Teil 2: Mit dem Mietwagen durch Marokko – Offroad von der Dades-Schlucht zur Todra-Schlucht

Für Offroader: Von der Dades- in die Todra-Schlucht durch atemberaubendes Hochgebirge

Die Dades- und die Todra-Schlucht sind zwei riesige, parallel verlaufende Canyons, durch die jeweils eine lange, malerische Straße führt. An beiden Orten trafen wir kaum auf Touristen, dabei gibt es hier viel zu entdecken. Skurrile Felsformationen, herrlich idyllische Lehmdörfer und natürlich die atemberaubende Natur der Canyons selbst.

Leider trifft man auf ein großes Problem, da in der Dades-Schlucht die Teerstraße endet und somit die meisten Touristen umdrehen müssen und gezwungen sind, denselben Weg wieder zurückzufahren. Doch da wir das Glück hatten, im Besitz eines Geländewagens zu sein, konnten wir den direkten Weg wagen. Eine Passstraße durch abgelegene Gebirgslandschaft.

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Die kargen Hänge und die braunen Dörfer bieten einen tollen Kontrast zum Grün der Oasen.

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Das typische, marokkanische Touristenfrühstück.

Ein früher Start in herrliche Hochgebirgslandschaft

Früh morgens starteten wir unser Offroad-Abenteuer. Zwar leuchtete die Sonne schon hell über die grünen Felder und kargen Bergspitzen, dennoch war es noch recht frisch auf über 2000 m. Hinter dem Ort M’semrir ging es noch für ein paar Kilometer auf geteerter Straße weiter, bevor schlagartig der Asphalt in Schotter überging und wir unser Tempo drosselten. Trotzdem war die Straße sehr gut befahrbar. Ohne große Furchen und nicht sonderlich steil. Das einzige Problem: sie war fast durchgehend einspurig und man musste schon frühzeitig nach einer Ausweichmöglichkeit Ausschau halten. Zum Glück war Gegenverkehr praktisch nicht existent. Wir legten mehrere Fotostops ein, bevor wir endlich den höchsten Punkt des Passes erreichten. Hier war viel Platz und wir stellten unseren Wagen ab, um noch ein Stück bergauf zu klettern. Nun hatten wir fast die 3000 Höhenmeter geknackt und genossen das Panorama. Wir fühlten uns gänzlich allein. Weit und breit war kein Dörfchen zu sehen und keine Menschenseele passierte den Pass.

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Genug Parkplätze sind vorhanden

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Tee mitten im Nirgendwo

Doch auf einmal tauchte nur ein Stück unter uns ein Hund auf. Leicht nervös beobachtete ich, wie er an uns vorbei lief. Wir hatten, zumindest schon aus dem sicheren Auto herraus,  mit Schäferhunden das Vergnügen. So manchen Hunden waren ein paar Touristen völlig gleichgültig, andere hingegen nahmen ihre Aufgabe sehr ernst und verteidigten ihre Heerde aufs Äußerste. Ich blieb vorsichtig. Doch ebenso wie der Hund, tauchten auf einmal zwei Männer mit Turbanen aus dem Nichts auf. Wie es schien, waren sie die Schäfer. Als sie uns bemerkten, riefen sie uns freundlich zu und wir stiegen die wenigen Meter zu ihnen herab. Sie grüßten uns herzlich und sprachen ein wenig Französisch. Schon nach wenigen Höflichkeitsfloskeln luden sie uns auf einen Tee ein und wir setzten uns mitten im Nirgendwo, in die Nähe einiger Felsen.

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Unsere Teestube mitten im Nirgendwo.

Gekonnt entfachten sie ein kleines Feuerchen und holten alle benötigten Zutaten aus ihren Taschen. Eine Teekanne, grünen Tee, Gläschen, Zucker und sogar einen großen Laib Brot. Wir steuerten noch Wurst und Käse bei, den wir als Proviant in M’semrir aufgestockt hatten. Die Schäfer erzählten uns von ihrer monotonen Arbeit und ihren Familien, die unten im Dorf lebten. Sie erklärten, dass sich nur selten ausländische Touristen in diese Gegend verirrten und man merkte ihnen ihre Freude an, uns zu treffen. Wir waren wohl etwas Besonderes für sie, eine Möglichkeit, um sich von ihrem immer gleichen, harten Alltag mit den Schafen auf den Weiden abzulenken. Trotz der Höhe, war es mittlerweile angenehm warm und wir genossen die Zeit.

Nach und nach wuchs unsere Gruppe immer mehr an. Ein Lkw hielt plötzlich an und später noch ein Pick-Up. Unsere illustre Runde wuchs und jeder schien sehr Gefallen daran zu finden, uns als Gäste in ihrer Teerunde zu haben. Es wurde gelacht und geredet. Manche Fragen über unsere Herkunft und wie es uns in Marokko bis jetzt gefiel, waren einfach. Doch den marokkanischen Männern zu erklären, wie wir mit über zwanzig noch nicht verheiratet sein können und kein Haus gebaut haben, war etwas schwerer zu klären.

Doch so spannend die Unterhaltungen auch waren, nach einer Dreiviertelstunde mussten wir irgendwann unseren Weg fortsetzen. Einer der Schäfer begleitete uns noch bis zu unserem Auto. Auch sein Hund schien es für seine Aufgabe zu halten, uns sicher aus seinem Revier zu geleiten. Auf dem Weg lächelte der Mann etwas verlegen und fragte, ob wir Medikamente bei uns hätten. Augentropfen zum Beispiel oder Salbe gegen trockene Haut oder gar Kopfwehtabletten. So gern wir ihm seine Bitte erfüllt hätten, besaßen wir doch nichts Passendes und mussten ihn enttäuschen. Erst jetzt wurde spürbar in was für einer Armut die Menschen hier lebten. Obwohl die Schäfer ganz selbstverständlich mit uns ihr Brot und ihren Tee geteilt hatten, mangelte es ihnen doch am Nötigsten. Einer anständigen Gesundheitsversorgung. Weit entfernt von einer größeren Stadt, gab es zwar überall kleine Supermärkte mit essentiellen Lebensmitteln, doch erblickte man selten einen Arzt, eine Apotheke oder gar ein Krankenhaus.

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Bis Agoudal und noch weiter

Hinter dem Pass erstreckte sich eine weite Hochebene und in der Ferne konnten wir hier und da Nomadenzelte sehen. Auch die weidenden Tiere waren überall verstreut. Kamele, Pferde und Esel grasten an den kargen Hängen. Tatsächlich waren diese Menschen weit ärmer als unsere Schäferfreunde.

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Ohne größere Ereignisse erreichten wir unser erstes Etappenziel für heute. Agoudal. Der schöne Ort eignete sich ideal für eine kleine Kaffeepause und da der Tag noch relativ jung war, beschlossen wir noch weiter Richtung Norden zu fahren.

Eine nichtstattfindende Hochzeit

Wir waren uns nicht sicher, hatten aber gehört, dass irgendwann um diese Zeit im Jahr an einem Wochenende ein großer Heiratsmarkt in dem Dörfchen Imilchil sein sollte. So probierten wir unser Glück und fuhren die 30 km gen Norden. Leider schien es, als wäre der Markt wohl nicht an diesem Wochenende und trotz der hohen Lobpreisungen des ‘Lonely Planets’ gefiel uns der Ort gar nicht. Alles wirkte modern und ohne jeglichen Reiz. Überall wo man hinsah gab es Restaurants und Hotels. Doch warum sollte jemand hier übernachten wollen? Zumindest gaben wir dem nahegelegenen See noch eine Chance. Dieser hat wirklich nicht enttäuscht, mit seinem glasklaren und kristall-blauen Wasser.

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Alles in allem hat sich der Abstecher nach Imlilchil nicht gelohnt und ich würde es auch nicht empfehlen. Höchstens um den Heiratsmarkt zu sehen, welcher jedoch in unseren Reiseführern als sehr touristisch beschrieben wurde.

Nun ging es wieder Richtung Süden und wir wollten noch einmal richtig Strecke machen, um abends in der Todra-Schlucht zu übernachten. Die Landschaft war jedoch einfach zu schön und wir mussten noch mehrere Fotostopps einlegen.

Ein Abendlicher Spaziergang in der romantischen Todra-Schlucht

Letzten Endes erreichten wir die Todra-Schlucht am frühen Abend und wir schlossen uns vielen marrokanischen Touristen an, bei einem Spaziergang durch eine der engsten, mit dem Auto befahrbaren Stellen. Zur Abendzeit leuchten die Felsen in kräftigen Rot- und Brauntönen. Und der direkt neben der schmalen Straße verlaufende Fluss lud viele marokkanische Familien zu einem Picknick ein. Es gab sogar einige, die ihre Zelte aufschlugen, um die Nacht in der Schlucht zu verbringen. Wir hingegen waren komplett eingestaubt und verschwitzt von der anstrengenden Fahrt und machten uns auf die Suche nach einem Hotel mit einer warmen Dusche.

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Der Todra an einer der engsten Stellen.

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Habt ihr Teil 1 verpasst? Dann lest hier unsere Reise von Telouet über Ait Ben Haddou bis in die Dadesschlucht.

Möchtet ihr weiterlesen? Teil 3 von der Todra-Schlucht bis in die heilige Stadt Moulay Idriss.

Kommentare

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