Desert taxi.

I’m Ali and Karanaq very good!

Ali brüllt laut im Taxi, während wir mit 120 km/h auf dem holprigen  Wüstenhighway dahin brettern. Ein Spanier ist mit mir gekommen, um sich das Taxi zu teilen. Wir sind auf dem Weg nach Karanaq. Eine verlassene Lehmziegelsiedlung. Viele Touristen kommen vormittags hierher, um dann in Horden in der glühenden  Mittagshitze mit den anderen Tourgruppen umher zu trotten. Wir wollten dem entgehen und sind nachmittags um 4 losgefahren, um hoffentlich bei gutem Licht die Einzigen in der Geisterstadt zu sein. Unseren Fahrer Ali haben wir in der Nähe unseres Hostels in der  Wüstenstadt Yazd kennengelernt. Ali spricht gebrochenes Englisch, ist aber allseits guter Dinge und lacht ständig, während er lauthals von sich gibt, wie schön es hier und in Yazd ist.

KaranaqPanorama1

Nach einer gut einstündigen Fahrt durch Wüste und Halbwüste, in der es um uns nichts außer Sand, Stein und ein paar trockenen Sträuchern gibt, erreichen wir Karanaq. Vor vielen Jahren wurden alle Menschen, die hier lebten in eine Neustadt mit modernen Häusern umgesiedelt. Heutzutage steht die Lehmsiedlung verlassen in der Landschaft, wie ein ausgeschlachtetes Gerippe. Die Türen der Häuser stehen offen, die schmalen Gassen sind leer gefegt. Nirgends eine Menschenseele, die Moschee ist unbenutzt und von den bröckelnden Dächern sieht man den neuen Lebensraum der Menschen, die Neustadt. Viel interessanter aber ist die Aussicht, hinweg über das Gewirr aus braunen Dächern, eingestürzten Wänden und Kuppen. Mittendrin ragt das Minarett heraus und mein Gefährte und ich machen uns auf, die Moschee zu erkunden. Wir wandern durch das Labyrinth an schmalen Straßen und Sackgassen.

Die Türen erwecken mein Interesse. Die Doppeltüren haben an jeder Seite je einen Türklopfer, einen länglich Schmalen und einen Runden Diese erzeugen unterschiedliche Geräusche. So erkannten die Hausbewohner anhand des Klopfens, ob es eine Frau ist, die den schweren runden Griff benutzt oder ein Mann, der den länglichen Klopfer benutzt. Dementsprechend kann dann eine Frau die Tür öffnen oder ein Mann.

Der Anblick der braun leuchtenden Siedlung in der Abendsonne ist fantastisch und wir konnten viele Fotos schießen, bevor wir mit Ali zurück zu unserem Hotel fahren. Den Abend lassen wir bei einem Hamburger ausklingen. Fastfood ist sehr günstig, beliebt und lecker im Iran.

Ansonsten ist Yazd eine richtige Wüstenstadt, wie aus tausend und einer Nacht. Eine riesige Altstadt, deren Fassade mit einer Mischung aus Lehm und Stroh verputzt ist. Von der Dachterrasse meiner Unterkunft hatte man einen direkten Blick auf die Freitagsmoschee. Am besten jedoch war es, einfach durch das Gewirr an engen Gassen zu schlendern. Mal links und mal rechts abzubiegen und sich treiben zu lassen. Letzten Endes hatte ich mich dann auch richtig schön verlaufen. Aber auf eine gute Art und Weise verlaufen, denn anhand der alles überragenden Freitagsmosche, fand ich schnell den Weg zurück zu meinem Hotel.  Über den Mittag hinweg stand Siesta auf dem Programm, da es schlichtweg zu heiß war.

Eine weitere Besonderheit für Yazd sind die Windtürme und unterirdischen Wasserkanäle und  Wasserreservoirs. Die Türme ragen wortwörtlich überall in der Stadt hervor, sie leiten den Wind nach unten in die Häuser. Bei jetzt schon 35 Bis 40 Grad, dabei ist es noch lange nicht Sommer, ist eine solche Erfindung verständlich. Auch eine Wüstenstadt braucht natürlich Wasser und deshalb gibt es Quanate. Kanäle, die das Wasser aus zum Teil großer Entfernung dahin leiten, wo es gebraucht wird.  Über die Wasserversorgung kann man sich im hervorragenden Wassermuseum von Yazd informieren, direkt gegenüber  befindet sich die berühmteste Konditorei.

Hier gibt es all die süßen Spezialitäten, wie Baklava und Ghottab. Die Bäckerei war ein einziges Chaos aus einem konstanten Strom von Iranern, die hinein drängten und beladen mit Tüten voll Süßem wieder hinaus strömten. Man musste seine Bestellung auf einen Zettel schreiben, dann bezahlen und mit der Quittung konnte man die bereits hergerichteten Wünsche abholen. Für einen Ausländer stellte das eine große  Herausforderung dar. Ich bat einen Iraner um Hilfe und zeigte ihm, ich hätte gerne eine kleine, gemischte Box, um etwas von allem probieren zu können. Am Ende bekam ich zwar nur eine Box voller Baklava, aber naja, das war wenigstens lecker.

Die wohl bizarrste Sehenswürdigkeit in Yazd sind aber die Türme des  Schweigens. Diese sind Bestandteil des Zoroastrismus, die erste monotheistische Religion der Welt und Vorgänger der heutigen monotheistischen  Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum. Yazd bildet das Zentrum dieser Religion, für welche Feuer heilig ist. In jedem zoroastrischen, sogenannten Feuertempel brennt eine Flamme, die nicht ausgehen darf. Die Bestattung von Leichen stellte aber ein Problem dar. Da Feuer als heilig gilt, konnte man die Toten nicht verbrennen. Eine Beerdigung war auch nicht möglich, denn die Anhänger dieser antiken Religion hatten Angst, die Erde zu verschmutzen. Somit war eine sogenannte Himmelsbestattung die einzige Möglichkeit. Dabei wurden die Toten in den Türmen ausgelegt, so konnten sie von Geiern, aber nicht von Landtieren gefressen werden. Eine sehr makabere Form der Bestattung.

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