Teil 1: Mit dem Mietwagen durch Marokko – Marrakesch bis in die Dadesschlucht

Ein Mietwagenupgrade – oder wie man hundert Euro am Tag sparen kann

Nach einer für marokkanische Verhältnisse entspannten, achtstündigen Busfahrt von Sidi Ifni,  erreichten wir erneut Marrakesch. Wir fuhren direkt weiter zum Flughafen. Aber nicht um nach Hause zu fliegen. Nein. Ein neuer Abschnitt begann hier, ein neues Abenteuer. Wir kamen, um unseren Mietwagen in Empfang zu nehmen.

Ein paar Tage zuvor, hatten wir über das Internet einen Peugeot 301er reserviert und als der Papierkram am Schalter von Hertz erledigt war, schickte uns der Mitarbeiter auf den Parkplatz zu seinem Kollegen. Dieser erklärte uns, der Wagen sei noch nicht bereit, aber wir hatten ja Zeit und konnten ein bisschen im Schatten warten. Wir wunderten uns, als er mit einem der Mietwägen vom Parkplatz fuhr. Wirklich perplex waren wir aber, als er mit unserem Mietwagen für die kommende Woche zurück kam.

Ein Toyota Land Cruiser Prado TX. Ein gigantischer SUV. Ein Allradwagen mit Dieselmotor und Platz für sieben Personen. Zwar etwas überdimensioniert, aber genau nach meinem Geschmack. Das Beste war wohl, dass wir nur ca. 40 Euro pro Tag zahlten, aber einen Wagen hatten für den man locker 140 Euro pro Tag zahlen musste. Was für ein riesen Glück. Nachdem wir gemeinsam festgestellt hatten, dass der Wagen im Prinzip rundum verkratzt war und wir uns somit um einen kleinen Kratzer mehr oder weniger keine Sorgen machen brauchten, setzte ich mich ans Steuer dieses Schiffs. Dann, endlich konnten wir los.

Unser Ziel war es, heute noch bis über den Bergpass Tizi’n’Tichka im Südosten, und bis nach Telouet zu kommen. Die Fahrt über den Pass war aufgrund zahlreicher LKWs sehr anstrengend und weit weniger spektakulär als der Tizi’n’Test südlich von Marrakesch. Dafür war die Straße gut ausgebaut.

wp-1481110501588.jpg
Der Tizi’n’Tichka hat eher etwas enttäuscht. Es gibt schönere Passstraßen in Marokko.

Der höchste Punkt des Passes selbst war etwas enttäuschend, da man kaum einen Ausblick auf die umliegende Landschaft hatte. Trotz der etwas späteren Stunde wollte uns noch immer ein sehr aufdringlicher Verkäufer von seinen “wunderschönen Steinen” überzeugen. Kurz hinter dem Pass zweigten wir von der Hauptstraße Richtung Ouarzazate bzw. Ait Ben Haddou auf eine schmale Nebenstraße ab. Unser Reiseführer bezeichnete sie als geteert und in gutem Zustand. Die Realität waren viele Schlaglöcher und nicht geteerte Abschnitte. Auch wenn man die Straße mit einem normalen PKW und vorsichtiger Fahrweise hätte bewältigen können, war ich froh um unser kleines Upgrade.

Hinter dem Pass und auf der Nebenstraße veränderte sich die Landschaft drastisch. Während zuvor hässliche Durchgangsorte und mit LKWs vollgepackte Straßen dominierten, herrschte hier praktisch kein Verkehr und die Ortschaften wurden rustikaler und malerischer. Kleine Höfe und aus Lehm gebaute Dörfer. Äcker und Weiden voller Rinder.

strasetizitichka
Kurz vor dem Tizi’n’tichka
dorftelouet1
Wunderschöne Dörfer findet man im Hohen Atlas zuhauf.

strasetizitichka1

Wegen der schlechten Straße zogen sich die letzten 30 km und wir erreichten erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Dörfchen Telouet. Schnell war eine Unterkunft gefunden. Das Lion d’Or Atlas war für 19 € für ein sehr simples Doppelzimmer ohne eigenes Bad zu teuer. Die Zimmer und insbesondere das Bad waren nicht einmal wirklich sauber. Immerhin lag es direkt neben der berühmten Kashba von Telouet, dem Hauptgrund unseres Besuches.  Dennoch würde ich es nicht empfehlen, man findet sicher besseres. Und um ehrlich zu sein, waren wir auch erschöpft von der langen Fahrt und hatten keine Lust, noch lange zu suchen.

Nachdem wir unser mageres Zimmer bezogen hatten, machten wir uns nochmal auf zum Dorfplatz und besuchten eines der wenigen Restaurants. Wirklich viel los war hier nirgends und wir waren wohl die einzigen Touristen. Allgemein schien es, als würden nicht allzu viele Touristen hierherkommen. Die Marokkaner im Restaurant waren sehr freundlich und unterhielten sich mit uns, weil wir die einzigen Gäste waren. Es gab Tajine, was sonst…

Von wunderschönen Kashbas zur Dades-Schlucht

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und liefen zum Eingang der mächtigen Kashba. Heutzutage ist Telouet ein unbedeutendes, kleines Dorf. In vergangenen Zeiten aber, baute ein mächtiger Herrscher der Glaoui-Dynastie hier einen wahren Palast. Man sieht es den verfallenen Lehmmauern nicht an, aber sie beherbergen wahre Schätze. Trotz früher Stunde, öffnete uns eine junge Frau das Tor.

Um ehrlich zu sein, war ich zunächst etwas enttäuscht. Der erste Teil war schmucklos und relativ unspektakulär, doch plötzlich offenbarte sich eine ungeahnte Pracht. Räume, von oben bis unten verziert mit buntem Mosaik. Edles, dunkles Zedernholz. Und feine Schnitzereien. Wir kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus. Doch das Beste kam mit dem Blick nach draußen. Der unbeschreiblich schöne Blick auf die Umgebung durch das Fenster und vom Dach aus. Die frühe Morgensonne tauchte die braunen Berge in ein warmes, leuchtendes Rot und die grünen Felder bildeten einen herrlichen Kontrast. Doch bevor ich weiterschreibe, schaut euch einfach die Bilder im Folgenden an.

blickdach1
Was gibt es für einen schöneren Ausblick früh am Morgen?

dachwir

Von Telouet nach Ait Ben Haddou

Nachdem wir uns satt gesehen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Wagen und brachen auf. Unser heutiges Ziel war es, über das bekannte UNESCO Weltkulturerbe Ait Ben Haddou bis in die Dades-Schlucht zu fahren. Der Weg verlief weiter durchs Gebirge und die Straße wurde stellenweise noch schlechter. Wir passierten viele weitere Dörfer mit wunderschönen Kashbas. Leider hatten wir nicht genug Zeit, überall anzuhalten. Doch in Kombination mit der morgendlichen Stimmung und dem langsam verschwindenden Nebel, hatte alles etwas mystisches. Ein Hauch aus einer vergangenen Zeit. Sogar an der Zufahrt zu einer Salzmiene kamen wir vorbei, was man auch an den weißen Ablagerungen neben der Straße erkannte.

landschaftnebel
Es lohnt sich immer wieder, früh aufzustehen.
salmine
Die Zufahrt zur Salzmine oder liegt da Schnee?

kashbaunterwegs2

kashbaunterwegs
Eine der wunderschönen Kashbas kurz vor Ait Ben Haddou.

Auch wenn wir gerne alles in Ruhe erkundschaftet hätten, mussten wir ja doch weiter und so wich die Bergkulisse immer mehr einem flachen Umland und der Blick wurde weiter. Allmählich hatten wir auch das Gefühl, wieder die Zivilisation zu erreichen und kamen letzten Endes bei der berühmtesten Kashba Marokkos an, Ait Ben Haddou.

Ait Ben Haddou ist UNESCO Weltkulturerbe und berühmt für die zahlreichen Filme, die dort gedreht wurden. Wer hat z.B “Lawrence von Arabien”, “Gladiator” oder “Prince of Persia” gesehen? Ait Ben Haddou wurde immer wieder wegen des orientalischen Stadtbildes als Kulisse verwendet und im nahegelegenen Ouarzazate gibt es sogar eigene Filmstudios.

aitbenhaddou
Ait Ben Haddou aus der Ferne.

Doch hier begann ein kleiner Kulturschock und wir wurden schon am wunderschönen Aussichtspunkt auf die Festung von vielen Händlern und einer ganzen Tourbusgruppe begrüßt. Nachdem wir geparkt hatten, begann ein kleiner Spießroutenlauf vorbei an Souvenirshops. In der riesigen Anlage begingen wir den Fehler, eines der Häuser zu betreten. Innen war nicht wirklich viel zu sehen, außer ein paar Fotos von Filmaufnahmen. Doch beim Verlassen wurden wir plötzlich zum Zahlen aufgefordert. Missbilligend gab ich ihm das Geld und wir liefen weiter. Bis ganz nach oben zum Agadir, dem gemeinschaftlichen Kornspeicher der Stadt. Von hier hatte man eine fantastische Aussicht und konnte die Ruhe der Stadt genießen. Zwar waren relativ viele Touristen unterwegs, doch in der riesigen Stadt mit all ihren Festungen und Wohnhäusern konnte man noch Plätze für sich finden. Zumindest für kurze Zeit.

Schnell hatten wir genug und begaben uns zurück zum Auto, welches wir auf einem bewachten Parkplatz im Schatten geparkt hatten.

Auf der Straße der Kashba

Weiter ging es auf der N 9 bis Ouarzazate und dann in nördlicher Richtung auf der N 10. Dieses Gebiet wird auch die Straße der Kashba genannt und insbesondere in der Umgebung von Skour gibt es besonders viele. Obwohl wir schon fast gesättigt waren mit dem Anblick von Kashbas, statteten wir der Kashba Amerhidil noch einen Besuch ab. Und es hat sich noch einmal wirklich gelohnt. Nur ein paar Kilometer von der N 10 und vor Skour gelegen. Für ein paar Dirham pro Person durften wir die Kashba besichtigen. Erneut hatte man vom Dach den besten Blick. Doch auch das Innere war sehr interessant. Die Kashba zählt zu den besterhaltenen Marokkos. Eine weitere witzige Tatsache ist, dass die Kashba auch auf einem alten Dirhamschein zu sehen ist.

blickkashba
Palmenoasen um die Kashba Amerhidil.

Nun machten wir erst einmal Strecke, bis wir von der N 10 in die Dades-Schlucht abbogen. Auch hier konnte man wieder zahlreiche Kashbas bestaunen, doch das wahre Highlight war die Landschaft. Karge, braune Klippen und grüne Oasen. Der Dades-Fluss hat sich hier über Jahrtausende in den Fels geschnitten und eine wunderschöne Landschaft geschaffen. Unter anderem, sind auch die Affenpfoten ein sehenswerter Stopp, eine seltsame Felsformation, die mich persönlich an Finger erinnert hat. Aber auch ansonsten gibt es dutzende Fotostopps und man sollte möglichst einen halben Tag hier einplanen.

dadesschlucht1
Die Straße in der Dadesschlucht.

dadesschlucht

affenpfoten
Die bekannten Affenpfoten, eine etwas fantasievolle Bezeichnung
schluchtabends1
Die abendliche Stimmung kurz vor M’semrir.

Wer nun nur einen normalen Mietwagen zur Verfügung hat, sollte die Schlucht wieder auf dem Wege verlassen, wie er gekommen ist. Da wir aber mit dem Glück gesegnet waren, einen sehr wohl geländefähigen Wagen zu besitzen, fuhren wir immer tiefer in die Dades-Schlucht hinein bis zu dem kleinen Dörfchen M’smerir. Kurz dahinter endet die Teerstraße und es gibt zwei Verbindungsstraßen bis zur Todhra-Schlucht. Von Einheimischen wurde uns abgeraten, die Direkte von beiden zu nehmen, da sie sehr, sehr schwer zu fahren sei und in schlechtem Zustand ist. Die andere jedoch, welche einen Umweg über das Dorf Agoudal macht, sei leicht zu bewältigen mit einem Geländewagen. Und hier endet Teil Eins unseres Roadtrips. In M’smerir bezogen wir ein kleines, aber günstiges Doppelzimmer ohne Bad. Die Unterkunft “La vallée – L’Auberge avec les douches chaudes”. Die Zimmer sind zwar wirklich simpel, aber sauber, sowie auch das Bad. Der Besitzer, ein freundlicher Marokkaner hat es uns aber wirklich angetan. Völlig umsonst hat er uns den ganzen Abend mit Obst, Keksen und Tee versorgt und war wirklich interessiert, so viel wie möglich über uns und unsere Sprache zu lernen. Ehrlich gesagt hatte ich ihn ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Ihr solltet ihn unbedingt besuchen, wenn ihr je nach M’smerir kommt. So endete die erste Etappe.

Wart ihr schon in Marokko? Und mit dem Auto unterwegs? War es leicht zu fahren und was hat euch gut gefallen? Schreibt mir doch darüber!

Wie unser Roadtrip weitergeht lesst ihr hier in Teil 2 und Teil 3.

Kommentare

  1. Pingback: Ultimative Tipps für einen Mietwagen in Marokko | wasgesternwar

  2. Pingback: Teil 2: Mit dem Mietwagen durch Marokko -Offroad von der Dades-Schlucht zur Todra-Schlucht | wasgesternwar

  3. Pingback: Teil 3: Mit dem Mietwagen von der Todra-Schlucht über Midelt in die Heilige Stadt Moulay Idriss | wasgesternwar

Teile deine Gedanken...