Reizüberflutug

Die ersten Tage waren einfach zu viel. Völlige Reizüberflutung. Der Kontrast könnte kaum größer sein, vermutlich nur noch im Nachbarland Indien… Am ersten Tag als ich durch Kathmandu spazierte war ich überfordert. So auch meine Sinne. Im einen Augenblick duftete es nach einem leckeren Curry, im nächsten stank es nach Exkrementen. In einer Gasse bewunderte man die wunderschöne, mittelalterliche, nepalesische Architektur, um das nächste Eck blickt man in eine braune Brühe aus Dreck, die sich Fluss nennt. Man sieht vermutlich etwas wohlhabende, westlich gekleidete Jugendliche und kurz darauf einen Bettler in Fetzen ohne Beine. Natürlich wurde man auch überall von Möchtegerntourguides und dergleichen angesprochen. Die Luft war von Abgasen durchtränkt. Der Lärm der überall präsenten Motorräder dröhnte auf den Straßen und aufgrund des Staubes, trugen viele der Leute Gesichtsmasken.

Trotz allem entschloss ich mich für einen Spaziergang durch den Stadtkern, denn bei genauerer Betrachtung hat Kathmandu einiges zu bieten. Wirklich auf jedem Platz steht ein hinduistischer Tempel. In viele der Hausfassaden waren kleine Schreine integriert und der Hinduismus war allgegenwärtig. Viele der Leute trugen sogar noch traditionelle Kleidung, zumindest Frauen und alte Männer. Die Altstadt war wirklich wunderschön und der nepalesische Baustil etwas sehr Besonderes. Die kargen, unverputzten Ziegelwände bildeten einen Gegensatz zu den überraschend wunderschön gearbeiteten, hölzernen Fenstern.

Mein erster Teil des Spaziergangs brachte mich zu Kathmandus berühmten Durbarplatz. Drum herum sammelte sich eine Vielzahl von Tempeln und ein Palast. Der Platz war wirklich herrlich. Die Meisten der Gebäude waren hauptsächlich aus Holz, doch auch ein paar strahlend weiße Strukturen ragten aus dem dunklen Holz hervor. Die Tempel und Paläste waren mit den aufwendigsten Schnitzereien verziert und jedes Detail ein Kunstwerk für sich.

Besonders die riesigen, stufenartigen Fundamente der Hindutempel eigneten sich wunderbar, um das Treiben auf dem Platz zu beobachten. Die Touristen kamen und gingen. Ein endlos wirkender Fluss. Hier in Kathmandu treffen sich Menschen aus wirklich allen Ecken der Welt. Amerikaner und Chinesen. Inder, Australier und Europäer. Auch viele Nepalesen selbst besichtigten diesen beeindruckenden Platz. Taxi- und Rikschafahrer belästigten die Touristen und Führer boten ihre Dienste feil.
Viele der Bauten waren wirkliche Kunstwerke und eine echte Abwechslung zu den grauen Betonklötzen in den südostasiatischen Großstädten.

Nach einer ausgiebigen Erkundung, setzte ich meinen Spaziergang fort. Diesmal brachte es mich noch weiter in die Viertel der Einheimischen. Ich erkundete die schmalen Gassen und Hinterhöfe der Altstadt. Ohne einen guten Plan in meinem Reiseführer, hätte ich viele dieser versteckten Oasen der Ruhe gar nicht gefunden. Hier spielt sich das alltägliche Leben ab. Kinder erproben sich im Nationalsport Cricket. Frauen tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch aus und Männer sammeln sich im Schatten zum Karten spielen.

 

AffentempelWeg
Der staubige Weg.

 

Den zweiten Tag musste ich erst einmal ein ganz schönes Stück laufen, bevor ich am sogenannten Affentempel ankam. Zumindest die Touristen nennen ihn so, den echten Namen konnte ich mir leider nicht merken. Über eine staubige Straße, in schlechtem Zustand, lief ich in Richtung des Berges und schon aus der Ferne konnte ich einen Blick auf die weiße Stupa werfen. Ich erklomm den Berg über den etwas längeren Pilgerpfad, so sparte ich mir sogar den Eintritt. Es ging gemächlich bergauf, eine Seite war gesäumt mit Gebetsmühlen, die die Pilger bei ihrem Weg nach oben in Gang setzen. Dieser Weg brachte mich zunächst zur Rückseite der heiligen Stätte.

Hier befanden sich mehrere Stupas, welche alle mit Gebetsfahnen geschmückt waren. Auf den Stupas waren die für die Region typischen, alles sehenden Augen Buddhas gemalt. Es war ein Spaß vornehmlich Kindern und Jugendlichen, aber auch einigen Erwachsenen bei dem Versuch, Münzen in eine Art Wunschbrunnen zu werfen zuzuschauen. Das Ziel bestand darin, sie in einen Topf zu werfen und nicht in den sich darum befindenden Wassergraben. Außerdem waren hier auch die Affen präsent, die dem Tempel seinen bekannteren Namen geben. Unbeirrt von den Menschen, sprangen sie wild hin und her, ließen sich aber auch gerne mit allerlei Leckereien füttern.

In diesem Teil, und vor allem weiter oben am Hauptheiligtum, waren sehr viele hinduistische und buddhistische Pilger präsent. Der Ort spielt für beide Religionen eine wichtige Rolle. Hier sah ich das erste Mal, wie die Buddhisten im Uhrzeigersinn um eine Stupa pilgern. Auch um die Stupa waren Gebetsmühlen und kleine Schreine platziert. Hier beteten viele und trotz der Touristen blieb die religiöse Atmosphäre erhalten.

Rundum genoss man tolle Blicke auf Kathmandu. Von oben aus gesehen, ist alles aber eher ein hässlicher, grauer Betonklotz.
Nachdem ich ausgiebig Fotos von allem geschossen hatte, ging es noch zum Geschichtsmuseum. Auf dem Weg dorthin lernte ich einen Nepalesen kennen, der etwas außerhalb wohnte, aber gerade zu Besuch im Zentrum war. Da ich etwas verwirrt mit den Richtungen war, begleitete ich ihn ein Stück und tatsächlich erreichte ich das Museum. Seine Hilfsbereitschaft und ein nettes Gespräch, machten den Weg noch angenehmer. Dort gab es ein paar interessante Ausstellungsstücke zu verschiedenen historischen Funden in und um Kathmandu. Und eine Naturkundeausstellung.

Langsam akklimatisierte ich mich mit Kathmandu und Nepal und es war an der Zeit die umliegenden Städte und  Sehenswürdigkeiten im Kathmandutal zu erkunden.

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