Hilfe ohne zu fragen

Dies ist ganz normal im Iran. Als ich eigentlich schon dabei war, Tabriz zu verlassen und im Stadtbus Richtung Stadtrand fuhr, gab mir ein völlig fremder, älterer Herr seine Kontaktdaten und lud mich für meinen eventuellen, nächsten Besuch in sein Haus ein. Er konnte zwar kaum Englisch, war aber sichtlich erfreut von dem Gedanken, einen Touristen zu beherbergen.

Dass die Iraner ein besonders  hilfsbereites Völkchen sind, haben sie mir gegen Ende meines Iranaufenthalts noch einmal unter Beweis gestellt. Tabriz stellte sich als eine Stadt voller hilfsbereiter Menschen heraus. Hier hatte ich zuerst einmal einiges zu erledigen, bevor ich noch ein paar Sehenswürdigkeiten anschauen konnte.
Es gab viel zu tun. Einen Platz zum Wäschewaschen finden, den Laptop reparieren lassen, wichtige Dokumente nachhause schicken und Passfotos machen lassen. In einem fremden Land kann all das, was zuhause Alltag und meist selbstverständlich ist, zu einer Herausforderung werden. Nicht aber im Iran. Hier ist jeder hilfsbereit und versucht, auf Biegen und Brechen dem Touristen zu helfen.
Zum Beispiel im Postamt. Dort hielt mir die nette Dame am Schalter, die nicht recht verstand, was ich wollte, kurzerhand ihr Handy entgegen. Am anderen Ende ihr Ehemann. Dieser konnte perfektes Englisch und vermittelte.
Ein weiteres Beispiel für die Freundlichkeit bot sich mir, als ich einen Laden suchte, wo mein Laptop repariert werden konnte. Nach langem Suchen hatte ich endlich ein ganzes Einkaufszentrum gefunden, welches sich auf Technik spezialisiert hatte und schon wurde ich von einem älteren Herrn in gutem Deutsch angesprochen. Er lief mit mir durch das ganze  Einkaufszentrum und fragte in zahlreichen Geschäften, bis wir einen Laden fanden, der mir weiterhelfen konnte.
Anschließend gingen wir noch einen Tee trinken und obwohl ich total erledigt von einem anstrengenden Tag war, wollte ich den netten Herren nicht enttäuschen. Er war sichtlich erfreut, sein Deutsch mit einem Touristen zu üben.

Nachdem alles erledigt war, schaute ich mir den Basar und die Innenstadt an. Insbesondere der große Basar war sehr schön und ist schon seit Langem UNESCO-Weltkulturerbe. Der größte, überdachte, zusammenhängende Basar der Welt war auf jeden Fall einen Besuch wert und direkt gegenüber meiner bescheidenen Unterkunft. Hier ging es geschäftig zu. Mit Karren wurden Waren quer durch die immense Anlage transportiert. Teppiche und Schmuck, aber auch allerlei moderne Güter, wie Kleidung und Haushaltsbedarf. Am einen Ende gab es Gemüse und Wolle. Am Anderen drehte sich alles nur um Teppiche, das zentrale Möbelstück im Iran. Ist es ja Esstisch und Schlafplatz zugleich. Auch für ein Picknick im Park, darf hier ein Perserteppich nicht fehlen.

Die zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten waren ebenfalls einen kurzen Besuch wert, wie zum Beispiel die blaue Moschee und ein gigantisches Stadttor.

Täbris ist mit seinem Basar eine ideale Ergänzung zu eurer Route durch den Iran.

Am letzten Tag bevor ich Tabriz verließ, besuchte ich Kandovan. Eine Siedlung, ähnlich denen in Kappadokien in der Türkei. Hier waren die Häuser in seltsame Felstürmchen geschlagen. Als ich dort ankam, war ich erst etwas entsetzt, wie touristisch es doch war und fühlte mich etwas unwohl, als ich durch die Straßen zog. Jedes zweite Häuschen war ein Souvenirladen, der mehr oder minder den gleichen Tand verkaufte. Meine Stimmung änderte sich abrupt, als ich zum Aussichtspunkt gegenüber ging. Das Bild war wirklich herrlich. Unzählige der Feenkamine, wie sie die Türken nennen, ragten in den Himmel und das Örtchen war weit größer als gedacht. Kaum war ich damit fertig, Panoramas zu schießen, wurde ich schon von einer Gruppe Männer herbeigewinkt. Neugierig schlenderte ich zu den picknickenden Iranern, die auch sofort ihren Grill anfachten, um mir einen Kebab zuzubereiten. Mir wurde ein Tee spendiert und schon ging die Fragerunde los. Leider wie so oft, war die Kommunikation etwas schwer und jeder versuchte, ein paar Brocken Englisch hervorzuholen. Unglücklicherweise reichte es wieder nicht für mehr als das Übliche. Woher? Allein? Wo und wie lang? Und wie gefällt dir der Iran? Eigentlich hatte ich mir die Antworten auf ein T-Shirt drucken sollen.

KandovanPanorama

Plötzlich stand ein junges, iranisches Pärchen neben mir, welches erfreulich gutes Englisch beherrschte. Wir kamen ins Gespräch und als sie erfuhren, dass ich noch nicht recht wusste, wie ich denn zurückkomme, boten sie mir auch promt an, mit ihnen zurück nach Tabriz zu fahren. Was für ein erfreulicher Zufall. Wir verabredeten einen Treffpunkt am Parkplatz und schlenderten noch eine halbe Stunde getrennt durch den Ort.

Auf der Rückfahrt hörte ich wieder die fast einstimmige Meinung aller jungen Iraner. “Wir wollen keine islamische Regierung.” Oft habe ich den Eindruck, die meisten Leute im Iran sind überzeugte Muslime, wollen aber zu Nichts gezwungen werden und tendieren eher zu einer modernen, zeitgemäßen Auslegung des Islams. Kaum eine Frau will sich verschleiern müssen und Alkohol ist zwar offiziell verboten, aber trotzdem extrem beliebt und verbreitet. Ali und seine Frau waren ein typisches, modernes, iranisches Pärchen. Er erzählte mir sogar, dass er einfach neugierig wäre und gerne mal bei einer christlichen Messe zuschauen möchte, dies aber als Moslem nicht dürfe.

Für mich machten sie sogar noch einen Umweg und lieferten mich extra direkt vor meinem Hotel ab. Ich bereute, dieses sympathische Ehepaar nicht eher kennengelernt zu haben, denn sie luden mich sogar in ihr Haus ein, sollte ich das nächste Mal nach Tabriz kommen. Für mich ging es, nachdem alles erledigt und gesehen war, aber weiter. Richtung Grenze nach Armenien.

Das bizarre Dorf Kandovan im Iran.

Kommentare

  1. Pingback: Die perfekte zwei-wöchige Reiseroute durch den Iran | wasgesternwar.com

Teile deine Gedanken...