Nette Einheimische und ein neuer Freund.

Nach über einer Woche in und um Kathmandu, machte ich mich endlich auf, das Tal zu verlassen. Im Nachhinein, war es eine gute Entscheidung, alles ausgiebig anzuschauen, nach dem verheerenden Erdbeben liegt alles in Trümmern. Es wird Jahre dauern, alles wieder aufzubauen und selbst dann ist es bestimmt nicht mehr so wie vorher.

Nun aber, ließ ich all das hinter mir, ohne zu wissen, dass es zerstört sein würde, wenn ich zurück komme… Ich stieg in den Lokalbus Richtung Pokhara. Der kostet nur die Hälfte und Bus ist gleich Bus, oder? Hier in Nepal bin ich wirklich froh um meine knapp ein  Meter siebzig. Wenn ich im Bus stehe, berührt mein Kopf gerade so die Decke. Wenn ich sitze, haben meine Beine schon kaum Platz, wie macht das ein Zwei-Meter-Mann? Alles in allem war die Fahrt aber okay. Nur meine Knie dankten es mir und verachteten die Frau vor mir, die meinte, wir wären in einem super komfortablen Luxusbus und sie könnte ihre Rückenlehne auch noch nach hinten klappen. Danke dafür.
Als ich in Dumre ausstieg und mir der wirklich nette Busbegleiter meinen Rucksack vom Dach reichte, wies er mir gleich auch noch den Weg zum nächsten Transportmittel. Dumre war wirklich kein Ort, an dem man lange verweilen wollte; staubig, uninteressant und mitten an der Hauptstraße, wo tausende lärmende, überladene und hupende Trucks und Busse vorbeidonnerten. Die Trucks hatten alle Aufschriften wie “Speed control” oder “Road king”. Dazu kann ich nur sagen, hoffen wir, dass sie nicht in Ersteres geraten und für Zweiteres hielt sich tatsächlich jeder.

Bandipur dagegen war wunderschön gelegen, ruhig und hatte eine nette, kleine Altstadt. Es war so idyllisch, dass ich sogar gleich noch eine Nacht länger blieb.
Auf einem Hügel gelegen, hatte man von dort auch einen tollen Blick auf den Himalaya. Auch wenn die Sicht trüb war, war sie trotzdem atemberaubend und dies war das erste Mal, dass ich die Bergkette richtig erblickte. Der Touristenstrom hielt sich trotz zahlreicher Hotels in Grenzen und so waren die umliegenden, kleinen Wanderungen sehr attraktiv und man bekam Einblicke in das ländliche Leben.

Am ersten Tag kletterte ich unzählige, schier endlos wirkende Stufen den Hang hinab. Dabei lernte ich einen Australier kennen. Peter ist 50 und lebt von seinem Ersparten und den Aktien in die er anlegt. Kein schlechtes Leben, wenn man es ohne wirkliche Arbeit finanzieren kann…
Gemeinsam erkundeten wir mit zwei anderen Touristen, die zusammen mit Peter gekommen waren, die Höhle. Ein Guide war vorgeschrieben und führte uns durch die rutschige, stockfinstere Höhle. An sich war sie nicht sehr besonders, aber im Gegensatz zu den Höhlen in Südostasien wirkte sie nicht so erschlossen, so gab es weder Beleuchtung noch Wege. Nur mit Taschenlampen bewaffnet, bahnten wir uns unseren Weg durch die nasse Höhle. Über Leitern kletterten wir bis tief hinein. Es machte wirklich Spaß und es war angenehm kühl.

Ganz im Gegensatz zu draußen: dort herrschte eine schwüle Mittagshitze, in der Peter und ich, mit so mancher Pause, schwitzend und schnaufend die Stufen wieder nach oben erklommen. Peter war sehr redebegeistert und hatte viele interessante Geschichten zu erzählen. Etwas verrückt und doch witzig. Zum Beispiel erzählte er von seinem Kindheitstraum, einfach Berge oder Bäume, die ihn stören in die Luft zu jagen. Außerdem liebte er es, gemeinsam mit Leuten Fotos zu schießen.

In Bandipur angekommen beschlossen wir, am nächsten Tag eine weitere gemeinsame Wanderung zu machen. Wir hatten dieselben Interessen und es macht ja auch viel mehr Spaß, eine gemeinsame Wandertour zu unternehmen. Vor übereifrigen Wachhunden ist man auch sicherer… Den Rest des Tages verbrachte ich mit Tee und etwas süßem Gebäck.

Früh morgens klingelte mein Wecker, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Nur 5 Minuten zu Fuß entfernt gab es einen super Aussichtspunkt. Die Berge waren zwar leider in Dunst gehüllt, der Anblick auf die nebelbehangenen Täler und die rot glühende Sonne entschädigten dafür. Auch Peter stieß zehn Minuten später noch hinzu.
Etwas später, mit fettigen Donuts und gekochten Eiern als Proviant, machten wir uns auf nach Namkot. Ein kleines Dörfchen mit ein paar traditionellen Rundhäusern und einem einzigen kleinen Hotel, in dem wir einkehrten. Am frühen Vormittag entpuppte sich auch noch ein recht schöner Blick auf den Himalaya.

Der Weg nach Namkot verlief entlang eines bewaldeten Hangs. Zurück wollten wir aber unseren eigenen Weg finden. Zuerst waren wir durch die unterschiedlichen Angaben der Dorfbewohner verwirrt. Sicher war es nicht ihre Schuld, die Meisten konnten kaum Englisch und sahen nicht viele Touristen. Letzten Endes, fanden wir aber unseren Weg zurück und wurden ständig von freundlichen Nepalesen mit einem herzlichen “Namaste” gegrüßt. Die Leute freuten sich wirklich, Ausländer zu sehen. In Ramkot, wie auch auf dem weiteren Weg, versuchte jeder sein bisschen Englisch zu erproben. Ständig hieß es “Where are you from?”, “How long stay Nepal?” und “You like Nepal?”. Besonders letztere Frage entzückte alle Gesichter, wenn man sie mit ja beantwortete. Aber das Interesse war auch groß, wo man denn her kommt. Andauernd hieß es “Wow, Germany, great country!” Oder “Australia? I want to go there!”. Viele junge Nepalesen träumen von einem Studium im Ausland. Bevorzugte Länder sind natürlich Australien, die USA, Europa und zur Not auch die arabische Halbinsel.  In Städten sieht man nicht selten Plakate, die für ein Studium im Ausland werben. Man träumt eine Art amerikanischen Traum. Im Ausland studieren und arbeiten. Damit wäre der Erfolg und das Geld sicher. Beides ist schwer zu ergattern in einem Land, das die letzten Jahrzehnte von Kriegen geplagt war, zu den ärmsten Ländern der Welt zählt und jetzt, zu allem Überfluss, noch unter der Erdbebenkatastrophe leidet.

Kurz vor unserem Ziel gönnten wir uns noch ein nepalesisches Bier und beschlossen, den nächsten Tag gemeinsam weiter nach Pokhara zu fahrn. Wir hatten eine Menge Spaß gemeinsam. Es tat gut, mal wieder ein paar Tage nicht alleine zu reisen…

Kommentare

  1. Pingback: 10 Highlights in Nepal | wasgesternwar

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