Ohne Mietwagen von Imlil über den Tizi’n’Test nach Taroudant

Von Imlil aus, gibt es mit öffentlichen Verkehrsmitteln eigentlich nur die Möglichkeit, zurück nach Marrakesch zu fahren. Besitzt man jedoch ein Auto oder etwas Abenteuerlust, kann man ab Asni Richtung Süden über den Tizi’n’Test reisen. Wir planten noch einen Stopp ein, an einer der zwei einzigen für Nicht-Muslime betretbaren Moscheen in Marokko.

Früh morgens wollten wir in Imlil aufbrechen, was sich dann etwas verzögerte, da uns der Besitzer unseres Gasthauses anbot, uns in seinem Auto völlig umsonst mit nach Asni zu nehmen. Schon eine halbe Stunde später saßen wir auf der Rückbank, zusammen mit einem weiteren Marokkaner und näherten uns rasch Asni. Bei der Ortsausfahrt aus Imlil erkannten wir, was für ein Glück wir hatten, mitgenommen zu werden. Am Taxistand warteten dutzende Menschen und weit und breit war kein Sammeltaxi zu sehen.

Schon 30 Minuten später verabschiedeten wir uns von unserem netten Hotelbesitzer und seinen Freunden und liefen ein Stück Richtung Ortsausgang. Zwar gab es einen Bus der uns bis zu unserem ersten Etappenziel der Tin Mal Mosche bringen konnte, doch wir versuchten unser Glück per Anhalter. Leider waren die meisten Autos schon mit Menschen, oder Ziegen vollgepackt. Aufgrund des kommenden Opferfestes, kauften gerade viele Marokkaner eine Ziege oder ein Schaf zum Schlachten auf dem Markt von Asni. Diese wurden dann wie ein Weihnachtsgeschenk zusammengeschnürt und in oder zum Teil auf dem Auto nachhause transportiert. Und so wurden wir nicht mitgenommen, bis wir uns schließlich doch für den vorbeifahrenden Bus entschieden.

Schnell wurde unser Gepäck auf das Dach des rüstigen Kleinbusses geladen. Der Bus hatte seine besten Zeiten wahrlich schon lange hinter sich, wurde aber immer noch durch den Hohen Atlas geplagt. Am meisten erstaunt war ich jedoch darüber, dass uns sofort Sitzplätze angeboten wurden, obwohl der Bus bis zum Bersten gefüllt war und immer wieder fröhlich Leute zustiegen. Als im Bus irgendwann gar kein Platz mehr war, kletterten die neuen Fahrgäste einfach aufs Dach. So zockelten wir langsam gen Süden, durch den Atlas. Vorbei an Ouirgane dem beliebten Ausflugsort für Marokkaner, direkt an einem Stausee. Vorbei an wunderschöner Gebirgslandschaft und vorbei an vielen kleinen Dörfern.

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Immer dem Flusslauf folgend, kam unser Bus kurz vor dem gleichnamigen Dörfchen Tin Mal an. Endstation. Alles aussteigen. Der sehr nette Busfahrer nahm uns sofort unter seine Fittiche und vermittelte uns ein Taxi für die letzten Kilometer. Mehrmals betonte er, “Thirteen Dirham”. Ich fragte auch noch extra nach, um sicher zu gehen, er meinte nicht “Thirty”. Doch es blieb bei dreizehn und so setzten wir uns zufrieden in das Taxi. Keine zehn Minuten später hielten wir direkt vor der Mosche und als ich dem Fahrer 13 Dirham überreichte, reagierte er entsetzt. Jedoch konnte der Fahrer weder Englisch noch Französisch. Der Aufseher der Moschee kam herbei und übersetzte. Natürlich wollte der Fahrer weit mehr, als die zuerst genannten 13 Dirham. Ich ergab mich und zahlte, da ich wegen ein paar Euro keine Lust hatte zu streiten. Wenn er meinte, so unehrlich und respektlos sein Geld verdienen zu müssen, dann sollte er es haben.

tinmalbogen

Wir ließen uns die Laune nicht verderben und folgten dem Aufseher ins Innere der verfallenen Moschee. Wie bereits erwähnt, ist die Tin Mal Moschee, neben der neuen Hassan II Moschee in Casablanca, die einzige, in die Nicht-Muslime Zutritt haben. Da die Moschee teilweise zerstört wurde und nicht mehr als solche genutzt wird, dürfen Touristen sie besichtigen. Der Aufseher gab uns eine kleine Führung und erklärte uns die architektonischen Details. Besonders erwähnenswert sind die verzierte Mirhab (Nische in Richtung Mekka) und die vielen schönen Säulen, die sich als gutes Fotomotiv eignen. Tin Mal war einstmals das Zentrum der mächtigen Almohaden, wurde jedoch von der nachfolgenden Dynastie gänzlich zerstört, mit Ausnahme dieser einen Moschee.

Während wir noch durch die Überreste schlenderten, trat ein weiteres Touristenpärchen ein. Beim Verlassen der Moschee schlug uns der Wärter vor, wir sollten doch die anderen Touristen fragen, ob sie uns eventuell mitnehmen könnten, da sie einen Mietwagen besitzen. Gesagt, getan, und siehe da, sie waren auch Deutsche. Das sympathische Pärchen stimmte zu, uns gerne mitzunehmen und wie sich herausstellte, wollten sie ebenfalls nach Taroudant.

Hinter der Moschee begann der eigentliche Pass und wir schlängelten uns in Serpentinen durch wunderschöne Berglandschaft. Langsam kletterten wir bis auf 2100 Meter und legten gelegentliche Fotostopps ein. Es war wirklich praktisch mit anderen Touristen mitzufahren, weil man so nicht einfach nur an der schönen Landschaft vorbeifuhr. Oben am Pass tranken wir noch etwas kühlendes, bevor sich die Landschaft dramatisch veränderte. Waren wir zuvor noch durch grüne Gebirgslandschaft gefahren, erblickten wir nun die kahle Souss-Ebene. Fast schon eine Wüste. In noch engeren Serpentinen ging es jetzt schnell bergab.

strasenachpass

Als wir unten angekommen waren, folgte noch ein schrecklich langweiliger Abschnitt über eine gerade Straße durch unansehnliche Landschaft mit zum Teil nicht mehr als 60 km/h. Wer beschließt eigentlich die Geschwindigkeitsbegrenzungen?

Taroudant jedoch, das merkten wir schon auf den ersten Blick, ist eine recht sympathische Kleinstadt. Da die zwei anderen Deutschen mit ihrem Auto nicht zu tief in die Medina fahren wollten, ließen sie uns direkt an der Altstadtmauer raus. So trennten sich unsere Wege und wir verabschiedeten uns.

Mehr zu Taroudant im nächsten Blog!

Tipps für Tin Mal und den Tizi’n’Test:

Selbst habe ich so gut wie keine Informationen über Transport oder Unterkünfte auf dieser Strecke gefunden. Darum hier unsere Erfahrungen:

Es gibt täglich einen Bus von Asni nach Ouled Berhil (der erste große Ort nach dem Pass direkt an der N10). Manchmal fährt dieser Bus nur die halbe Strecke, dann findet man aber einen zweiten Bus oder Sammeltaxis. Von Ouled Berhil verkehren ebenfalls Sammeltaxis und Busse nach Taroudant. Per Anhalter zu fahren ist definitiv eine Option. Auch wenn es in unserem Fall nicht geklappt hat, haben uns zahlreiche Reisende sehr positive Erfahrungen geschildert.

Sollte man irgendwo stranden oder gerne verweilen wollen, gibt es in sehr vielen Ortschaften und auch auf dem Pass selbst simple Gîtes und Campingplätze.


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Von Imlil nach Taroudant, Marokko. Ohne Mietwagen über den Tizi'n'Test vorbei an der wunderschönen Tin Mal Moschee! Komm mit auf eine Reise nach Marokko!

Kommentare

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