Ein Berg, ein Gott – Der Kazbeg

Wie würdigt man einen Gott am Besten? Mit einem Tempel. Viele solcher Tempel zeigen ihre Ehrdarbietung durch schiere Größe oder prunkvolle Gestaltung. Insbesondere in Georgien jedoch, wurden viele Kirchen, wie auch in Armenien, auf eine ganz andere, wirkungsvollere Weise in Szene gesetzt. Durch eine einmalige Lage und atemberaubende Natur, so auch an meinem nächsten Ziel dem Kazbeg.

Nach Svanetien, ging es direkt wieder in die Berge. Mit einem zwangsweise nötigen Umstieg in der Hauptstadt, ging es auf der georgischen Heerstraße direkt weiter nach Stepanzminda. Oder auch Kazbegi, benannt nach dem an einem klaren Tag, unübersehbaren Berg Kazbeg. Der höchste Berg Georgiens ragt hoch über dem kleinen Dorf, kurz vor der russischen Grenze in den Himmel. Als wäre dieser atemberaubende, fast einsam stehende 5000er nicht schon imposant genug, steht auf einer Anhöhe unweit des Dorfes auch noch eine wunderschöne, georgische Kirche.

KircheKazbeg
Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche mit dem Kazbeg im Hintergrund.

Früh morgens brach ich von meiner Unterkunft am Fuße des Berges auf. Bis zur Kirche ging es extrem steil bergauf. Zum Glück jedoch nicht allzu lang. Dort angekommen hatte ich schon einem phänomenalen Blick auf den Kazbeg. Ein völlig klarer Tag mit strahlend blauem Himmel. Ich spazierte durch die Kirche. Wie überall in Georgien durften Männer nur mit langer Hose die Kirche betreten. Für Frauen gelten noch viel strengere Richtlinien. Sie müssen natürlich Arme und Beine komplett bedecken, ebenso wie das Dekolleté. Hinzu kommt aber noch, dass eine lange Hose nicht als angemessene Kleidung für eine Frau in einer Kirche gilt. Nein, als Frau muss man einen langen Rock tragen. Da diese Kirche aber viel von Touristen frequentiert ist und sich ein langer Rock und lange Kleidung allgemein an heißen Tagen nicht sehr zum wandern eignen, gab es zahlreiche Tücher zum Umbinden. Mit diesen konnte man sich “kirchentauglich” verschleiern.

Innen war die Kirche, wie eine typische georgische Kirche gestaltet. Vom Stil ähneln sie stark russisch orthodoxen Kirchen. Im Inneren gibt es zahlreiche Heiligenbilder, insbesondere Ikonen. Gemalte Bilder welche, meist bis auf das Gesicht mit einer schützenden Metallplatte bedeckt sind. Nach dieser kleinen Besinnung ging die eigentliche Wanderung aber erst los.
Von der Kirche führt ein Pfad zuerst ein kurzes Stück durch einen Wald. Dann geht es aber sehr schnell im Freien bergauf.

Die ganze Zeit über schwebte der mächtige Kazbeg über mir. Sein schneebedeckter Gipfel scheinte gar unerreichbar, sollte meine Wanderung mich doch nur bis zum Anfang des Gletschers führen. Zunächst aber stellte sich ein ganz anderes Hindernis sich mir in den Weg. Der reißende Fluss mit Ursprung am Gletscher musste gequert werden. Dafür gab es eine markierte Stelle, an der die Strömung nicht allzu stark war. Dafür jedoch war die Stelle recht breit und auch das Wasser nicht weniger eisig, als an allen anderen Möglichkeiten. Frisch geschmolzen vom Gletscher welcher nicht mehr all zu weit entfernt war, tat es schon wirklich fast weh an den Füßen.

Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche am KazbegDer Gletscher am KazbegKazbegDer Kazbeg beim AufstiegDer Kazbeg von der Kirche gesehen.Eine wilde Blume auf der Wanderung zum Kazbeg

Am Gletscher angekommen bot sich erneut ein fantastischer Blick. Zwar war die Natur nicht so wunderschön wie in Svanetien. Und trotzdem war es atemberaubend. Links und rechts der eigentlichen Eisfläche gab es Wasserfälle und der Blick ins Tal war ebenso wunderschön.
Etwas weiter über mir erblickte ich schon die Hütte, auf der die meisten Bergsteiger auf ihrem Weg zum Gipfel übernachten. Leider sollte es für mich nicht mehr weiter gehen. Es war nach ausgiebigem Fotografieren an der Zeit umzudrehen ich hatte noch einen langen und anstrengenden Abstieg vor mir.

Am nächsten Tag führte mich mein Weg das dritte Mal nach Tiflis. Leider muss man, um in verschiedene Regionen Georgiens zu kommen, immer wieder in der Hauptstadt umsteigen. Mit einem deutschen Paar aus meiner Unterkunft ging es ineinem geteilten Taxi über den Militärhighway zurück nach Tiflis. Auf dem Weg legten wir noch eine kleine Pause in Anauri ein. Eine befestigte Klosteranlage an einem See. Keine zehn Schritte vom Auto aus, hatte man einen wunderschönen Blick über den See. Mit der Kirche im Vordergrund, zeigte sich erneut, wie geschickt die Georgier die Plätze für ihre Kirchen auswählen.

Das Ananuri-Kloster auf dem Weg zum KazbegDas Ananuri-Kloster auf dem Weg zum KazbegDas Ananuri-Kloster auf dem Weg zum Kazbeg

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