Tibet-India Express

Das Kathmandutal ist ein wirklich faszinierender Ort. Auf engstem Raum drängen sich hier so viele beeindruckende Orte. Innerhalb weniger Kilometer gibt es sieben anerkannte UNESCO Weltkulturerbe.

Fürs Erste wollte ich meine Basis in Kathmandu belassen, da ich anfing, mich wirklich heimisch zu fühlen. Ich unternahm einen Tagesausflug nach Patan. Früher einmal, genauso wie Kathmandu, ein unabhängiger Stadtstaat, ist es heute schon fast ein Teil der Hauptstadt oder eher ein Vorort. Das größte Abenteuer bestand in der Fahrt nach Patan. Es ist immer wieder faszinierend, wie man in einen Minivan mit 15 Sitzplätzen mehr als 30 Leute zwängen kann. Dabei bleibt die Schiebetüre dann offen und ein paar der Gäste hängen schon fast aus dem Auto. In Deutschland undenkbar, in Kathmandu an der Tagesordnung, wenn man irgendwo mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin gelangen möchte. Zwar hoffnungslos überfüllt, aber effizient. Jeder kam ans Ziel und ich wurde sogar wortwörtlich auf dem Platz abgesetzt, wo ich hin wollte. Und so eine Fahrt kostet nur wenige Cent.

Der Durbarplatz in Patan ist im Grunde genommen ähnlich wie in Kathmandu oder sonst wo in Nepal. Er ist das historische Zentrum der Stadt, voller religiöser Heiligtümer und grenzt direkt an den Palast. Jedoch empfand ich die Atmosphäre in Patan als eine andere, weniger Touristen und die Gebäude waren kunstvoller. Des Weiteren gab es noch ein Wasserbecken, wo die Einheimischen bis heute ihre Wasservorräte auffüllen. In viele der Tempel konnte man auch hinein, nur einer war, wie es manchmal im Hinduismus üblich ist, für Andersgläubige verboten.

Genauso wie in Kathmandu machte ich einen ausgiebigen Spaziergang durch die umliegende Altstadt. Nichts ist interessanter, als die Touristen innerhalb weniger Meter hinter sich zu lassen und in den Alltag der Einheimischen einzutauchen. In dem verworrenen Netz an Straßen gab es einiges zu entdecken, neben unzähliger weiterer Schreine und religiöser Bauten, gab es noch einen ganz besonderen Tempel aus Gold. Außerdem wurden in den Straßen allerhand Waren für den täglichen Bedarf angeboten.
Am interessantesten war aber das verworrene Netz an miteinander verbundenen Hinterhöfen. Meist befand sich hier auch eine Zisterne, ein kleiner Schrein, und manchmal eine Art Spielplatz. Ich wurde von zwei Kindern sogar eingeladen, mit ihnen auf einer improvisierten Betonplatte Tischtennis zu spielen. Sie waren neun und elf, gingen beide zur Schule es war aber gerade Wochenende. Für ihr Alter konnten sie erstaunlich gutes Englisch und hatten ihren Spaß daran, mich beim Tischtennis etwas umher zu scheuchen.

Weiter ging es noch zu etwas sehr Kuriosem. Eines der Gebäude war das Wohnhaus der Kumari, einer hinduistischen, lebenden Göttin. Hier wurde immer ein Mädchen zwischen vier Jahren und der Pubertät zu einer Göttin erklärt und verehrt. Eine Vereinigung aus Handwerkern wählt jedes Mal eine geeignete Kandidatin aus, die dann bis zum Erreichen der Pubertät als Göttin gilt. Danach wird sie wieder eine gewöhnliche Sterbliche, mit einem schweren Leben. Es heißt, es bringe großes Unglück, eine Kumari zu heiraten.
Letzten Endes lief ich die komplette Strecke zurück nach  Kathmandu.

Bei einem weiteren Ausflug fühlte ich mich, als wäre ich innerhalb von ein paar Minuten Fahrt in zwei komplett andere Länder gewechselt, aber nicht mehr in Nepal. Zunächst fuhr ich mit dem Bus in ein kleines Tibet. Zur größten Stupa Asiens. Ein riesiges, weißes Gebilde, um das hunderte von Menschen im Uhrzeigersinn liefen. Viele davon tibetische Mönche in rot-braunen Roben. Sie trugen Ketten für das Gebet mit sich, ähnlich dem Rosenkranz und brachten die zum Teil riesigen Gebetsmühlen in Schwung. Auch ich schloss mich der Umrundung an und man durfte sogar die obere Ebene der Stupa begehen.

Auch wenn die Atmosphäre um die Stupa schon sehr kommerziell und touristisch war, erzeugten die Gebetsfahnen in Kombination mit der weißen Kuppel und der leuchtend goldenen Spitze, mit den alles sehenden Augen Buddhas, eine tolle Stimmung. Der Himalaya im Hintergrund und man hatte ein tibetisches Szenario wie aus dem Bilderbuch. Abseits der Touristenrestaurants gab es schöne, kleine Garküchen mit tibetischem Essen. Auch ich verspeiste einen Teller voll leckerer Momos in einem Hüttchen mit Mönchen.

Panorama der Stupa.
Panorama der Stupa.

Nur eine 10-minütige Taxifahrt brachte mich aus dem chinesischen Himalaya. Als ich aus dem Taxi stieg, war ich geschockt. Wo war ich gelandet? Ich befand mich wohl mitten in Indien. Es waren fast keine Touristen in Sicht. Nur ein Fluss, der dem Ganges Konkurrenz um das verschmutzteste Wasser der Welt machen könnte und unzählige hinduistische Gebäude. Auch die Leute sahen alle viel indischer aus.

Es ist eine sehr heilige Stätte für Hindus, hier verbrennen sie ihre Verstorbenen. Ich hatte sogar die Möglichkeit, bei der Verbrennung eines besonderen Würdenträgers zuzuschauen. Komplett mit Militärkapelle, Trauermarsch und großer Zeremonie.
Man versuchte an einem solchen Ort nicht aufzufallen und nicht zu stören. Es gab unzählige Tempel und man erkannte erneut, wie komplex der Glaube für Außenstehende ist.

Langsam hatte ich aber dann auch genug von der stinkenden, lauten Großstadt Kathmandu und es war an der Zeit, etwas raus zu kommen. Am nächsten Tag wollte ich mehr aufs Land und den ersten Blick auf die Natur werfen. Ich wollte wandern und nicht mehr nur Sightseeing. Und eine nette Überraschung gab es auch noch…

Kommentare

  1. Pingback: 10 Highlights in Nepal | wasgesternwar

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