Kebabs und noch mehr Fleisch

Über die iranische Küche gibt es das Vorurteil, sie bestehe nur aus Kebabs. Gegrillte Fleischspieße verschiedenster Art, meist Rind oder Hühnchen. Es kann aber auch etwas ausgefallener sein und man findet Leber oder Kamelfleisch auf dem Teller vor. Aufgepeppt wird das Ganze manchmal mit gegrillten Tomaten oder Pilzen, dazu gibt es eigentlich fast immer rohe Zwiebel, Reis und/oder Brot.

Klingt für manche nach einem Alptraum, für mich hört sich das herrlich an, nur Fleisch zu essen. Trotzdem ist dies nun mal ein sehr simples Vorurteil und Jeder, der etwas sucht wird eine sehr abwechslungsreiche, feine Küche vorfinden. Zwar scheint es oft wirklich so, als gäbe es bei der Suche nach etwas Essbarem auf der Straße nur Kebabis oder das immer beliebtere, öde, amerikanisch inspirierte Fastfood. Wenn man aber weiß, wonach man sucht und insbesondere, wo man es findet, gibt es unzählige, andere leckere Mahlzeiten.

Gebratenes Hühnchen mit Soße, Safranreis und getrockneten, sauren Beeren, genannt Zedreshk Polo. Oder ghorme Sabzi, ein Kräutereintopf mit Fleischeinlage. Allseits beliebt ist auch Dizi. Wiederrum ein Eintopf, mit einer sehr interessanten Esskultur. Zum Eintopf wird Brot gereicht, welches man zerkleinert mit dem Eintopf mischt und dann mit einer Art Stampfer zu einem dicken Brei zerquetscht.

Von vielen dieser Gerichte kenne ich zwar den vollständigen iranischen Namen nicht, geschweige denn die Zubereitungsart, geschmeckt hat es trotzdem immer hervorragend und kann auch überraschend günstig sein.

Meine einzige Kritik an der iranischen Küche ist, es gibt als Beilage wirklich nur Reis oder Brot, manchmal beides auf einmal. Wenn man Iraner beim Essen beobachtet, ist es keine Seltenheit, zu sehen, wie sie Reis in ein sehr dünnes, pappendeckelartiges Brot wickeln. Wem‘s schmeckt…

Ein großes Pro ist für mich persönlich das viele Fleisch, denn nicht nur bei Kebabs, sondern auch sonst enthalten ca. 80% der Gerichte Fleisch. Wobei auch die vegetarischen Speisen einfach fantastisch sind. Zum Beispiel findet man recht häufig eine mit anderem Gemüse gekochte Aubergine in einer schmackhaften Soße. Außerdem durfte ich bei einer Familie zuhause eine Art gebratenen Reis mit Erbsen kosten.

Das abendessen in der Barandaz Lodge in Mesr im Iran.

Zu trinken gibt es neben den üblichen Softdrinks zum Essen gerne mal “dough” eine Art Ayran. Yoghurt mit Wasser, Salz und manchmal Kräutern vermischt.

Von dem widerlichen, islamischen Bier allerdings will ich gar nicht erst anfangen. Entweder es ist ein schlechter Karamalz-Verschnitt oder es ist so stark mit Fruchtaromen versetzt, dass es den Namen Bier gar nicht mehr verdient. Ansonsten gibt es, wie auch in der Türkei überall literweise Schwarztee, wobei ich mir manchmal nicht sicher bin, was wichtiger ist. Der Tee selbst oder die in rauen Mengen konsumierten Würfelzucker. Auf zwei Tassen Tee kommen schnell mal sechs oder sieben Stück Zucker.

Noch zu guter Letzt das, was eigentlich als Erstes kommt. Das Frühstück. In den Touristenhotels, im Zentrum gibt es eigentlich ein immer mehr oder minder gutes Buffet aus leckeren, aber recht simplen Speisen. Ähnlich dem türkischen Frühstück gibt es Brot, Gurke, Tomaten, Honig, Marmelade, meist aus Karotten. Aufgepeppt wird es dann manchmal mit Wassermelone oder eingelegtem Gemüse, hin und wieder gibt es Datteln. Abseits der Touristenpfade kann man gut und günstig in den recht simplen Chaikhanes essen. Den Teehäusern, denn außer den Unmengen an Schwarztee und Wasserpfeifen, gibt es hier oft ein füllendes Frühstück, z.B. Brot mit Honig und einer Art Quark oder sehr, sehr leckeres, iranisches Omelette. Ähnlich wie Rührei mit einer intensiven Tomatenpaste.

Eine verhältnismäßig teure Spezialität ist ein Eintopf aus Ziegenkopf und Hufen, mit Hirn. Er wird sehr lange gekocht, sodass das Fleisch schön weich ist und mit Zitronensaft gewürzt. Dazu, wie zu jedem Frühstück und eigentlich auch sonst immer, Brot. Einmal musste ich diese bizarre Leckerei einfach probieren. Aber ehrlich gesagt, nicht schlecht. Andererseits auch nichts Besonderes. Schmeckt eigentlich ziemlich fad.

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