Sofia: Bulgariens Hauptstadt in einem Tag

Die Alexander Newski Kirche, das Wahrzeichen Sofias. Bulgarien.

Die großen Metropolen der Erde sind für mich immer besonders spannend. Und so sehr ich abgelegene Dörfer und einsame Natur liebe, so sehr bin ich auch fasziniert von diesen Schmelzpunkten der Menschheit. In Hauptstädten, wie Sofia, treffen alle erdenklichen Gegensätze aufeinander. Arm und reich, jung und alt. Kulturen und Bevölkerungsgruppen aus dem ganzen Land vereinen sich hier. Somit ist die Hauptstadt eines Landes für mich immer besonders reizvoll und ich verbringe gerne mehr Zeit in diesen Städten, als für die Hauptsehenswürdigkeiten nötig wäre.

Auf unserem Mini-Trip nach Bulgarien, hatten wir jedoch insgesamt nur 6 Tage  Zeit. So entschlossen wir uns, in einem Tag alle großen Sehenswürdigkeiten Sofias abzuklappern. Im Folgenden erfahrt ihr, wie ihr das auch schafft. Und das geht sogar ganz stressfrei! In meinem “Sofia in einem Tag” – Guide zeige ich euch, was es alles zu sehen gibt und wie ihr die Stadt am besten in nur einem Tag erkundet.

Start am Serdika Platz in Sofia

Die Banja Baschi Moschee in Sofia in Bulgarien.
Die Rückseite der Banja Baschi Moschee in Sofia, direkt an der Serdika Haltestelle.

Unseren Tag starteten wir an der Metrostation “Serdika” im Zentrum der Stadt. Der Platz ist ein Ballungszentrum an Sehenswürdigkeiten und der perfekte Start in den Tag. Wir verließen die Metrostation und waren sofort umgeben von Geschichte. Am Ausgang der Metro wurden Reste der alten, römischen Stadt “Serdika” gefunden und freigelegt. Man kann die Mauerreste frei und ohne ein Ticket im Vorbeigehen bestaunen.

Als erste große Sehenswürdigkeit erblickten wir die große Banja Baschi Moschee mit ihren roten Ziegelsteinen und dem typisch ottomanischen Minarett, spitz wie eine Nadel. Die Moschee aus dem sechzehnten Jahrhundert ist eine der ältesten Moscheen Europas und die einzige noch aktive Moschee der Hauptstadt.

Die Banja Baschi Moschee in Sofia in Bulgarien.
Die Banja Baschi Moschee direkt an der Hauptstraße gegenüber der Markthalle.

 

 

Direkt gegenüber befindet sich die Zentralmarkthalle von Sofia. Von außen ist es ein wunderschönes Neorenaissance-Gebäude mit aufwendig gestalteter Fassade. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts war diese Markthalle ein wirklicher Luxus. Ein überdachter Markt in einem prunkvollen Gebäude, aber nach unseren Maßstäben wohl eher ein Kaufhaus. Auch heute hat die Halle wenig mit einem klassischen Markt zu tun. Moderne Bäckereien und Souvenirläden präsentieren hier ihre Waren. Die Halle ist aber ein guter Ort für ein schnelles aber stilvolles Frühstück.

Die alten Trams von Sofia, geben der Stadt einen besonderen Flair.Die Markthalle in Sofia.

Die jüdische Synagoge und ein Hauch von Orient in Sofia

Als wir den Markt auf der Rückseite verließen, erblickten wir bereits die großen, grünen Kuppeln der Synagoge Sofias. Das wunderschöne Gebäude war eines meiner Highlights. Durch ein eisernes, großes Tor betrat ich den Innenhof. Zunächst dachte ich, die Synagoge wäre noch geschlossen. Aber im Innenhof wartete bereits ein Sicherheitsmann, der die Taschen der Besucher kontrollierte und wir konnten auch ein Ticket kaufen. Im Inneren war die Synagoge nicht weniger prächtig. Ein absolutes Must-See. Und so war es immer noch früher Vormittag und wir hatten bereits zwei Gotteshäuser zweier Weltreligionen besucht. Dabei ist Bulgarien doch hauptsächlich christlich? Dazu kommen wir später …

Die Synagoge in sofia, Bulgarien.
Die Synagoge von Sofia ist eine wahre Pracht und liegt heute zwischen modernen Gebäuden in der Nähe der Banja Baschi Moschee.
Die Synagoge in sofia, Bulgarien.
Wunderschöne Details.

Erst einmal ging es auf den sogenannten Frauenmarkt von Sofia. Und nein hier werden keine Frauen gehandelt. Lediglich ein paar Straßen hinter der Synagoge, liegt dieser orientalisch angehauchte, urige Markt, genannt “Zhenski Pazar”. Hier sieht man sowohl Touristen Souvenirs kaufen, als auch einheimische Hausfrauen, um das frischeste Gemüse feilschen. Mittlerweile gibt es einige feste Stände. Man sieht aber immer noch Frauen auf einem kleinen Hocker sitzen, mit nicht mehr als einem Eimer voll Äpfeln und ein paar Bündeln Kräutern.

Der Frauenmarkt oder Zhenski Paza in Sofia.
Eine Verkäuferin auf dem Frauenmarkt.
Der Frauenmarkt oder Zhenski Paza in Sofia.
Unmengen frischester Kräuter auf dem Frauenmarkt.
Der Frauenmarkt oder Zhenski Paza in Sofia.
Freundliche Einheimische treffen hier auf erkundungslustige Touristen.

Auf dem “Zhenski Pazar” bekommt man ein wirkliches Gefühl für das alte Sofia, welches nur noch an wenigen Orten spürbar ist. Hier kauften wir auch etwas Obst als Snack für den weiteren Tag und einen kleinen bunten Topf als Souvenir.

Durch das kommunistische Sofia mit den vielen versteckten Kirchen

Vom Frauenmarkt ging es zurück zum Serdika Platz. Diesmal erkundeten wir die Stadt in Richtung Osten. Direkt am Serdika-Platz bei einem U-Bahn Ausgang, lag eine der ersten Kirchen, die wir an diesem Tag bestaunten. Die Sveta Petka Kirche ist eine kleine, rustikale Kapelle und wurde auf einem alten, römischen Gebäude errichtet.

Kirche Sofia Bulgarien
Eine kleine Kapelle direkt neben der U-Bahn-Station “Serdika”. Die Sveta Petka Kirche

Verlässt man den Platz nun in östlicher Richtung, kommt man an vielen großen Gebäuden vorbei unter anderem dem “Nationalen Geschichtsmuseum Bulgariens”. Betritt man hier den Innenhof eines anderen riesigen Gebäudekomplexes, entdeckt man eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt, die aber kaum besser versteckt sein könnte. Die Rotunde des Heiligen Georgs. Die älteste Kirche Sofias. Die Kirche ist vollständig von Häusern umgeben und weiß man nicht, dass hier eine Kirche versteckt liegt, würde man glatt daran vorbei schlendern.

Die Rotunde des Heiligen Georgs in Sofia, Bulgarien.
Die Rotunde des Heiligen Georgs. Gut versteckt in einem Innenhof.
Die Rotunde des Heiligen Georgs in Sofia, Bulgarien.Die Rotunde des Heiligen Georgs in Sofia, Bulgarien.

Nun am Geschichtsmuseum vorbei, dem großen Boulevard folgend, betritt man das stark kommunistisch geprägte Sofia. Gigantische und prunkvolle Gebäude säumten unseren Weg. Alles wirkte sehr luxuriös und nobel. Passend zur eher sowjetisch angehauchten Architektur, findet man hier auch die russisch-orthodoxe Kirche Sofias. Ein mit goldenen Zwiebeldächern versehenes Gotteshaus, wie es auch auf dem roten Platz in Moskau stehen könnte. Zwar ist die Kirche viel kleiner als ihre russischen Kollegen, dennoch sehr sehenswert. Insbesondere durch den Kontrast des kleinen, grünen Parks, der die Kirche umschlingt, wirkt sie wie ein Ort der Stille und der Erholung.

Die russisch-orthodoxe Kirche von sofia, Bulgarien.Die russisch-orthodoxe Kirche von sofia, Bulgarien.

Das wohl bekannteste Foto Sofias. Die Alexander Newski Kathedrale

Jedes Mal wenn man einen Beitrag oder Werbung für einen Städtetrip nach Sofia sieht, darf ein Bild nicht fehlen. Das der Alexander Newski Kathedrale, dem Wahrzeichen Sofias. Die Kirche aus dem zwanzigsten Jahrhundert ist wohl die Größte der Stadt und beeindruckte uns durch ihre goldenen Dächer und die Vielzahl an Kuppel und verspielten Details.

Die Alexander Newski Kirche, das Wahrzeichen Sofias. Bulgarien.
Die Alexander Newski Kirche aus der Ferne. Schon hier erstrahlten ihre goldenen Dächer.

Die Kathedrale ist einer der Haupttouristenmagnete und unzählige Busse parken zu fast jeder Tageszeit auf dem großen Parkplatz. Leider versperren diese auch oft die Möglichkeit auf ein gutes Foto. Im Inneren der Kirche muss man eine unverschämt teure Fotogebühr bezahlen, sodass man lieber auf das Fotografieren, bei ohnehin schlechtem Licht, verzichtet. Immerhin kostet die Kirche keinen Eintritt und so ist ein Blick ins Innere sehr lohnenswert!

Wir umrundeten einmal die komplette Kathedrale und es lohnt sich auch, sich die umliegenden Gebäude etwas genauer anzuschauen. Am frühen Abend kam ich zurück, um bei besserem Licht Fotos zu schießen. Und ich wurde mit einem dramatischen, wolkenverhangenen Himmel belohnt.

Die Alexander Newski Kirche, das Wahrzeichen Sofias. Bulgarien.
Die Alexander Newski Kirche bei diffuser Wolkenstimmung, was für ein Anblick

Die Alexander Newski Kirche, das Wahrzeichen Sofias. Bulgarien.

Dieser Teil eures Tages in Sofia ist bei einem normal frühen Start gut bis Mittags schaffbar. Und nun hatten wir eigentlich auch schon fast alle der Hauptsehenswürdigkeiten völlig ohne Stress abgehakt, sodass ihr den Nachmittag entweder locker mit etwas Bummeln oder auch dem Besuch in dem ein oder anderen Museum verbringen könnt. Dies ist ganz eurem Geschmack überlassen, nur ein paar weitere Sehenswürdigkeiten dürfen auf keinen Fall fehlen:

Weiter durch die “Altstadt”

Wir ließen uns nun, glücklich darüber, schon so viel geschafft zu haben, etwas treiben. Wir liefen Richtung Süden und erkundeten ein Viertel voller studentischer Cafés und Bars. Bei der Kirche von Sveti Sedmochislenitsi fanden wir einen wunderschönen Italiener, wo wir zu Mittag aßen. Sehr empfehlenswert mit vielen weiteren Alternativen in der Umgebung.

Von hier spazierten wir bis zur Metrohaltestelle “NKD”. Dort befindet sich eine weitere kommunistische Perle Sofias. Fast schon etwas dystopisch und Angst einflößend, thront hier der gigantische Kulturpalast vor einem sehr schönen, grünen Park. Hier trafen sich auch viele Skateboarder und BMXer und man konnte ihnen bei ihren Tricks zuschauen, während man durch den Park und um den Kulturpalast schlenderte.

Der Kulturpalast in Sofia.
Der Kulturpalast, ein kommunistisches Monster.

Vom Kulturpalast aus, ging es zur letzten großen Sehenswürdigkeit der Stadt. Dem Vitosha Boulevard. Diese großzügige Fußgängerzone, oft als Altstadt bezeichnet, bietet alle erdenklichen Läden, um ausgiebig zu shoppen und Dutzende Cafés, ideal um die vorbeilaufenden Leute zu beobachten. Die sogenannte Altstadt stammt aber hauptsächlich aus dem späten neunzehnten Jahrhundert, was die gerade Straßenführung und die breiten Straßen erklärt. Dennoch wirkt alles etwas durcheinander gewürfelt und die meisten Gebäude sind nicht sehr ansehnlich. Doch zahlreiche schöne Streetart-Kunstwerke und hippe Bars in den Seitenstraßen werten das Viertel ungemein auf.

Der Vitosha Boulevard ist nach dem gleichnamigen Hausberg der Stadt benannt, dem Vitosha, den man an klaren Frühlingstagen in der Ferne weiß aufblitzen sieht. Ein idealer Ausflug für alle, die gerne noch einen zweiten Tag in Sofia verbringen möchten.

Streetart in Sofia. Graffiti.Streetart in Sofia. Graffiti.Streetart in Sofia. Graffiti.

Das Ende eines perfekten Tages in Sofia

Für uns aber ging der Tag in Sofia nun so langsam zu Ende und wir schlenderten noch ein wenig ziellos umher, um noch mehr von dieser irgendwie doch sehr schönen Stadt aufzusaugen. Hier noch ein paar allgemeine Tipps zur Stadt.

Erreichbarkeit und öffentlicher Nahverkehr:

Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander und man kann alles obig beschriebene gut zu Fuß ablaufen. Um größere Sprünge zu machen, eignet sich die Metro ideal. Der letzte Zug fährt Abends um ca. elf Uhr an den Endstationen ab und fährt ein letztes Mal die komplette Strecke.

Bus und Tram wirkten auf den ersten Blick verwirrend und es lohnt sich wohl kaum, sich für einen Tag die Mühe zu machen, das Netz zu verstehen.

Taxis sind prinzipiell sehr günstig, leider benutzen viele Fahrer nicht das Meter und versuchen schamlos, völlig überteuerte Preise von Touristen zu fordern. Hier ist Vorsicht geboten und lieber im Hostel  oder einem Café den ungefähren Fahrpreis zu erfragen.

Hippes Ambiente für ein entspanntes Abendessen: Made in Home

Als Restauranttipp sei das “Made in Home” in der Nähe der Metrostation NKD genannt. Sehr schick eingerichtetes Restaurant mit Streetart und modern interpretierter, bulgarischer Küche. Die Preise würde ich als moderat und angemessen bezeichnen. Freundlicher Service und sehr gute Küche mit viel Auswahl auch für Vegetarier. Leider schien das Restaurant so beliebt zu sein, dass es ohne Reservierung schwierig werden kann. Dann lieber etwas früher kommen!

Restaurant in Sofia

Ein günstiges Hostel in leider wenig zentraler Lage: 10 Coins Hostel

Das sehr günstige und gut bewerte 10 Coins Hostel liegt zwar wenig zentral, aber ist durch die Metro direkt mit der Innenstadt verbunden. Von der Haltestelle Han Khubrat, die man in 5 Minuten zu Fuß erreicht, kann man direkt bis Serdika und NKD fahren und ist somit ideal mit allen Sehenswürdigkeiten verbunden. Die Mitarbeiter waren selbst Expats, konnten aber viele gute Tipps zu Sofia und ganz Bulgarien geben.

Für zwei Nächte in einem Doppelzimmer mit geteiltem Bad zahlten wir 36 Euro. Das Hostel schien eines der Günstigsten zu sein.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem kleinen Reiseführer für Sofia in einem Tag weiterhelfen und euren Besuch noch ein bisschen besser zu machen. Habe ich noch eine Sehenswürdigkeit vergessen, die man unbedingt sehen sollte? Oder habt ihr noch eine Empfehlung für ein günstiges Hostel, ein schmackhaftes Restaurant oder eine hippe Bar? Dann schreibt es in die Kommentare und helft anderen Reisenden!


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Sofias Sehenswürdigkeiten in einem Tag erkunden. So seht ihr alle Ecken der bulgarischen Hauptstadt in einem Tag auf eurem Städtetrip!

Kommentare

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