So nah und doch so fern.

Viele Touristen in der Türkei kennen Kappadokien, und auch ich war auf dem Weg dorthin, doch kaum ein Tourist legt wohl einen Stopp im nahegelegenen Kayseri ein. Viele kennen zwar den Flughafen, als Tor zur einmaligen Landschaft dieser besonderen Region Zentralanatoliens und vielleicht kommen einige durch die mäßig ansehnlichen Vororte. Doch nur Wenige verbringen eine Nacht in der imposanten, mit geschichtsträchtigen Bauten gespickten Stadt. Während sich im nahegelegenen Kappadokien zahlreiche Touristen tummeln und auch dutzende Tourbusgruppen ihre Runden drehen, so traf ich hier bei meinem Rundgang nur einen weiteren, ausländisch anmutenden Touristen. Auf dieser Reise wollte ich nichts auslassen, nichts überhasten. Kleine Schritte, statt große Sprünge. Selbst wenn viele der Städte keine Must-sees oder besonderen Highlights bergen, ist jede für sich dennoch interessant.

MoscheeBergKayseri

So kam ich am frühen Mittag am Busbahnhof von Kayseri an und nahm direkt einen der Shuttlebusse ins Zentrum. Nur wenige Schritte vom Zentrum Kayseris entfernt, welches von einem mächtigen, schneebedeckten Vulkan überschattet wird, stieg ich aus und hatte auch prompt eine Unterkunft zu einem akzeptablen Preis gefunden. Als Erstes wollte ich das Museum über die seldschukische Kultur besuchen, für die ich ein besonderes Interesse hege. Wirklich aufgeregt betrat ich das Museum, welches sich in einer neu restaurierten Medresse befand. Alle Ausstellungsgegenstände waren toll in Szene gesetzt, sogar für Blinde gab es gesonderte Erklärungen und Gegenstände zum Anfassen. Nur einen Haken hatte die ganze Sache, es gab kaum Übersetzungen in Englisch und besonders die längeren Fließtexte waren nur auf Türkisch. Wirklich schade. Das Museum hätte sicher ein sehr hohes Potential gehabt, doch so ist es für ausländische Touristen fast völlig uninteressant.

Mein weiterer Spaziergang durch die Stadt verlief deutlich besser. Ich wollte möglichst viele der seldschukischen Bauwerke abklappern. Wie es der Zufall wollte, konnte ich einen kurzen Blick in eine der ansonsten verschlossenen Medressen werfen, als gerade ein Imam sein Fahrrad herausholte. Ich lief zu vielen Weiteren der im Zentrum verstreuten Moscheen, Schulen und Gräber. Allesamt sind wirklich schön erhalten und sehr nah beieinander, sodass man binnen eines Nachmittags sehr viel gesehen hat. Ein weiteres Highlight, die Zitadelle aus schwarzem Basalt aus römischer Zeit, wird leider gerade restauriert und ich konnte sie somit nicht besichtigen.

Das herrlich verzierte Eingangsportal einer Moschee.
Das herrlich verzierte Eingangsportal einer Moschee.

Ein schöner Zeitvertreib ist das Schlendern über den lebhaften Basar von Kayseri. Die engen, überdachten Gassen des historischen Gebäudes bergen heutzutage hauptsächlich moderne Produkte des täglichen Bedarfs. Doch abseits des Trubels findet man auch heute noch traditionelle Produkte wie Gewürze, religiöse Utensilien und Kleidung. Hinter dem Basar beobachtete ich Messerschleifer bei der Arbeit. Ein weiteres Highlight versteckt sich in einem Seitenbau des Basars, das Bedestan. Ein Lager für Kunsthandwerk, heute werden hier vornämlich Teppiche verkauft.

KayseriBazar

Zwei – zumindest für die Türkei – sehr ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten verstecken sich im größeren Umkreis des Zentrums. Zwei armenische Kirchen werden zurzeit restauriert. In Anbetracht der Tatsache, dass heutzutage kaum noch Armenier in der Türkei leben und die Beziehungen seit dem armenischen Genozid vor ca. 100 Jahren immer noch etwas angespannt sind, ist deren Anblick etwas kurios. Dennoch machte ich mich auf den weiten Fußweg. Eine der beiden Kirchen war sogar durch Stacheldraht und Überwachungskameras gesichert.

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