Stadt, Land, Fluss

Würde man mich bis jetzt nach einem der unangenehmsten Erlebnisse der Reise fragen wäre es vermutlich dieses: Als wir nach einer kurzen, relativ angenehmen Busfahrt in Battambang ankamen, stürmte eine Horde Schlepper von diversen Hostels auf uns zu und hielt uns irgendwelche laminierten Fetzen mit Bildern von ihren Unterkünften unter die Nase. Jedes war natürlich das angeblich Beste oder das Günstigste. Auch nach mehrmaligem “No, thank you!” ließen sie nicht locker, dabei hatten wir noch nicht mal unser Gepäck aus dem Stauraum des Busses geholt. Wir holten unser Gepäck und machten von Anfang an klar, wir wollten keines ihrer Angebote nutzen. Trotz allem ließen sie nicht locker und reagierten eher aggressiv, als dass sie endlich locker ließen.

Von einem etwas weniger aufdringlichen Tuk-Tuk-Fahrer ließen wir uns ins Zentrum fahren. Dort fanden wir auch alleine schnell ein günstiges Hotel und konnten die Angelegenheit schnell vergessen. Leider steht hier das Verhalten der Einheimischen, die einem Etwas verkaufen möchten, in starkem Kontrast zur Freundlichkeit derer, die man sonst trifft.

Den restlichen Tag verbrachten wir damit, durch die sehr authentisch kambodschanische Stadt zu laufen. Wir besuchten den Markt, flanierten am Fluss und hatten ein kleines Picknick in einem Park, in dem wir den Einheimischen bei ihren abendlichen Freizeitaktivitäten zuschauen konnten.

Der Fluss gefiel uns so gut, dass wir später entschieden, unsere Abendessen von den diversen Straßenständen zusammenzukaufen und direkt am Wasser zu essen. Wir hatten Papayasalat, eine Nudelpfanne und danach noch einen sündhaft süßen Pfannkuchen. Zum Abschluss gingen wir auf die wirklich schöne Dachterrasse unseres Hostels auf ein Bier. Dort traf man viele andere Reisende

Am nächsten Tag beschlossen wir, dem Umland einen Besuch abzustatten. Es gab mehrere Sehenswürdigkeiten die sich prima in einer Tour mit dem Roller verbinden ließen.  Zunächst fuhren wir zu einem alten Khmer Tempel. Auf dem selben Gelände stand auch ein neu Errichteter. Wir liefen etwas umher, durch die uns aus Angkor Wat vertraute Architektur. Der moderne Tempel war auch sehenswert, unter anderem gab es eine riesige, sich noch im Bau befindliche Buddhastatue. Es war etwas schwer, immer auf Anhieb den richtigen Weg zu finden. Auch das Tanken war ein kleines Abenteuer. Wir tankten nicht an einer herkömmlichen Tankstelle, sondern bekamen an kleinen Straßenständen aus 1,5 Liter Trinkflaschen Benzin in den Tank gekippt.

Weiter ging es zu einer weiteren Ruine, die man nur durch zahlreiche Stufen erreichen konnte. Des Weiteren gab es eine sehr schöne kleine Höhle zu besichtigen, an deren Ende eine natürliche Öffnung war, durch welche Licht in die Kammer fiel. Auf dem Rückweg zum Roller aßen wir noch überraschend super leckere Nudeln an einem Stand, an dem die Verkäufer schon wieder etwas zu aufdringlich waren. Frisch gestärkt machten wir uns auf zum Highlight des Tages. Ein Kloster auf einem steil ansteigenden Hügel. Dorthin gelangten wir über eine endlos lange Schotterpiste querfeldein, vorbei an kleinen Dörfchen und Plantagen. Das war der spaßigste Teil der ganzen Tour, es war wunderbar einfach mitten durch die ländliche Seite Kambodschas zu fahren Hier fühlte es sich an, als gäbe es keine Horden an Backpackern, Pauschaltouristen und Tourbusgruppen, anders als im nahegelegenen Siem Reap.

Außerdem gab es eine weitere Höhle, diese hatte jedoch eine sehr traurige Geschichte. Sie wurden vom Khmer Rouge Regime als Tötungsort für zahllose Menschen genutzt, die unschuldig dem Wahnsinn weniger Verrückter zum Opfer fielen. Nach dem etwas betrübenden Ort machten wir uns zum Gipfel auf. Die Straße war so furchtbar steil, dass unser etwas schwacher Roller stark zu kämpfen hatte und nur mit Mühe den Berg hoch zottelte. Oben angekommen hatte man einen einmaligen Blick über die komplette Umgebung, die flach wie ein Pfannkuchen war. Hier konnte man wirklich Stunden verweilen. Kurz vor dem Sonnenuntergang suchten wir uns einen guten Aussichtspunkt, denn das eigentliche Naturspektakel war nicht der Blick, sondern Abermillionen von Fledermäusen, die jeden Abend aus umliegenden Höhlen in den Himmel strömten. Im Halbdunkel fuhren wir die letzten ca. 15 Kilometer zurück nach Battambang, wo wir erneut am Nachtmarkt lecker aßen.

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