Starker Alkohol und sanfte Brisen.

Mit uns am Tisch sitzen vier Vietnamesen. Sie lachen ständig. Wir lachen mit. Aus Höflichkeit. Nicht immer sind wir sicher, über was sie lachen. Die Luft ist mittlerweile von Zigarettenqualm geschwängert. Bestimmt zum fünften Mal werden wir aufgefordert, mit ihnen anzustoßen. Unsere Schnapsgläser werden jedes Mal sofort wieder randvoll aufgefüllt, sobald sie nach dem Trinken nur den Tisch berühren. Der Schnaps ist vermutlich hausgemacht und kommt aus einer Plastikwasserflasche. Trotz der Gedanken an einen selbst gebrannten Schnaps mit dem  verheißungsvollen Namen “Halong Vodka”, bei dem das geringe Risiko bestand zu erblinden, schmeckt er gar nicht so stark wie gedacht.

Draußen ist es schon lange stockfinster und der Wellengang in der Bucht kaum vernehmbar. Unser Boot liegt nahe eines auf dem Wasser schwimmenden Fischerdörfchens. Vor uns auf dem Tisch steht ein volles Mahl, bestehend aus gebratenem Fisch, Tintenfisch, Tofu, diversem Gemüse und – wie könnte es hier in Vietnam anders sein- Reis. Unsere Freunde scheinen wohl nicht wirklich daran interessiert zu sein, eine halbwegs gute Unterlage für den Vodka zu schaffen. Sie knabbern hauptsächlich nur ein paar geröstete Erdnüsse, während das opulente Abendessen für uns, fast allein, hoffnungslos zu viel ist. Nun bekommen wir auch noch Bier vor uns hingestellt und die Schnapsgläser klirren erneut zu dem ausgelassenen Ruf “Chin Chin”. Es wird wieder gelacht. Keiner der Vietnamesen kann wirkliches Englisch, trotzdem ist die Stimmung herzlich und einladend.

Ungeachtet alle dem, enden die Abende früh hier in Vietnam. Um gerade erst halb zehn wird der Tisch abgeräumt. Mit dem letzten Schluck Bier in der Dose begeben wir uns auf das Oberdeck, um die Sterne anzuschauen und den Blick auf die in der Dunkelheit kaum erkennbaren Hausboote des beschaulichen, still treibenden Fischerdörfchens zu genießen. So, als gäbe es hier gar keine anderen Touristen. Ganz im Gegensatz zu dem Bild, welches sich uns tagsüber in der Halongbucht bot…

Die Küstenregion im Nordosten Vietnams, unweit Hanoi, der Hauptstadt ist wohl einer der Tourismusmagneten Vietnams schlechthin. Die Szenerie schreit förmlich nach der perfekten Kulisse für einen Piratenfilm. Azurblaues Meer in Kombination mit unnatürlich wirkenden, senkrecht aus dem Wasser ragenden Karstfelsen. Hinter jedem der Felsen scheint ein kleines potentielles Abenteuer zu warten. Inseln besiedelt von Affen. Kristallklare Lagunen, eingeschlossen von Felsen, deren Zugang nur durch eine niedrige Höhle möglich ist. Winzige unberührte Strände und Höhlen mit altertümlichen Altären. All das hat die Halongbucht zu bieten. Oder hatte sie. Heutzutage ist es viel wahrscheinlicher, ein Motorboot mit 30 Jugendlichen, die zu lauter Technomusik Party machen, anzutreffen.

Doch auch wir wollten eine Bootsfahrt unternehmen. Natürlich ohne Party. Auch wenn wir am Ende unsere kleine persönliche Feier hatten… Von der Insel Cat Ba aus unternahmen wir eine zweitägige Minikreuzfahrt. Mitten durch die riesigen Felsen, bei deren Anblick schnell verständlich wurde, wieso die Einheimischen früher glaubten, ein riesiger Drache hätte sie durch sein Stampfen geschaffen. Viel zu surreal ragten sie aus dem Wasser, um eine vernünftige, natürliche Erklärung zu finden. So mancher Fels war schon stark von der Brandung unterspült worden und sah wie ein von einem Biber angenagter Baumstamm aus.
Auf der zweitägigen Fahrt hatten wir die perfekte Möglichkeit, dieses Naturwunder zu bestaunen. Einen Zwischenstopp legten wir zum Beispiel auf einer kleinen, felsigen Insel ein, die von einer kleinen Affenkolonie besiedelt war. Sie waren zwar schon viel zu sehr an die Touristen gewöhnt, aber trotzdem wirklich schön, sowie auch der Blick von der Spitze. Eine kurze Kletterpartie brachte uns dorthin und man wurde mit einer tollen Panoramasicht belohnt. Mit dem Kajak erkundeten wir mehrere, von Felsen umschlossene Buchten, um uns das anschließende ausgiebige Mittagessen zu verdienen. Bei unserem kleinen Kajakabenteuer hatten wir sogar das Glück einen der kleinen, stark bedrohten Affen zu sehen, die es ausschließlich in der Halongbucht gibt.

Auch zu einer Höhle wurden wir gebracht, in der sich Zeugnisse von vor über 2000 Jahren finden lassen. Schon vor Jahrtausenden musste dieser Ort eine magische Wirkung auf die Menschen gehabt haben. Auch an einem 18 Meter hohen Felsen hielten wir kurz, von welchem aus man, nach einem schwierigen Anstieg, in das erfrischende Wasser springen konnte. Wir blieben jedoch auf dem Boot. Mir persönlich wurde schon bei dem Anblick von unten schwindelig. Auch baden durfte bei der Bootstour nicht fehlen. Den Abend verbrachten wir wie bereits beschrieben sehr gesellig…
Die  relativ ruhige Atmosphäre war eine gute Abwechslung zu dem uns in Hanoi erneut bevorstehenden asiatischen Großstadttrubel.

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