Downtown, listen to the music of the city.

Armenui ist eigentlich aus Russland, ihre Familie ist aber armenischer Abstammung und sie lebt in Yerevan. So wie es bei fast allen ihrer Freunde der Fall ist. Ihre andere Freundin kommt aus Jordanien, ein Freund aus den USA, wieder eine andere aus Kanada.  Die armenische Diaspora ist groß. Nur 3 Millionen Armenier leben in Armenien, weitere 15 Millionen sind in der Welt verstreut.

Über  Couchsurfing habe ich Armenui kontaktiert. In ihrer Wohnung aufnehmen konnte sie mich nicht, aber treffen wollte sie sich gerne. Jetzt sitzen wir schon in der dritten Bar und die Runde wächst und wächst. Raphi kommt aus den USA und synchronisiert einen Film. Alle leben nur vorübergehend in Armenien. Denn sie sind sich einig, es ist schön hier zu leben, aber der Lohn könnte besser sein. Armenien ist ein recht armes Land und selbst eine Ärtztin in Yerevan, der Hauptstadt, verdient nur knapp 240€. Trotzdem ziehen wir von Bar zu Bar. Keine der Kneipen hätte ich alleine gefunden. Man läuft auf der Straße und durch einen unauffälligen Apartmenteingang die Treppe hinunter betritt man einen rauchigen Künstlertreff. Eine der Bars ist mit Graffiti und Tags an den Wänden verziert, in der anderen hängen gerahmte Bilder und einer der Gäste malt ein Kohleportrait während er sein Bier schlürft.

ArmenuiFreunde

Eigentlich wollte ich am nächsten Morgen mit dem Zug weiterreisen. Ich werde aber von allen abgehalten und davon überzeugt, wenigstens noch den Freitag in Yerevan zu verbringen. So treffen wir uns am nächsten Abend erneut, zu einem Jazz-Konzert. Ein Schweizer aus meinem Hostel, Lauro, begleitet mich. Und wir treffen uns mit Armenui und ihren Freunden. Mit uns am Tisch sitzt eine große Gruppe Amerikaner, alle mit armenischen Wurzeln. Wir lauschen der außergewöhnlich guten Jazzmusik und lernen uns in den Pausen besser kennen,  bevor wir in ein,  zwei andere Bars weiter zogen.

Gemeinsam mit den Amerikanern hatte ich am Vorabend beschlossen, am nächsten Tag eine sehr alte Festungsanlage im Randbezirk von Yerevan zu besuchen. Ungefähr um die Mittagszeit trafen wir uns vor dem teuersten Hotel Yerevans. Meine neuen Freunde waren eigentlich mit den Eltern von Greg, einem der Amerikaner, hier. Diese waren Teilnehmer einer Konferenz, weswegen auch alle meine Begleiter einen Teilnehmerausweis hatten, sie wollten noch das kostenlose Mittagessen im Hotel ausnutzen, bevor wir zur Festung fuhren. So kam es, dass ich im teuersten Hotel Yerevans ein Buffetmittagessen einnahm. Ich fühlte mich etwas seltsam in kurzen Hosen in einem solch noblen Hotel.
Die Festung war eine riesige, vorchristliche Anlage, auf einem massiven Fels gelegen. Leider war diese exponierte Lage bei ca. 42 Grad glühender Hitze nicht mehr so schön. Trotzdem besichtigen wir alles ausgiebig, inklusive des kleinen Museums der Anlage. Danach erfrischten wir uns auf dem Dach ihres Hotels mit einem kühlen Bier. Vom zwölften Stock aus hatte man eine fabelhafte Aussicht über die ganze Stadt. Abends gingen wir zuerst georgisch Essen und dann wieder in unsere altbewährte Bar “Calumet”. Hier spielte jeden Abend ein toller Rockmix und die Bar war immer gut gefüllt.

Insgesamt blieb ich eine Woche in der armenischen Hauptstadt. Wenn ich nicht gerade mit Armeniern von Bar zu Bar zog, besichtigte ich die Sehenswürdigkeiten in und um Yerevan. Das wohl nennenswerteste Erlebnis war ein abendlicher Besuch bei den Protesten, welche die größte Hauptstraße der Stadt blockierten. Ausgelöst durch den Plan der Regierung, die Strompreise zu erhöhen, wandelte es sich schnell in einen symbolischen Kampf zu zeigen, dass die Armenier nicht alles mit sich machen lassen. Hier war es leichter, als im Rest Armeniens, englischsprachige Einheimische zu treffen. Gerne und sehr offenherzig teilten die Teilnehmer mit uns ihre Meinung über die “machtbesessenen” Politiker. Jede ethnographische Gruppe war vertreten. Alt und Jung. Männer und Frauen. Studenten und Rentner.

Hier noch ein paar Bilder von meiner Zeit in Yerevan.

Kommentare

  1. Pingback: 10 Highlights einer Reise durch den Kaukasus | wasgesternwar

Teile deine Gedanken...