Hello my friend!

So viele Freunde wie hier in Phnom Penh hat man wohl selten. Zumindest, wenn man einfach durch die Stadt läuft und den lästigen Tuk-Tuk-Fahrern Glauben schenkt. Viel schlimmer als in Siem Reap, hört man hier an jeder Ecke, jedes Mal beim Verlassen der Unterkunft, jedes Mal beim Verlassen des Restaurants und bei jedem sonstigen Spaziergang, irgend einen Zuruf. Sei es “Hello mister!”, “You need a Tuk-Tuk!”, “Where are you going?”, oder eben das allseits beliebte “My friend!”.
Ansonsten ist Phnom Penh, abgesehen von den Tuk-Tuk-Fahrern und dem Großstadtlärm, eine ausnahmsweise schöne, asiatische Metropole. Die  Flusspromenade war besonders schön gestaltet und so war auch hier unser Lieblingsort mal wieder der Fluss. Auch sonst gab es einiges zu sehen. Am ersten Tag besuchten wir das Geschichtsmuseum, welches  wesentlich schwieriger zu finden war, als gedacht. Danach besichtigten wir den königlichen Palast, darin befanden sich neben den Gemächern,  mehrere Tempel, ein lebensgroßer Buddha und ein Raum, dessen Fußboden mit massiven Silberfliesen ausgelegt war. Beim  Rückweg spazieren wir am Fluss entlang und stöberten durch erstaunlich schöne Buchläden mit vielen tollen englischen Ausgaben.

 

Der zweite Tag war zunächst etwas bedrückend. Wir ließen uns zu den sogenannten “killingfields” fahren. Man bekam einen Audioguide, der einen über die Anlage führte. Die Eindrücke, die man gewann waren furchtbar und erschreckend, man konnte fast den Glauben an die Menschheit verlieren. Das Feld wurde von den Roten Khmern als Massentötungsstätte genutzt.

Um ihre Vision eines rein kommunistischen Bauernstaates umzusetzen, wurde hier jeder Studierte, jeder Doktor, jeder Lehrer, jeder der eine Fremdsprache beherrschte, jeder mit Brille, jeder der nur weiche Hände hatte, systematisch getötet, sogar Kinder. Auf den Feldern gibt es bis heute unzählige Kleidungsfetzten und Knochen derer, die diesem grausamen Regime zum Opfer gefallen sind. Es gibt Massengräber, in denen der Gestank mit Chemikalien überdeckt wurde. Das Schlimmste jedoch, war die Art ud Weise wie die Leute hier in Scharen ermordet wurden. Sie wurden nicht schnell und relativ schmerzlos erschossen, sondern mit landwirtschaftlichen Geräten wie Hacken, Spaten und Äxten erschlagen, zum Teil noch halb lebendig wurden sie in die Massengräber geschmissen. Kleinkinder wurden mit dem Kopf gegen einen Baum geschlagen.

Völlig ungläubig und entsetzt wanderten wir über die Anlage. Es ist immer wieder erschreckend, zu welcher Grausamkeit Menschen im Stande sind. Sei es im Dritten Reich in Deutschland, unter Mao Tse-tung, oder eben während des Pol Pot Regimes in Kambodscha. Es hinterließ alle Besucher merkbar traurig, besonders, da der Audioguide einige ausgewählte Einzelschicksale schilderte und wir nahmen uns wirklich für jedes einzelne Unterkapitel Zeit.

Nach diesem wirklich betrübenden Ausflug, beschlossen wir etwas zu spazieren und ließen uns von unserem Tuk-Tuk-Fahrer schon etwas früher rausschmeißen als abgemacht. Das olympische Stadion war zwar etwas enttäuschend, doch der ehemals russische Markt war noch sehr ursprümglich und ohne störende Touristen. Anders war der Zentralmarkt, der eher wie ein riesiger Souvenirshop wirkte. Auf dem Rückweg Richtung Zimmer stoppten wir noch bei einem schönen Tempel, an dem aber die parkartige Anlage noch mehr faszinierte, insbesondere die große Uhr, deren Ziffernblatt die Wiese selbst war.

Abends bekamen wir unser Visa für Vietnam und so konnte es am darauffolgenden Tag schon weiter Richtung Saigon gehen. Somit haben wir noch mehr als genug Zeit um Vietnam wieder ausgiebiger als Kambodscha zu bereisen.

So weit sind wir schon gekommen seit unserem Start in Bangkok:

 

Kommentare

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