boote benutzen, wo es keine Brücken gab um auf die andere Seite zu kommen. Auf dem Weg zur sogenannten “paradise cave”, passierte ich endlos wirkende Reisfelder und sah eine sehr interessante Art und Weise, Vieh auf der Weide grasen zu lassen. Die Rinder wurden an einem langen Ast und einem Gegengewicht an einem drehbaren Pfosten festgebunden und konnten so in einem bestimmten Radius fressen.

An der Höhle angekommen, fand ich auch dort alles noch mehr oder weniger im Aufschwung und es wurde fleißig an künftigen Souvenirshops gewerkelt. Doch schon jetzt merkte man, dass es große Pläne für die Region gab. Die Höhle war touristisch perfekt erschlossen. Man konnte sich sogar vom Ticketschalter aus bis zum Fuße des Berges unter dem Höhleneingang mit einem Golfwagen fahren lassen. Von dort war es ein steiler, anstrengender Anstieg bis zur Öffnung in die immensen Kammern des Paradieses. Paradiesisch trifft es zwar nicht ganz, schließlich war es eine kalte, nasse und dunkle Tropfsteinhöhle, aber Superlative wie gigantisch und atemberaubend trafen tatsächlich zu. Die Höhle war perfekt ausgeleuchtet und durch verschiedene Farben gut in Szene gesetzt. Und ich muss sagen. Wow! Es hat sich wirklich gelohnt. Die Felsformationen waren teilweise wirklich bizarr. Manche sahen aus wie verrückt geformte Tiere und Monster, einer sah aus wie ein Tannenzapfen.

Wieder im Hellen und vor allem schwül Heißen angekommen, machte ich mich auf den Rückweg zu meinem Roller. Der Tag war noch jung und die Gegend wunderschön. So beschloss ich einfach noch etwas kreuz und quer durch die Landschaft zu fahren.

Hier gab es wirklich viel zu entdecken. Zum Beispiel konnte man ein Stück des Weges auf einer alten Startbahn für ein Kampfflugzeug fahren. Ein Überbleibsel des Vietnamkrieges. Bis hinauf zu einem Bergpass brachte mich meine ziellose Fahrt. Hoch oben war es ganz schön kühl und ein Schild warnte, man hätte schon die Grenzregion zu Laos erreicht. So war es gar nicht mehr allzu weit bis zu der riesigen Höhle, durch die wir ein paar Wochen zuvor mit dem Boot gefahren waren. Es war zwar schwer, sich an der atemberaubenden Landschaft satt zu sehen, aber der Tag und vor allem mein Tankinhalt neigten sich dem Ende zu und somit war es an der Zeit, umzudrehen.

Noch eine Höhle wollten wir gemeinsam besichtigen, bevor wir weiter zogen. Melli ging es wieder besser und so spazierten wir zu zweit zum nahe gelegenen Bootspier. Da man pro Boot und nicht pro Person zahlte, warteten wir, bis sich eine Gruppe zusammengefunden hatte, um die Kosten zu teilen. Erneut ging es ein gutes Stück durch die wunderbare Natur und man konnte zu beiden Seiten Büffel beim Baden beobachten und sah örtliche Bootsleute bei der Arbeit. Ein gutes Stück den Fluss hinunter erreichten wir dann die Höhle. Kurzerhand wurde unser Boot etwas umgebaut und der Sonnenschutz über unseren Köpfen verschwand und der Motor wich einem Paddel.
Zwar war diese Höhle wesentlich kleiner als ihr Äquivalent in Laos. Dafür wesentlich besser ausgeleuchtet und nach einer Bootsfahrt konnte man zu Fuß durch die Stalagmiten und Stalaktiten zurück zum Eingang der Höhle schlendern. Von dort konnte man unzählige Treppen zu einer weiteren Höhle hinauf steigen und hatte auch noch einen tollen Blick über die Umgebung.

Abends verabschiedeten wir uns von diesem wunderschönen Fleckchen Natur. Vermutlich hatten wir es gerade noch rechtzeitig gesehen, bevor der völlige Massenpauschaltourismus seine Hand um die Region legt. Wir schlossen uns den jetzt schon vorhandenen Horden an Backpackern an und nahmen den Nachtbus nach Ninh Binh.

 Ausblick

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