Die besten Tipps zum Wandern im Atlasgebirge

Imlil hat sich als bequeme Ausgangsbasis für die Besteigung des höchsten Berges Nordafrikas herauskristallisiert. Dutzende Gasthäuser, Läden und Führervermittlungen machen es leicht, den Jebel Toubkal zu besteigen. Des Weiteren ist der Weg technisch nicht sehr anspruchsvoll und so kann man auch mit normaler Wandererfahrung einen Aufstieg wagen. Hierzu findet man zahlreiche Berichte und viele Informationen, doch abseits dieses eher ausgetretenen Pfades warten noch viele andere schöne Tagestouren für Genusswanderer, von denen ich zwei hier vorstellen möchte.

Aber zuerst: “Wie kommt man nach Imlil?” und “Wo übernachtet man am besten?”

Imlil, Anreise von Marrakesch

Die Anreise nach Imlil war so eine Sache für sich. Obwohl der Ort beliebt bei Touristen ist und sich nur ca. 1,5 Stunden von Marrakesch entfernt befindet, ist die Anreise etwas aufwändig.

Meist muss man ein Sammeltaxi bis nach Asni nehmen, von wo aus man in ein weiteres Sammeltaxi nach Imlil umsteigen kann. Anscheinend gibt es auch einen lokalen Bus, der direkt bis Imlil fährt. Nachdem die Informationen in unserem Reiseführer falsch waren und wir zunächst zur falschen Haltestelle gelaufen waren, halfen uns glücklicherweise zwei freundliche Marokkaner. Die vermutlich richtige Station ist die Sidi Mimoun Haltestelle. Wir konnten dies nicht zu 100 Prozent herausfinden, denn auf dem Weg dorthin passierte uns ein Bus, aus dem ein Mann uns “Imlil” zurief und ehe wir uns versahen, saßen wir für 50 Dirham p. P. in dem etwas heruntergekommenen Bus direkt nach Imlil.

Unterkunft

In Imlil, dem Hauptort der Region, gibt es dutzende Unterkünfte. Die Meisten sind einfache, aber sehr schöne Gîtes/Auberges. Außerdem gibt es auch in vielen umliegenden Dörfern mindestens eine Unterkunft, jedoch muss man sein Gepäck hierher selbst tragen können. Außerhalb findet man Hotels vor allem in Aremd, etwas oberhalb von Imlil auf dem Weg zum Toubkal.

Mein Tipp: Dar Tighoula

Das Dar Tighoula liegt etwas außerhalb von Imlil, ca. 10-15 Minuten vom Zentrum entfernt in Richtung Tamtert. Für 12 Euro pro Person bekommt man hier Halbpension in sehr geräumigen Zimmern mit Balkon. Von der Dachterrasse hat man einen genialen Blick über Imlil und das Tal. Hier oben wird bei gutem Wetter auch Frühstück und Abendessen serviert. Beides ist sehr ausgiebig, abends gibt es sogar ein richtiges 3-Gänge-Menü. Ich kann nur empfehlen, dort zu Abend zu essen, da die meisten Restaurants in Imlil, nicht wirklich einladend aussahen und kaum belebt waren. Und für 60 Dirham bekommt man gute Hausfrauenkost zu kleinem Preis.

Das Beste aber ist die sehr sympathische Familie, die das Gasthaus führt. Alle sprechen gutes Englisch und Französisch und der Besitzer kann sehr gute Tipps und Informationen zu Wanderungen geben.

1. Zum Tizi n’ Tamtert und weiter

Dauer: ca. 1,5 Stunden bis zum Pass hoch, danach soweit man möchte.

Höhe: 2279 m Differenz: 540 m Höhendifferenz

Überblick: Leichte Wanderung mit Einkehrmöglichkeit und vielen tollen Ausblicken

Diese Wanderung unternahmen wir noch direkt nach unserer Ankunft und hatten somit nur einen halben Tag. Wer schon am Morgen startet, kann noch weiter wandern als hier beschrieben.

Von der Unterkunft in Imlil geht es Richtung Westen, zunächst folgt man der fast gar nicht befahrenen Straße. Man verlässt Imlil und erreicht kurz darauf das Dörfchen Tamtert. Hier sieht man oft Einheimische bei der Arbeit auf den stufenartig angelegten Feldern. Ein wenig später muss man aufpassen, denn in einer der Kurven zweigt unscheinbar ein Trampelpfad ab. Zwar kann man auch der Straße weiter folgen, doch auf dem Pfad ist es viel schneller. Dass man auf dem richtigen Weg ist, zeigen einem die spärlich verstreuten gelben und orangen bzw. weißen und orangen Markierungen. Nun geht es durch den lichten Wald bergauf. Es ist relativ einfach, dem Weg zu folgen. Mehrmals kreuzt man die Straße und kann sich somit kaum verlaufen. Schnell gewinnt man an Höhenmetern und bald ist der höchste Punkt des Passes (Tizi = Pass) in Sicht.

Oben gibt es eine kleine Hütte, in der ein netter, alter Mann Softdrinks und Tee für einen relativ fairen Preis verkauft. Von hier aus hat man das erste Mal den Ausblick auf das Tal hinter dem Pass. Viele kleine Dörfer sind in die Hänge gestreut und es sollte gut möglich sein, an einem Tag eines davon zu besuchen und zurück nach Imlil zu laufen.

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Doch anstatt abzusteigen und später erneut zum Pass aufzusteigen, folgten wir der Straße etwas weiter. Auf diesem Weg ging es lange Zeit nur wenig bergab und wir konnten in aller Ruhe die vielen grandiosen Ausblicke genießen. So malerisch lagen die kleinen erdfarbenen Dörfchen im gegenüberliegenden Hang. Hier und da erhob sich ein Minarett aus den wirren Ansammlungen von Häuschen. Als dann plötzlich der Ruf zum Gebet durch das Tal hallte, war die Stimmung komplett. Besonders gut hat mir die Abwechslung an Ausblicken gefallen. Während am Anfang des Tals noch alles komplett braun, wie in der Wüste war, wurde es zum Ende hin immer grüner.

Leider hatten wir nur den halben Tag und mussten bald den Rückweg antreten. Zurück ging es auf demselben Weg und wir konnten uns gerade noch so in unsere Unterkunft retten, bevor ein heftiger Regenschauer einsetzte.

2. Zum Tizi Mizik und weiter

Dauer: 2 Stunden zum Pass

Höhe: 2664 m Differenz: 924 m

Überblick: Mittelschwere Wanderung mit tollen Ausblicken und der Möglichkeit, in einem langen Tag zu einem Wasserfall und zurück zu wandern.

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Am zweiten Tag starteten wir früher und liefen zunächst entlang der Straße, die nach Aremd führt. Nach ca. 15 Minuten erreicht man die Gîte Tizi Mizik, deren Name schon zeigt, dass man richtig ist. An der Gîte zweigt ein anfänglich noch breiter Weg von der Straße ab. Bald schon verengt er sich aber zu einem Pfad, ohne viele Abzweigungen. Immer dem Weg nachfolgen, das Ziel ist klar vor Augen. Über dem Tal von Imlil thront im Südwesten der Tizi Mizik, ein gut erkennbarer Bergsattel. Bis zum Pass gibt es kaum Schatten, aber ein paar gute Möglichkeiten für eine Pause unter Bäumen.

Wir begegneten ein paar freundlichen Eselstreibern, bevor wir unser Ziel erreichten. Oben am Pass gab es diesmal keine Einkehrmöglichkeit, dafür mindestens genauso schöne Ausblicke. Auf der einen Seite das Tal von Imlil, auf der anderen Seite das Örtchen Tizi Oussem. Dieser größere Ort sah von hier oben wirklich idyllisch aus, doch ist er nur durch einen langen Abstieg an einem sehr, sehr langen Tag zu erreichen (ca. 10 Std bis zurück nach Imlil).

Wir folgten dem Weg etwas weiter, wer möchte, kann bis zu den Tamsoult Wasserfällen und zurück laufen. Im Sommer kann man hier sogar baden, diese Rundtour dauert ca. 8 Stunden.

Fazit:

Alles in allem bietet die Region rund um Imlil viele Möglichkeiten zu tollen Ein- und Mehrtageswanderungen. Insbesondere wegen der nahen Lage zu Marrakesch und der Fülle an Wanderinfrastruktur  ist Imlil eine gute Wahl. Nicht jeder muss den Jebel Toubkal besteigen, nur um oben gewesen zu sein, denn es gibt auch so viel Schönes in der Umgebung zu erkunden, dass ich gerne noch länger geblieben wäre.

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