Drunter und drüber

Chaos am Morgen bringt Kummer und Sorgen

Unser zweiter Tag begann viel zu früh. Kaum hatte ich mich in meinen Schlafsack gekuschelt, wurde ich schon wieder von meinen Chefs rausgerissen. Das war von mir nicht so geplant. Ich als kleines Einhorn brauche bekanntlich viel Schlaf, aber sie wollten ja unbedingt schon so früh morgens wandern. Natürlich waren sie ohne meine Planung komplett aufgeschmissen und es ging drunter und drüber. Um vier Uhr morgens mussten wir das Zelt abbauen. Natürlich waren all die Klamotten und Handtücher vom Vortag noch pitschnass. Durch den Tau der Nacht sogar noch nasser. Tja, wer hätte das schon ahnen können… Ich versuchte, das Drama noch etwas zu retten und wir schmissen erstmal alles einfach in ein paar Plastiktüten, damit wir wenigstens noch zeitig loskamen.

Berge1

Früh morgens ging es durch das fremde Land und durch den Nebel hinein in die Berge. Auf schmalen Landstraßen Richtung Triglav Nationalpark. Wir fuhren immer wieder durch kleine, sehr ländliche Dörfer, mit zum Teil verwirrender  Straßenführung und Engstellen, an denen alte Bauernhäuser die Straßen halbierten. Immer näher kamen wir dem Nationalpark, der nach dem Nationalsymbol Sloweniens benannt ist, dem höchsten Berg Sloweniens. An ein paar Stellen war ich so fasziniert von der wunderschönen Landschaft, dass ich darum bat, einen kurzen Stopp zu machen, damit ich ein paar  Erinnerungsfotos schießen konnte. Gerade zu dieser Zeit, tauchte die aufgehende Sonne die Berge in ein glühendes Orange-Rot und der Nebel hüllte weiter die Wiesen in einen dünnen Schleier. Es roch nach Gräsern und frischem Tau. Die Nacht wollte  ihren kalten Griff,  mit dem sie alles umschlang nicht kampflos lösen und so war es immer noch sehr kalt. Weit und breit sahen wir kein anderes Auto auf der Straße. Hier und da, erblickte man immer mal wieder seltsame Konstruktionen auf den Feldern. Wie große, überdachte Zäune standen sie in der Landschaft, dort wurde gemähtes Gras zum Trocknen aufgehängt.

Am Anfang des Parks angekommen waren wir zunächst etwas verwirrt. An dem Parkplatz, an dem wir eigentlich starten wollten, musste man zwölf Euro für den ganzen Tag zahlen. Von hier wussten wir, konnten wir zu einer wunderschön klingenden Wandertour aufbrechen. Genauer gesagt zu den “Sieben Seen”. Sieben kristallklare, blau strahlende Seen in alpiner Landschaft.

Eine verführerische Alternative

Des Weiteren gab es aber auch die Möglichkeit, eine Mautstraße zu nehmen, die durch eine Schranke versperrt war. Für zehn Euro konnten wir noch etwas weiter in den Nationalpark fahren. Das klang nach einem guten Deal, meinten meine zwei Begleiter, so könnten wir einen Teil unserer Wanderung, welcher nur hier im Flachen verlaufen würde, und uns praktisch nur erst einmal bis zum ersten See bringen sollte, abkürzen. Ich hatte gar keine Zeit, so schnell auf die Karte zu schauen, wie wir weiterfuhren. Blind vertraute ich meinen nicht ganz reiseunerfahrenen Chefs. Auf einer schmalen Straße ging es durch den Nationalpark, über Felder und durch den Wald. Bis zu einer Hütte, an welcher wir kostenlos parken konnten. Zunächst einmal hing ich noch all die nassen  Sachen am Auto auf, während meine zwei Kollegen sich für die bevorstehende Wanderung fertig machten. Zum Glück konnte ich  mir die Wanderung wieder aus dem Rucksack heraus anschauen, denn schon bald nach einem kurzen gemütlichen Marsch durch den Wald, ging es sehr steil in Serpentinen bergauf. Wir kamen zu einem plätschernden Wasserfall und Wegweiser schilderten den Weg zu einer Berghütte.

Mir kam alles jedoch etwas seltsam vor. Wir Einhörner sind zwar nicht für die Berge geeignet, schließlich sind wir keine Ziegen, jedoch schien es mir, als würden wir in die falsche Himmelsrichtung laufen, auch wunderte ich mich, dass ich noch keinen wirklichen Wegweiser gesehen hatte, welcher uns ins Sieben-Seen-Tal bringen sollte. Es gab zwar Wegweißer, aber die slowenischen Worte darauf schienen mir nicht richtig. Aber trotzdem war ich mir nicht sicher. Alles war fremd und neu für mich und so ließ ich mich weiter bergauf tragen. Als wir aber nach vier Stunden immer noch an keinem einzigen See angekommen waren, wurde ich wirklich skeptisch. Bei einer Brotzeit besprachen wir unsere Lage. Wir beschlossen umzukehren. Allesamt waren wir sehr enttäuscht. Wurden die Seen doch als wunderschön beschrieben.

Noch einmal konnten wir die Schönheit der slowenischen Berge bestaunen. Auf dem Weg nahmen wir sogar einen Tramper ein Stück weit  mit. Zwar war der polnische Tourist etwas wortkarg, trotzdem freuten wir uns, eine gute Tat zu vollbringen und einem anderen Reisenden weiter zu helfen. Auch wenn es nun etwas enger für mich auf der Rückbank war.

Als wäre es noch nicht genug…

Nach längerer Fahrzeit jedoch, schien mein Plan zu bröckeln. Ein Straßenschild, in Richtung einer Ortschaft, durch welche wir mussten, um Ljubljana zu erreichen, war durchgestrichen. Wir wollten dennoch einen Versuch wagen, schließlich waren wir schon recht weit gefahren und wollten nur sehr ungern umdrehen. Bis zu einer Baustellenabsperrung fuhren wir. Hier hielten wir an, das wollten wir zunächst nicht weiter riskieren. Doch als dann plötzlich zwei Autos mit slowenischem Kennzeichen einfach an uns vorbeizogen und in die Baustelle fuhren, wollten meine Chefs es auch probieren. Ich hatte Angst und ein eher flaues Gefühl im Magen, aber ich blieb still auf der Rückbank. Schon nach kurzer Zeit aber, blieben die Slowenen vor uns stehen und es schien kein Weiterkommen zu geben, da ein Bagger vor uns die komplette Straße dicht machte. Also kehrten wir um und standen erneut vor dem Sperrschild, wo wir unsere Alternativroute planten. Leider sah es nicht sehr rosig aus. Wir müssten fast den kompletten Weg zurück fahren. Das schien keine schöne alternative. Doch plötzlich weckte ein Auto schräg gegenüber wieder Hoffnung. Ein Mann rief nach uns. Er sprach nur sehr gebrochen Englisch, erklärte uns aber, dass er eventuell einen alternativen Weg kenne, sich jedoch nicht sicher war, wir es aber gerne gemeinsam probieren könnten… Nun gut zu verlieren hatten wir erstmal nicht viel.

Sein erster Versuch scheiterte recht schnell, als der ausgewählte Weg einfach nicht weiter ging. Der dritte Versuch schien wirklich erfolgsversprechend, als wir schon für längere Zeit auf einem sehr abenteuerlichen, dennoch in die richtige Richtung führenden,  Schotterweg unterwegs waren. Doch nach einiger Zeit ging es auch hier nicht mehr weiter. Zumindest nicht mit einem normalen Auto. Vielleicht mit einem Geländewagen hätte man den steilen Berg bezwingen können. Also hieß es erneut zurück. Nur umdrehen ging erstmal nicht. Links war eine steile Felswand, rechts ein Abhang, also blieb nichts anderes übrig, als im Rückwärtsgang den Berg in einer S-Kurve wieder nach oben zu fahren. Das war nicht einfach und es brauchte ein paar Versuche, bis wir es schafften. Nun hatte ich aber genug und von der Rückbank aus machte ich klar, dass ich jetzt gerne zurück und wieder auf einer normalen Straße fahren möchte.

WegLubljana

Eine neue Hoffnung

So machten wir es dann auch und kamen letzten Endes in Ljubljana bei unserem vorgebuchten Hostel an. Jetzt reichte es wirklich und jeder von uns war froh, in einem Zimmer und seit zwei Nächten mal wieder in einem Bett zu schlafen. Doch so ganz wollten wir uns noch nicht der Müdigkeit geschlagen geben. So duschten wir alle und liefen in die Stadt zum Essen. Das erste Mal hatten wir an diesem Tag Glück. Die nette Rezeptionistin im Hostel erzählte uns, heute wäre eine Art Festival in der Stadt mit Konzerten. Und tatsächlich konnten wir günstig und sehr sehr lecker traditionelle, slowenische Küche kosten. Und anschließend noch etwas einer Band lauschen.

Dann aber fielen wir alle erschöpft ins Bett und waren heilfroh, endlich schlafen zu können.

Am nächsten Tag wollten wir Ljubljana ausgiebig erkunden. Mit knapp unter 300.000 Einwohnern ist Ljubljana wohl eine vergleichsweise kleine Hauptstadt. Trotzdem gibt es einiges zu sehen. Moderne mischt sich mit Altem. Im Zentrum steht natürlich die Altstadt mit herrlichen, alten Gebäuden, ein paar imposanten Kirchen und der Festung, die hoch über den Dächern der Stadt thronte. Zunächst spazierten wir über den zentralen Boulevard und besichtigten eine große Kirche mit einem wirklich interessanten Portal.

FlussInnenstadt

Neue Wirrungen

Jetzt muss ich kurz übernehmen. Denn als wir an einem Stand vor der Kirche gerade dabei waren, frisches Obst zu kaufen,  ging Glen verloren. Wir schauten uns überall um, doch konnten ihn einfach nicht finden, dabei war der Platz fast leer. Nur vereinzelt liefen Gruppen von Touristen umher. Aber weit und breit keine Spur von Glen. Wir nahmen auf ein paar Treppenstufen im Schatten Platz und beschlossen zu warten. Schließlich konnte Glen nicht weit weg sein. Doch auch nach einer viertelstündigen Rast, fehlte jede Spur von ihm. Er war wie vom Erdboden verschluckt. Unsere einzige Hoffnung war, dass er entweder zurück zum Hostel kam, oder schon unterwegs zu unserem nächsten Programpunkt war. Metalokova. Einer Künstlerkommune. Ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Urban Art.

Auf dem Weg dorthin, liefen wir weiter durch die Altstadt, vorbei an zahlreichen, kleinen Einkaufsmöglichkeiten. Je mehr man sich vom touristischen Zentrum entfernte, desto interessanter wurde es. Das alltägliche Leben mischte sich ein. Es gab kleine Cafés, die nur von Einheimischen besucht waren und einzigartige Läden. Einmal bogen wir um ein Eck… und wer stand da vor uns, direkt vor dem Schaufenster eines kleinen Ladens?

GlenSchaufesnter

Sichtlich erfreut uns zu sehen stürmte Glen auf uns zu. Er erklärte, er wäre einfach losgelaufen und hätte sich verirrt. Er wäre überglücklich gewesen, in dem Schaufenster ein anderes Einhorn zu sehen, um sie nach dem Weg zu fragen, dabei wären sie in eine Plauderei verfallen und er hatte gehofft, er würde uns im Künstlerviertel wiederfinden…

Ein schöner und würdiger Abschluss

Ähm ja… ich, Glen, übernehme mal wieder. Das war schon etwas peinlich, meine Freunde einfach so zu verlieren. Insbesondere als Praktikant sollte man ja schließlich ein gutes Bild hinterlassen (vielleicht bekomme ich ja irgendwann mal eine Festanstellung). Nun gut, jedenfalls erreichten wir das Künstlerviertel, Metalokova. Hier gab es allerhand Graffitis, Skulpturen und dergleichen. Wir verbrachten dort ganz schön lange und schauten uns alles ganz genau an. Es gab mehrere Klubs, die abends sehr beliebt seien.

Den Rest des Tages verbrachten wir noch im Geschichtsmuseum von Ljubljana. Abends stiegen wir hoch zur großen Festung, von wo aus man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt hatte. Innen war es etwas langweilig. Alles war stark restauriert und modernisiert. Es gab sogar ein Restaurant und mehrere Läden und Ausstellungen.

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