Irrungen und Wirrungen

War das ein hin und her, und über Kreuz und außeinander…

Manchmal ist es schon witzig, wie es beim Reisen läuft. In Yazd hatte ich nur flüchtige Gespräche mit einem Holländer im Schlafsaal des Hostels. Da ich ja im Prinzip nur auf den Bus am nächsten Tag gewartet habe, blieb ich nur eine Nacht. Ich kam zurück von Bam und wollte Richtung Wüste. Letzten Endes unternahmen wir einen Spaziergang und aßen gemeinsam zu Abend. Am Tag darauf trennten sich unsere Wege schon wieder, denn er wollte weiter so wie ich nur eben in verschiedene Richtungen. Wie im letzten Post beschrieben, traf ich ihn zufällig in Esfahan wieder und wir verbrachten erneut einen Tag zusammen, bevor er erneut in eine andere Richtung fuhr, ich aber noch etwas in Esfahan blieb. Lange Rede, kurzer Sinn, Haye, mein holländischer  Reisebegleiter musste letzten endes zurück nach Teheran und passierte dabei Esfahan erneut, wo wir uns trafen, um zunächst ein Stück mit dem Bus und dann per Anhalter nach Abyaneh zu fahren. Auf der Busfahrt lernten wir eine Russin kennen, die sich uns kurzer Hand auch anschloss.

AbyanehPanorama

Abyaneh ist ein auf 2200m gelegenes, historisches Bergdorf. Im Winter liegt hier regelmäßig Schnee. Als eines der ältesten, durchgängig besiedelten Dörfchen des Irans, hat Abyaneh einige Besonderheiten, die nur hier zu finden sind. Als Erstes fällt die Tracht der Frauen auf. Die vornehmlich sehr alten Damen tragen weiße, blumengemusterte Kopftücher und bunt gemusterte Kleidung. Die zweite Besonderheit ist nicht leicht zu erkennen. Aber manche der Bewohner sprechen noch immer eine sehr alte Variante des Persischen, eine Art Mittel-Persisch.
Die abgeschiedene Lage hat Abyaneh in der Zeit verweilen lassen. Auch wenn heute eher  Tourbusgruppen und iranische Touristen wie Heuschreckenschwärme über den ansonsten beschaulichen Ort herfallen.

Als wir am späten Nachmittag, nach unserem kleinen Anhalter-Abenteuer durch die engen Gassen schlenderten, spürten wir davon nichts. Die Gebäude schimmerten rot in der Sonne und die Bauweise aus Holz, Stein und einem Lehm-Stroh-Gemisch war ähnlich der in Yazd. Nur die rote Farbe eben war besonders. Es gab eine Moschee, einen Feuertempel und viele schön verzierte Türen. Zahlreiche Läden verkauften handgearbeitete Souvenirs.
Gegen Abend machten wir uns zu einer Festung auf, die direkt gegenüber auf einer Anhöhe lag. Von hier hatte man einen tollen Panoramablick auf das ganze Dorf.

Am nächsten Morgen, als wir weiter nach Kashan wollten, spürten wir erst, wie touristisch dieser Ort doch eigentlich war. Mehrere Reisebusse parkten am Fuße des Dorfes. Und die größtenteils iranischen Touristen schoben sich in Massen in die Gassen, die wir gerade verließen. Wir liefen ein Stück bis an die Hauptstraße, um eine  Mitfahrgelegenheit nach Kashan zu bekommen. Leider ist Abyaneh ein kleines Dörfchen und es fahren nicht gerade viele Autos, weswegen wir recht lange warteten. Per Anhalter zu fahren, ist im Iran ein eher unbekanntes Konzept, darum wussten manche nicht, was wir eigentlich von ihnen wollen. Andere wiederum signalisierten uns, ihre Autos seien voll oder sie fahren nicht weit, was für das Konzept des Autostopps sprach.

Haye und ich beschäftigten uns mit einem Spiel. Das Ziel war es, handliche Steine auf einen kleinen Felsen zu werfen. Wer zuerst zehn Treffer hat, gewinnt. Die erste Runde ging an mich, woraufhin Haye sich herausgefordert fühlte und vorschlug, zu spielen bis einer von uns drei Siege hat. Als es drei eins für mich stand, meinte er es ginge bis fünf. Haye ist einer dieser Wettbewerbs-Typen, die nicht verlieren können. Als ich letzten Endes 5:2 gewann war er etwas geknickt, aber wir freuten uns alle, als endlich ein Auto anhielt und uns bis an die Hauptstraße mitnahm. Es war der Manager des sehr teuren Hotels Abyaneh. Was man auch an seinem Auto erkannte, ein funkelnder Geländewagen mit Fernseher und eingebautem Navigationssystem. Eine echte Seltenheit bei den anderen Blechkübeln auf den iranischen Straßen. Wir bretterten mit hundert Sachen der Hauptstraße entgegen und der Manager hatte kaum Zeit zu reden, da er mit einem Ohr kontinuierlich am Telefon hing. An der Hauptstraße angekommen, wurden wir sofort von einem Auto bis zur Abzweigung nach Kashan mitgenommen, wo wir eine weitere Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups bekamen. Das Ehepaar, das uns mitnahm war wirklich nett und fragte uns am Ende noch nach einem Foto und nicht anders herum.

Kashan ist eine besonders schöne Stadt, der Baustil ähnelt den Lehmhäuschen in Yazd, wobei die Architektur hier viel feiner ist.
Wir besichtigten die Mashjed-e-jameh, eines der historischen Häuser und den etwas zu stark restaurierten Hamam. Haye musste uns irgendwann verlassen, da er weiter zum Teheraner Flughafen musste. Wohingegen ich noch eine Nacht in Kashan blieb, hier gab es erneut eine schöne Auswahl an historischen Hotels.

Ich übernachtete in einem guesthouse mit tollem Innenhof, in dem ich beim Frühstück ein deutsches Paar kennenlernte, welches den kompletten Weg von Deutschland bis hier mit einem VW-Bus gefahren war. Sie boten mir an, mich mit ihrem Bus mit zum Bagh-e-fin mitzunehmen. Ein zum UNESCO-Weltkulturerbe gekrönter Garten mit traditionell persischer Architektur, oder realistisch ausgedrückt… ein ganz netter Park. Für uns sind diese Gärten oft nicht so beeindruckend, wie für die iranischen Wüstenbewohner, für die Wasser und grün schon wie im Paradies klingt. Zusammen mit dem deutschen Paar erkundete ich die Grünanlage. Da es Freitag und somit iranisches Wochenende war, besuchten auch viele Iraner den Garten und wir zogen viele neugierige Blicke auf uns. Mit einer Gruppe junger Frauen machten wir minutenlang Bilder, bis jede Kamera zumindest mit einem Bild gesättigt war.
Am Nachmittag noch ging es in den  nahe gelegenen Großstadtmoloch Teheran.

Kommentare

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