Time stands still as I gaze in the water.

Eine asiatische Altstadt, dunkles exotisches Holz, Räucherstäbchen, Lampions und ein Fluss. Diese Kombination erzeugte eine der schönsten Atmosphären der ganzen Reise. Hoi an, eine alte Handelshafenstadt, in der sich chinesische sowie japanische Einflüsse mit der traditionellen vietnamesischen Architektur  mischen.

Natürlich lockt solch ein einmaliger Ort die großen Mengen an Touristen. So darf man bei all der romantischen Stimmung nicht vergessen, dass das Meer und der Hafen, die den Kommerz nach Hoi An brachten schon lange verschwunden sind und einem ganz anderen Gewerbe gewichen sind. Die komplette Altstadt stellt heutzutage einen riesigen touristischen Goldesel dar. Souvenirshops reihen sich an Schneiderreien und diese wiederum an Reiseagenturen. Jede einzelne davon wirbt damit, tausend mal besser als ihre Konkurrenz nebenan zu sein und gefühlt jedes zweite Restaurant betitelt sich selbst mit der aussagelosen  Bezeichnung “Tripadvisor award winner”. Die andere Hälfte rühmt sich mit vermutlich selbst gedruckten Auszeichnungen, die darauf aufmerksam machen sollen, dass sie angeblich im “lonely planet” oder einem anderen bekannten Reiseführer erwähnt werden. Doch hier ließen wir uns einmal nicht verrückt machen und nahmen jedes “Hello, you buy something?” einfach hin und schlenderten durch die schönen Gassen.

Insbesondere am ersten Abend bot sich uns ein besonders schönes Bild der Altstadt. Dann, wenn viele der nervigen Verkäufer schon aufgegeben haben und die Touristenhorden schon gut aufgehoben in überteuerten Restaurant sitzen, entfaltete sich die wahre Schönheit Hoi Ans. Stimmungsvoll beleuchtet und mit schwimmenden Kerzen auf dem Fluss, konnte man all die negativen Aspekte des Tages vergessen und der Fantasie freien Lauf lassen. Man träumte, wie chinesische Händler in traditioneller Kleidung mit langen, spitzen Bärten hier ihrem Gewerbe nachgingen. In Gedanken reiste man in der Zeit zurück und sah sie förmlich vor einem der unzähligen Altären, in dichte Rauchwolken gehüllt für eine gute Heimreise beten und von ihrem Zuhause träumen.

Einer der schönsten Orte war die überdachte  japanische Fußgängerbrücke aus Holz. Auch die tüchtigen Händler des Archipels hatten ihre Spuren hinterlassen.
Diese Überreste wollten wir uns am nächsten Tag genauer anschauen. Über das ganze Zentrum hinweg gab es zahlreiche geschichtsträchtige Häuser und kleine Pagoden, an denen der Einfluss von den Chinesen und Japanern nicht spurlos vorbei gegangen war. Die zwei wichtigsten Handelspartner Vietnams kamen in die Stadt, um ihre Waren zu tauschen, mussten dann aber oft Monate oder gar ein halbes Jahr ausharren, bis die Strömung sie wieder sicher heim treiben konnte. Eben deshalb ist Hoi An eine so vielschichtige Stadt, in der die Bewohner auf Zeit einige Lager, Wohnhäuser und religiöse Gebäude errichteten, um sich heimisch zu fühlen. Heutzutage sind diese Bauten für Touristen geöffnet und zum Teil in Museen umfunktioniert.
Mit dem Altstadtticket konnte man fünf Gebäude seiner Wahl besichtigen. Wir hatten etwas Glück und nicht überall wurde uns einer der fünf Streifen abgeschnitten, weshalb wir sogar acht Bauwerke besichtigen.
Des Weiteren spazierten wir zum Brunnen, aus dessen Wasser und angeblich nur aus diesem, man original Cau Lau herstellte. Eine lokale Spezialität aus flachen Nudeln mit Schweinefleisch, ein bisschen Brühe und frittiertem Brot. Auch der Fischmarkt direkt am Fluss bot tolle Bildmöglichkeiten.

An unserem zweiten Tag mieteten wir uns mal wieder einen Roller und fuhren zu den Marmorbergen, fünf senkrecht in den Himmel ragende, riesige Felsbrocken. Jeder davon einem Element gewidmet, mit zahlreichen Tempeln und Höhlen und sogar Tempel in den Höhlen. Wir bestiegen den Größten und waren überrascht, wieviel es doch wirklich zu sehen gab. Insbesondere die mystisch wirkende Pagode in einer enormen Kammer im Fels hatte es uns angetan. Ganz schön anstrengend, den Berg mit seinen unzähligen Stufen zu erklimmen, dafür wurde man mit einem bis zum Meer und in die nächste Stadt reichenden Ausblick belohnt.

Nachmittags wollten wir eigentlich noch eine alte Ruinenstadt des antiken Cham Reichs besichtigen. Leider verfuhren wir uns etwas und ließen es letzten Endes bleiben, da nun auch der Roller nicht mehr so wollte wie wir und schlecht ansprang. Dafür unternahmen wir einen Spaziergang und probierten weitere einheimische Leckereien, nahe eines lokalen Marktes. Am Rückweg aber wurden wir von einem monsunartigen Unwetter erwischt und kamen völlig durchnässt auf unserem Zimmer an.

Abends genossen wir erneut die bezaubernde Altstadt und hätten hier sicher noch ein paar Tage mehr in romantischen Tagträumen von einer alten Hafenstadt mit dem Duft nach exotischen Gewürzen, dem hektischen Treiben der Händler beim Be- und Entladen der Schiffe und dem sanften Rauschen des Meeres schwelgen können.

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