Ein überraschendes Festmahl.

Manchmal kommt alles anders als man denkt. Wir kamen nach Hué mit dem Plan, die Zitadelle zu sehen und die fantastisch klingenden Königsgräber außerhalb zu besuchen. Auch die Zugfahrt dorthin wurde als ein landschaftliches Highlight deklariert. Am Ende aber, war die Zugfahrt eher enttäuschend.

Vielleicht, weil wir auf der falschen Seite saßen und somit unsere Schwierigkeiten hatten, etwas zu sehen. Vielleicht, weil das Wetter zu schlecht war. Jedenfalls war es kein Highlight sondern eher nur ein Transport von A nach B. Die Zitadelle zumindest, haben wir gesehen, aber keines der Gräber. Auch hier machte uns heftiger Regen einen Strich durch die Rechnung.

Letzten Endes kann man sagen: Wir kamen wegen der tollen Attraktionen, der Zitadelle und der umliegenden Königsgräber. In Erinnerung werden uns aber vor allem die Menschen bleiben, die wir getroffen haben.

Gleich noch am ersten Abend, nach unserer Ankunft, waren wir mit einer Vietnamesin zum Essen verabredet. Kennen gelernt hatten wir sie auf Couchsurfing. Leider ist es schwierig, hier in Südostasien Leute zu finden, die einen wirklich bei sich zuhause aufnehmen, aber ein Treffen war auch schön. Schließlich geht es genau darum. Mit einem Einheimischen gemeinsam etwas unternehmen und in Kontakt kommen, um mehr über die Kultur zu lernen.

Jedenfalls lernten wir die vietnamesische Studentin Thao beim Abendessen in einer typisch asiatischen Straßenküche näher kennen.
Ein sehr unscheinbarer Verkaufsstand, an dem wir alleine vermutlich vorbei spaziert wären, einerseits, weil er recht unscheinbar in einer kleinen Seitengasse gelegen war. Andererseits, weil es immer schwierig ist etwas Neues auszuprobieren, wenn man keine Ahnung hat was genau überhaupt verkauft wird oder wie man es bestellt. Mit der Zeit lernt man zwar viele der Schilder zu lesen und versteht Grundlegendes, wie ‘com’ (Reis), ‘pho’ oder ‘bun’ für verschiedene Suppen, oder auch Fleischsorten wie ‘ga’ (Huhn) oder ‘ca’ (Fisch) sind identifizierbar. Kompliziertere Gerichte bleiben aber ohne englische Karte eine schwere Hürde.

Diesmal aber hatten wir ja Thao als Begleitung, die für uns bestellte. Jeder von uns bekam zwei Teller, mit einer Art Crêpe oder Pfannkuchen, dazu zwei gehäuft volle Platten mit Salat, Bohnensprossen und Kräutern. Das frische Grünzeug wickelte man in die Teigkreise und dippte diese anschließend in eine sauer-scharfe Soße. Man bekam solange neue Teller, bis man satt war. Um den Stand selbst wimmelt es von Studenten, da er nur unweit von Thaos Universität entfernt und somit wohl sehr beliebt bei den jungen Leuten ist. Anschließend spazierten wir ein ganz schönes Stück, durch die geschäftige, hell erleuchtete Stadt, zurück in die Richtung unserer Unterkunft.
Unsere asiatische Begleiterin ließ ihren Motorroller stehen, um mit uns zu laufen. Dabei merkte man aber auch schnell, dass viele Asiaten in den Städten es gar nicht mehr gewohnt sind, größere Strecken zu Fuß zu bewältigen. Der Roller steht ja immer zur Verfügung. Schon von dem zehnminütigen Bummel, war Thao etwas erschöpft. Nichtsdestotrotz erreichten wir den Fluss, der die Stadt in zwei Hälften teilte. Dort aßen wir ‘che’, süße Suppe. Es gab verschiedenste Früchte und andere zuckergeladene püreeartige Substanzen. Manche Farben wirkten so kräftig, fast unnatürlich, dass man kaum zuordnen konnte, worum es sich bei diesem Brei überhaupt handelte. Nach einem kurzen Spaziergang am Fluss verabschiedeten wir uns dann auch für das Erste, verabredeten uns aber für den übernächsten Abend erneut.

Sichtlich glücklich über unsere neue Bekanntschaft starteten wir den ersten Tag mit der Besichtigung der Zitadelle, ein immenses Bollwerk. Der äußerste Befestigungsring besteht aus einer massiven Mauer, direkt gefolgt von einer weiteren Mauer. Und ein kurzes Stück dahinter gesellt sich eine dritte kleine Mauer zu ihren großen Brüdern. Hier befindet sich der Eingang zur “Verbotenen Stadt”, die ausschließlich dem Herrscher, seiner Familie, hohen Mandarins und seinen Bediensteten, Konkubinen und Eunuchen vorbehalten war.
Überreste der einstigen Pracht sind im äußersten Ring rar, lediglich zwei Museen, die mehr wegen des Gebäudes selbst, als wegen ihrer Exponate locken, gibt es zu besichtigen. Dafür sind die inneren zwei Enklaven gespickt mit historischen Bauten, Tempeln, Gärten, Audienzhallen und den privaten Gemächern der Königsfamilie.
Als wir die Anlage besichtigen, war gerade ein Feiertag zum Jubiläum der Befreiung der Stadt, weshalb der Eintritt für alle Vietnamesen frei war. Dieses Angebot lockte sie in Scharen an und es war keine Seltenheit, auf eine Veteranengruppe in voller Uniform zu stoßen. Nach einer ausgiebigen Erkundung der immensen Festung waren wir erschöpft und hungrig. So suchten wir uns erst einmal etwas zu essen, bevor wir den Tag damit beendeten, die erbeuteten amerikanischen Militärfahrzeuge zu bestaunen, die vor dem Kriegsmuseum über den Vietnamkonflikt ausgestellt werden. Man hat ja nicht oft die Möglichkeit, ein echtes Artilleriegeschütz oder einen Bomber aus so kurzer Distanz zu bestaunen.

Auch der zweite Tag verlief anders als geplant und erneut machte uns der Regen einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollten wir mit einem geliehenen Motorrad die um Hué verstreuten, prachtvollen Königsgräber besichtigen. Leider wurde man binnen kürzester Zeit bis auf die Haut nass. Der Niederschlag schwoll immer wieder zu heftigen Strömen an, sodass wir beschlossen, die Gräberjagd aufzugeben und wenigstens noch in einen nahe gelegenen Tempel zu fahren, um dem Gebet der Mönche zu lauschen. Hier wurden wir überrascht, uns wurde ein einmaliges Erlebnis beschert.

Zufällig platzen wir in eine Gedenkfeier für die Verstorbenen. Es war wunderschön dem Gesang und der Zeremonie beizuwohnen. Völlig unerwartet wurden wir anschließend auch noch eingeladen, bei einem buddhistischen Festmahl teilzunehmen. Wir saßen am Tisch mit Vietnamesen und bekamen die leckeren, vegetarischen Gerichte regelrecht eingeflößt. Von Reis, über verschiedenstem Gemüse, bis hin zu Frühlingsrollen und süßen Reisküchlein, gab es alles. Einige der vietnamesischen Gäste konnten recht gutes Englisch und erklärten uns die Speisen und den Anlass des Festes.
Obwohl wir nicht buddhistisch sind, fühlten wir uns mehr als willkommen. Alles in allem war es eine einmalige Erfahrung und ein riesen Zufall, in diese Feier gestolpert zu sein.

Abends gingen wir erneut mit unserer vietnamesischen Bekannten essen. Diesmal aßen wir frische Frühlingsrollen zum selber wickeln und tranken leckeren vietnamesischen Kaffee.
Am nächsten Tag wollte sie sich sogar noch von uns am Bahnhof verabschieden und überreichte uns zwei kleine, selbst gebackene Küchlein.

Letzten Endes fiel mir persönlich der Abschied von Hué schwerer als gewöhnlich. Mit etwas besserem Wetter hätte es noch viel zu erkunden gegeben und die vielen netten Leute werden noch lange in Erinnerung bleiben…

BahnhofSelfie

Kommentare

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    1. Autor
      des Beitrages
      wasgesternwar

      Danke Sabine für deinen Kommentar! Obwohl unser Erlebnis schon über zwei Jahre her ist, erinnere ich mich daran als wäre es gestern gewesen. Es war wirklich wunderschön mit den Mönchen zu speisen. Obwohl ich oft meine Schwierigkeiten mit Vietnam und Südostasien allgemein hatte, haben mir Erlebnisse wie dieses gezeigt, dass es auch heute noch tolle Ecken und Abenteuer dort gibt.

      VG
      Olli von wasgesternwar

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