Teil II: Starker Tee, seltsame Felsformationen und die Gastfreundschaft eines Imams.

An einem anderen Tag in Kappadokien laufe ich, wie schon zwei Jahre zuvor, durch das sogenannte Taubental hin nach Uchisar. Diese recht kurze, aber immer wieder beeindruckende Wanderung ist mir in Erinnerung geblieben. Direkt in Göreme startet der leicht zu bewältigende Weg. Vorbei an Gärten und Ackern geht es immer tiefer in das Tal. Hier bauen die Dorfbewohner Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf an. Schmaler und schmaler wird der Weg und während man am Anfang noch Schwierigkeiten hat, die richtige Richtung zu finden, wird einem später praktisch keine andere Wahl geboten, als dem einen Weg zu folgen. Bei jedem Blick über die Schulter, hat man eine fabelhafte Aussicht auf den sandfarbenen Tuffstein in Kombination mit dem in der Ferne weiß leuchtenden “Erciyes Dağı”, einem fast viertausend Meter hohen Vulkan. Wirklich magisch ist dieser Blick. Völlig allein in dieser einzigartigen Landschaft, starre ich manchmal minutenlang einfach nur in die Ferne. Anatolien ist und bleibt eine der aufregendsten Region der Welt für mich. Jedes Mal schieße ich dutzende Bilder, bevor ich weiter wandere.
Am Ende des Tals gibt es einen kleinen Teegarten und ich gönne mir eine kleine Pause, mit fabelhafter Aussicht. Hier treffe ich das einzige Mal andere Wanderer, ein Ehepaar aus Südafrika. Der Teestubenbesitzer ist ebenfalls ein netter, alter Mann und versucht, mit seinem lückenhaften Englisch allen weiterzuhelfen.

Angekommen im für den höchsten Aussichtspunkt Kappadokiens bekannten Uchisar, besteige ich die Festung. Von fast überall sieht man den massiven, felsernen Kegel in den Himmel ragen. Die “Hohe Festung”, wahrlich unbezwingbar scheint sie und hat sicher schon so manchem Angreifer das Fürchten gelehrt. Oben genieße ich das Panorama, bevor ich das zweite Etappenziel in Angriff nehme, das rote Tal.
Hier ist es etwas schwierig, den richtigen Einstieg zu finden. Doch diesmal bin ich mir sicher und steige vorsichtig ab in das zweite Tal des Tages. Hier gibt es besondere, schöne, wellenartige Verwerfungen und gegen Ende hin ein paar der berühmten Feenkamine. Lange, pilzartige Säulen, die surreal in den Himmel ragen, wie versteinerte Bäume. Wieder einmal, völlig allein, laufe ich durch das Tal. Keine Menschenseele weit und breit. Der erste Plan war, nach dem Ende der Wanderung zurück nach Göreme zu laufen. Doch als ich bemerke, wie nah ich an das Dörfchen Cavusin geraten bin, mache ich einen Umweg. Es gefällt mir, die Umgebung einfach so zu Fuß erkunden zu können, völlig frei und unabhängig. In Cavusin gibt es ein paar weitere sehr sehenswerte Kirchen, welche noch recht gut erhaltene Wandmalereien bergen. Des Weiteren auch eine Felsenfestung mit dutzenden Kammern und Kirchen. Von hier passe ich den Minibus zurück nach Göreme ab.

An meinem letzten Tag, bevor ich am frühen Nachmittag zurück nach Ankara reise und schließlich nach Hause fliege, schlendere ich noch einmal durch das sogenannte Rosental. Zwar ist es diesmal keine Wanderung, eher ein Spaziergang, dennoch gibt es auch so nah bei Göreme interessante Fotogelegenheiten und mit letzten schönen Erinnerungen verabschiede ich mich innerlich schon von der Türkei.

Auf Wiedersehen!

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Kommentare

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