Per Anhalter in die Antike.

Wenn man an den Iran denkt, kommt einem meist als Erstes der Islam in den Sinn, große, blau geflieste Moscheen, grimmig blickende Mullahs und verschleierte Frauen. Das heutige Bild des modernen Irans. Der Grund, wieso ich in den Iran wollte, war das Perserreich. Diese antike Hochkultur. Braun gebrannte, gigantische Lehmstädte, riesige  Tempelanlagen und eine Religion, weit älter und mystischer, als der Islam und fast alle anderen heutigen Weltreligionen. Der Zoroastrismus war die Staatsreligion im antiken Perserreich. Eine Religion in der die Elemente als heilig gelten, weshalb es immer eine ewig brennende Flamme in jedem zoroastrischen Tempel gab.

Leider musste ich feststellen, dass von dieser antiken Hochkultur nicht viel erhalten geblieben ist. Zu groß war die Zerstörung durch Araber und Mongolen. Zu groß war der Einfluss des Islams.

Als meine Reise im Iran sich dem Ende zuneigte, hatte ich zwar bisher eine unglaublich schöne Zeit gehabt, gleichzeitig aber das Gefühl, mein Interesse am Perserreich nicht wirklich gestillt zu haben. So traf es sich gut, dass Zanjan auf meinem Weg Richtung Armenien lag.

Von hier aus unternahm ich einen Ausflug zum größten zoroastrischen Feuertempel im Iran. Über 3000 Jahre alt. Der sogenannte Takht-e-Soleymann. Der Thron von Salomon. Es gibt keinen echten Bezug zum biblischen König Salomon. Vielmehr ist dieser geschickt gewählte Name eine Lüge, die dazu beigetragen hat, dass dieser antike Tempel bis heute noch steht. Als die Araber einfielen, den Islam in den Iran brachten und dabei alles nicht Islamische zerstörten, erkannten die Tempelhüter die Gefahr für Ihr Heiligtum. Weil die Moslems das Alte Testament und somit den biblischen König Salomon anerkennen, verschonten sie den Feuertempel, dank seines Namens.

Takht-e-Soleymann

Von Zanjan aus war es aber noch ein ganz schönes Stück bis zum zoroastrischen Heiligtum. Der lonely planet, bietet als einzige Transportmöglichkeit ein Taxi für 40 Dollar. Nein Danke. Lieber nahm ich ein Sammeltaxi bis in einen Minen-Ort auf halbem Weg, und fuhr den Rest per Anhalter. So stand ich erneut am iranischen Straßenrand und versuchte Autos anzuhalten. Im Gegensatz zu Deutschland streckt man, hier aber nicht den Daumen aus, das wäre hier so als würde man in den Fahrern in Deutschland den Mittelfinger entgegen halten. Stattdessen hält man die Handfläche nach unten und macht eine ähnliche Bewegung, als würde man einen Basketball dribbeln.

Zuerst landete ich ungewollt in einem Taxi, welches ich anfangs nicht als solches erkannte. Ich nutzte jedoch die Gelegenheit, als mein Fahrer erklärte, er würde einen kleinen Umweg machen müssen, um etwas abzuliefern und tat so, als würde ich nicht verstehen, was er wollte und konnte wieder aussteigen. Von hier bekam ich innerhalb weniger Minuten eine  Mitfahrgelegenheit bis zum Takht-e-Soleymann. Es war ein Vater und sein Sohn. Überraschenderweise konnte der schon in die Jahre gekommene Vater etwas Englisch und wir hatten ein nettes Gespräch. Und ich versuche wieder, mit meinen paar Worten Persisch zu glänzen. Ein khubi? (Wie geht’s?) hat noch Jeden zum Schmunzeln gebracht.

Am Tempel angekommen, war ich mehr als überrascht. Die Anlage  war größer als erwartet. Eine mächtige Befestigung begrüßte mich und ich ging durch das Tor zum Zentrum des Heiligtums. Ein kristallklarer, saphirblauer Kratersee dessen Wasser in 80 Meter Tiefe aus der Erde sprudelte und in zwei Strömen durch die Anlage floss. Ich staunte nicht schlecht, waren die Bilder, die ich auf Google gefunden hatte doch nicht übertrieben. Um den See gab es viele Ruinen, welche verschiedenste Kultstätten aber auch Wohnhäuser darstellten. Das Zentrum des Heiligtums bildete ein Feuertempel, in dem eine gesegnete Flamme brannte. Am Leben gehalten von einem natürlich aus der Erde strömenden Gas, das mit Rohren an die richtige Stelle geleitet wurde. Es machte Spaß, die Ruinen zu erkunden und man spürte, dass es ein wirklich alter Ort war.

PanoramaLandschaft

In der Ferne erspähte ich das zweite Objekt meiner Begierde. Einen Berg. Die Form sieht schon etwas speziell aus, aber nach einem 6 Kilometer langen Marsch durch die staubige Hitze und einem steilen, 10-minütigen Aufstieg, erblickte ich ein wahres Naturwunder. Im Inneren war der Berg hohl.  Ähnlich wie der See in der Tempelanlage, war dies auch einmal eine Quelle gewesen, aus der Wasser aus dem Boden strömte. Heutzutage gibt es aber kein Wasser mehr und was bleibt, ist der gigantische Krater. Lediglich das immer noch austretende Schwefelgas ist präsent, in Form eines etwas unangenehmen Geruchs.

Zurück sollte es so gehen, wie ich gekommen war. Per Anhalter. Leider musste ich etwas auf einen Fahrer warten, der mich mitnehmen konnte. So stand ich ca. 2 Stunden in der Hitze. Dafür wurde ich netterweise direkt an der Stelle abgesetzt, von der die Sammeltaxis zurück nach Zanjan fuhren. Dort lernte ich noch einen iranischen Englischlehrer kennen, welcher sehr interessiert war, mit mir zu reden. Er brachte mir etwas Persisch bei und erzählte von anderen Ausländern, die er in sein Haus eingeladen hatte. Wie z.B. ein Engländer, der mit dem TukTuk von Kambodscha bis in den Iran gefahren ist. Nicht allzu viele Touristen verirrten sich in die Region und Hossein war vermutlich glücklich, sein Englisch zu verbessern. Wir gingen einen Kaffee trinken und aßen Baklava. Letzten Endes lud er mich noch auf den Junggesellenabschied seines besten Freundes ein. Leider war ich einfach schon zu erschöpft, um dieser Einladung nachzukommen und hatte auch das Gefühl, ich würde in die Feier von guten Freunden platzen. Mehr als glücklich über diesen gelungenen Tag, kehrte ich in meine Unterkunft zurück.

HosseinSelfie
Hossein und ich.

Kommentare

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