From Teheran with love.

Es gibt immer einen schmalen Grad zwischen der Tatsache seinen Lebensunterhalt erfolgreich zu bestreiten und bloßer, gieriger Geldmacherei. In Südostasien war das oft ein Stimmungskiller. Geschäftssüchtige Hostelbesitzer und Taxifahrer, die einem ins Gesicht lügen oder bedrängen, eine Tour zu buchen, sind einfach nicht schön. Klar weiß ich, dass die Leute auch nur Geld verdienen und ihre Familie ernähren wollen. Auch habe ich kein Problem damit, Geld beim Reisen auszugeben, ganz ohne geht ja nicht. Aber es muss doch einen Mittelweg geben…

Ein kleine Oase und ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann, fand ich in Teheran vor. Normal habe ich mich bis jetzt immer davon fern gehalten, hier Unterkünfte zu nennen und zu bewerten. Wo es einem gefällt und wo nicht, soll jeder selbst entscheiden.

Eine Ausnahme mache ich hier jetzt aber. Das sevenhostel in Teheran ist einfach wundervoll! Schon am Anfang meines Aufenthaltes im Iran wurde mir dieses Hostel empfohlen, komplett neu eröffnet ist es praktisch das einzige seiner Art in Teheran. Die Einrichtung ist modern und funktional und sehr behaglich. Die Lage im Teheraner Norden bietet gute Blicke auf die Berge, es ist etwas kühler und ruhiger als im Zentrum. Trotzdem ist die Anbindung super und man erreicht eig alles in einer halben bis dreiviertel Stunde.

Das Beste aber ist der Besitzer und sein Freund und Kollege. Jalal und Adele sind grandios. Schon vor meiner Ankunft hat mir Jalal den Weg zum Hostel genauestens beschrieben. Als ich  dann mit dem Stadtbus an der angegebenen Haltestelle ankam, wurde ich sogar persönlich abgeholt. Das Hostel ist ein sehr sozialer Platz und im Innenhof konnte man wunderbar Zeit verbringen und andere Reisende kennenlernen. Ein idealer Ort um eine solch hektische, glühend heiße, etwas gesichtslose 12-Millionenmetropole zu erkunden. Auch musste ich mein Visum verlängern, was etwas Zeit in Anspruch nahm. Ja, nun war schon bald ein Monat im Iran vergangen.

Auch nachdem ich schon lange aus Teheran fort bin und in Armenien sitze, während ich das hier schreibe, habe ich immer noch gelegentlichen Kontakt zu den beiden sympathischen Iranern. Letzten Endes habe ich sogar Jalals Cousin und seiner Familie übernachtet. Der Einladung zu Adeles Familie konnte ich leider nicht nachkommen. Trotzdem habe ich durch dieses Hostel zwei neue Freunde gefunden und viele nette Menschen kennen gelernt.

StudentKaffe

Aber langsam genug der Lobeshymnen.
Teheran ist meines Erachtens keine sonderlich interessante Stadt und für die meisten eher ein Transportpunkt, da hier die meisten Touristen per Flugzeug ankommen und abreisen. Andere die, auf dem Landweg reisen, passieren sie, weil es eben die Hauptstadt ist. Oder weil sie wie ich das Visum verlängern oder ein anderes Visum beantragen müssen. Wenn ich ehrlich bin, gibt es wenige Plätze in Teheran, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, außer eben das Hostel. Ich denke eines der besten Erlebnisse hatte ich gleich am Tag nach meiner Ankunft zusammen mit zwei Schweden aus dem Hostel. Zunächst ging es auf den Basar. Dieser ist riesig und unübersichtlich und auch für Touristen auch nicht sonderlich interessant. Es sei denn man möchte zum Beispiel einen persischen Teppich kaufen.

Der Markt bietet kaum Atmosphäre. Die meisten Güter sind alltägliche Dinge wie Shampoo oder Unterwäsche und er ist bei Weitem nicht so stimmungsvoll und historisch wie in anderen Städten. Eine interessante Reihe von Ständen waren die, die Fakemarkenlabels verkauften.  Adidas-Labels zum selbst einnähen und das am laufenden Meter, wenn das mal nicht gegen einige geschützte Marken verstößt. Anschließend besichtigen wir ein Gefängnis aus der Zeit vor der Revolution. Von den Deutschen gebaut war es eine der schlimmsten Folterstätten, die ich je gesehen habe. Wodurch das Kompliment des Ticket-Verkäufers am Eingang etwas bizarr wirkte, er fragte “Where are you from? – Germany? Great country! ”
Hier wurden bekannte Persönlichkeiten, wie Imam Khomeini fest gehalten. Sehr schockierend war, als ein iranischer Museumsführer plötzlich auf ein Portrait eines ehemaligen Insassen zeigte und dann auf sich. Er war der Häftling. Man bekam durch viele Videosequenzen wirklich ein bedrückendes Gefühl und dann noch einen Häftling persönlich zu treffen…

Um Einges fröhlicher verlief unsere Suche nach einem Café. Ein iranischer Student sprach uns an, führte uns zu einem Café und schloss sich uns spontan an. Wir hatten viele interessante Themen, nur seine übereifrig  enthusiastische Haltung über all die wunderschönen Orte im Iran war etwas anstrengend. Wenn es nach ihm ginge, wäre jeder Ort im Iran die ultimative, einzigartige Touristenattraktion und schon bald waren wir überhäuft mit Vorschlägen, wohin wir noch Reisen sollten.

Ansonsten ist eigentlich nicht viel Spannendes in Teheran für mich passiert. Ich besichtigte die typischen Sehenswürdigkeiten wie den spiegelverzierten  Golestanpalast und den Azaditurm. So etwas wie die Freiheitsstatue des Irans. Die Visaverlängerung nahm zwar eineinhalb Tage in Anspruch, war aber ansonsten unkompliziert und einfach.

Die Abende saß ich oft mit anderen Hostelgästen und insbesondere Adele bis spät in die Nacht im Innenhof. Wir diskutierten viel über die iranische Kultur und Geschichte.
Für mich wäre das sevenhostel allein ein Grund, noch einmal nach Teheran zu fahren auch wenn mir die restliche Stadt nicht übermäßig gefallen hat. Es ist einfach zu laut, dreckig, heiß und voll und hat nicht wirklich besondere Sehenswürdigkeiten zu bieten.

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