Dreckig und Grau

Istanbul. Regen. Es hat knapp über null Grad und der Himmel könnte kaum erdrückender sein. Dichte, graue Wolken hängen am Himmel. Beim Landeanflug hat es uns ordentlich durchgerüttelt. Den Flughafen kenne ich schon, somit gibt es nicht viel zu tun und ich suche nach meinem Anschlussflug nach Ankara. Ein Schild mit der Aufschrift ‘transit’ zeigt nach links. Ich zeige dem freundlichen Mann mein Ticket und er lässt mich passieren, doch wenige Sekunden später ruft er mich zurück. Ich sei falsch und müsse durch die Einreisekontrolle zu den Inlandsflügen. Hätte ich mir auch selbst denken können… Vor der Passkontrolle werde ich von einem klassischen “Guter-Cop – böser-Cop-Duo” aufgehalten und sie wollen meinen Pass sehen.

“Wohin?”

“Weiter nach Ankara.”

“Grund dafür?”

“Tourismus.”

“Und mein Rückreise Ticket?”

“Habe ich noch nicht gedruckt, aber gebucht.”

Erneut ein grimmiger Blick zu mir und dann in meinen Pass.

“Ok.” Ich kann passieren.

Ohne ein Wort zu sagen stand der viel freundlicher wirkende Mann die ganze Zeit im Hintergrund. Sie schauen mir hinterher. Mit einem Lächeln sage ich auf Wiedersehen und gehe zur Passkontrolle.

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In Istanbul hat alles prima geklappt und auch in Ankara hätte mein erster Abend nicht besser verlaufen können. Ich komme schnell an mein Gepäck und nehme den direkten Bus vom Flughafen in das Viertel meines Hostels. So wie es mir der freundliche Geschäftsmann im Flugzeug neben mir geraten hat. Ich checke ein und mache den restlichen Abend nichts mehr, außer einmal die Straße auf und ab zu spazieren und mir Döner und Ayran zu holen.

Am nächsten Tag will ich Ankara erkunden. Eigentlich gibt es nicht allzu viel zu sehen in der, um ehrlich zu sein, recht trostlosen, türkischen Hauptstadt. Aber auch kein Wunder. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war Ankara noch eine recht bedeutungslose Kleinstadt. Doch der Nationalheld Atatürk höchstpersönlich hat entschieden, dass genau dieser Ort die neue Hauptstadt seines Landes werden sollte. So ist Ankara innerhalb weniger Jahrzehnte auf die beachtliche Größe von fast fünf Millionen gewachsen. Leider merkt man dies der Stadt auch an.

Zugegeben habe ich nur die typischsten Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt und somit ist mein Urteil vielleicht nicht gerechtfertigt. Aber Ankara ist langweilig, um nicht hässlich zu sagen. Somit hält mich nicht viel hier.

Die Altstadt rund um die Festung ist verfallen und scheinbar das Armenviertel Ankaras, die Leute leben hier unter simpelsten Bedingungen. Große Teile der alten Häuser sind eingestürzt und vollkommen verfallen. Manche mit primitiven Mitteln geflickt. Auf meinem Rundgang durch die atmosphärischen Straßen, schaudert es mich bei dem Gedanken, hier im Herzen der türkischen Metropole leben zu müssen. Enge Gassen schlingen sich zwischen den bröckelnden Fassaden hindurch. Hier und da wühlt eine Katze in den Mülltonnen und den Resten am Wegesrand. In manchen Innenhöfen werden sogar ein paar Hühner gehalten. Hunde bellen ununterbrochen. Das Highlight des Viertels ist wohl der Aufstieg zu einem Aussichtspunkt, einem Teil der Befestigungsanlage. Von hier hat man ein 360° Panorama über die Hauptstadt. In der einen Richtung erblickt man surreal wirkende Wolkenkratzer, in der anderen Richtung nur kleine slumartige Hütten.

Bergab laufe ich durch ein basarartiges Viertel. Hier gibt es alles, von frischem Fisch über Obst bis hin zu Dessous und Haushaltsgeräten. Ich stoppe im Museum über anatolische Zivilisationen. Es wurde einst zum besten Museum Europas erkoren und dieses Urteil kann ich bekräftigen. Vielleicht nicht DAS Beste, aber sicher eines der besoders Guten. Man lernt viel und ich hoffe, mit diesem Wissen die weiteren Orte der Reise etwas besser zu verstehen.

Zu guter Letzt, wollte ich noch das letzte große Highlight Ankaras besichtigen. Das Grabmal des Gründers der Nation. Atatürk persönlich. Von der Metrostation ist es nicht weit bis zum Eingang. Ich muss durch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Meinem Rucksack muss ich zurück lassen, bevor ich das Gelände betreten darf. Entlang einer breiten Straße geht es bergauf, durch einen gepflegten Park. Oben angekommen, laufe ich geradewegs auf einen gepflasterten  Weg zu. Links und rechts steht ein kleiner Turm, vor dem jeweils ein Soldat Wache steht. Entlang des Weges stehen große Löwenskulpturen, symbolisch für Stärke und Macht. Das Mausoleum selbst ist ein riesiger Block, fast gänzlich aus Marmor gebaut, wie es scheint. Ein wahrlich imposanter Bau, umgeben von weiteren Marmorgebäuden. Viele Türken fotografieren sich selbst, oder Freunde und Familie vor dem Grab des Nationalhelden. Es gibt einen regelrechten Kult. Kaum eine türkische Stadt besitzt keinen Atatürkboulevard oder einen Platz, benannt nach dem Idol. Ein Damm, ein See alles ist nach Atatürk benannt, dem Gründer der modernen Türkei.

Abends esse ich direkt gegenüber von meinem Hostel eine sehr leckere Suppe und eine große Portion Reis und Fleisch in einer würzigen Soße. Der Besitzer kann etwas Englisch und wir unterhalten uns über seinen Heimatort. Leider liegt er nicht auf meiner Reiseroute.

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