Tunesiens unentdeckter Nordwesten – ein Überblick

Table de Jugurtha in Tunesien

Nach meinen Abenteuern im Süden von Tunesien, reiste ich mit dem Zug von Tozeur zurück nach Tunis. In Tunis traf ich meinen Couchsurfing – Host Tahar wieder. Gemeinsam mit ein paar anderen tunesischen Couchsurfern, hatte Tahar ein langes Wochenende im Nordwesten von Tunesien geplant und organisiert. Da wir für unsere neunköpfige Truppe aber nur ein Auto zur Verfügung hatten, mietete Tahar einen zweiten Wagen und ich wurde kurzerhand zum Fahrer auserkoren. Somit musste ich mich durch das Großstadtchaos von Tunis schlagen, um die Freunde von Tahar abzuholen und uns alle sicher an unser Ziel zu bringen. Die geplante Route war: El Kef, der Tafelberg: “Table de Jugurtha”, die römischen Ruinen von Haidra und Dougga. Mittags verließen wir Tunis auf direktem Weg nach Kef, wo Abends ein Jazz-Festival stattfand.

El Kef

El Kef ist eine der größten Städte im Nordwesten von Tunesien. Hier verbrachten wir unsere zwei Abende, weswegen ich nur einen Eindruck bei Nacht bekam. Trotzdem oder gerade deswegen empfand ich Kef als eine besonders sehenswerte, fast mediterrane Stadt in Tunesien mit einem gewissen Urlaubsflair. Die Altstadt schlängelt sich einen Hang empor, mit Dutzenden kleiner Gassen und Minaretten, die aus dem Gewirr weißer Häuschen ragen. Die Altstadt gipfelt in einer großen Festung, die über der Medina thront.

In der Festung fand auch das Jazz-Festival statt, weswegen die antiken Gemäuer zu einem lebhaften Veranstaltungsort wurden. Es war spannend zu sehen, wie hier Tunesier aller Altersklassen, den schwungvollen Klängen lauschten, tanzten und gemeinsam lachten. Von sechzehnjährigen Teenagern, bis hin zu Tahar mit seinen fast achtzig Jahren, war jedes Alter vertreten. Bunte Lichter erhellten den Innenhof der Zitadelle und stundenlang traten verschiedene Jazzbands auf.

Solltet ihr zufällig die Gelegenheit haben, das jährliche Jazz-Festival in Kef oder ein anderes Festival in Tunesien (z.B das Festival du Sahara in Douz) zu besuchen, dürft ihr euch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen!

Das Jazz-Festival in El Kef in Tunesien. Tunesiens unentdeckter Nordwesten.
Das Jazz-Festival in El Kef in Tunesien.

An einem anderen Abend saßen wir in einem Café bei einer Moschee in wunderschöner Lage. Umgeben von alten Gebäuden und einer Moschee, tranken wir Kaffee und blickten über die herrliche Altstadt. Ihr solltet in Kef unbedingt mindestens einen ganzen Tag einplanen, um auf eurer Reise durch den Nordwesten von Tunesien die Sehenswürdigkeiten bei Tag zu besuchen.

Eine der Moscheen in Kef bei Nacht. Tunesiens unentdeckter Nordwesten
Die Medina von Kef ist wunderschön erleuchtet bei Nacht.

Der Tafelberg und Räuberversteck, Table de Jugurtha

Der Table de Jughurta aus der Ferne. Ein Highlight im unentdeckten Nord-Westen Tunesiens.
Der Table de Jughurta aus der Ferne.

Der Tafelberg, welcher heute als “Table de Jugurtha” bekannt ist, ist für Naturliebhaber, Abenteurer und Geschichtsinteressierte gleichermaßen lohnenswert! Versteckt und nahe an der Grenze zu Algerien, liegt der mächtige Tafelberg in kahler Landschaft. Seine steil abfallenden Wände lassen ihn unbezwingbar wirken und es scheint kaum möglich, das Plateau zu besteigen. Doch von einer Seite aus, windet sich eine schmale Straße bis zu einem kleinen Parkplatz knapp unterhalb des Plateaus.

Von hier, führt ein schmaler Pfad und eine in den blanken Stein geschlagene Treppe, die letzten Meter durch die Überreste einer Befestigung nach oben. Auf dem Plateau, gibt es zahlreiche, unterirdische Höhlen und in den Fels geschlagene Wasserbecken. Diese Einrichtungen ließ ein Berberfürst erbauen, um sich und seine Räuberbanden auch im Falle eines Angriffs zu schützen und zu versorgen. Immer wieder, nutzten Räuber den Table de Jugurtha als ideales Versteck, Überraschungsangriffe ausgeschlossen.

Der Parkplatz und Zugang zum Table de Jugurtha in Tunesien.
Der Aufstieg auf den Tafelberg.
Table de Jugurtha in TunesienAuf dem Table de Jugurtha in Tunesiens NordwestenTable de Jugurtha in Tunesien

In der Mitte des Tafelbergs befindet sich ein kleiner Marabut. Ein Anbetungsort für einen lokalen Heiligen. Die weiße Kuppel ragt als einziges erhaltenes Gebäude  in die Höhe. Das Beste aber, ist der wunderschöne Ausblick von allen Seiten des Bergs. Entlang der steilen Klippen, findet man wunderschöne Panoramen und kann weit über die algerische Grenze blicken.

Ein Panorama vom Table de Jugurtha in Tunesien
Das Panorama über die karge, tunesische Landschaft vom Table de Jugurtha

Table de Jugurtha in Tunesien

Mein algerischer Freund Badi war auch Teil unserer bunten Truppe.

Die römischen Ruinen von Haidra

Fährt man in südliche Richtung weiter, liegen plötzlich links und rechts der Straße römische Ruinen auf den grünen Feldern verstreut. Große Befestigungsmauern, alte Basiliken und säulengestützte Fassaden wirken hier wie geisterhafte Fata Morganas. Kaum ein Tourist verirrt sich bis hierher, in die ländlichsten Gegenden Tunesiens. Dies erklärt auch, warum die Ausgrabungen im Gegensatz zu anderen archäologischen Fundstätten Tunesiens, kaum restauriert sind. Man spaziert immer noch über riesige Trümmerfelder und Äcker voller Steine, ohne ein einziges Hinweisschild oder Ähnliches.

Zum Glück hatte Tahar einen Führer organisiert, der uns half, die Anlage zu verstehen. Der Führer erklärte alles auf Tunesisch und meine Couchsurfingfreunde übersetzten. Haidra ist eher wegen der Lage, inmitten der grünen Weiden und der Grenzstadtatmosphäre einen Besuch wert, als wegen der Ruinen selbst. Zwar ist das Gelände riesig und mit einem Führer kann man viel sehen, dennoch würde ich archäologisch Interessierten eher die Ausgrabungen von Dougga empfehlen.

Die römischen Ruinen von Haidra in Tunesien
Die Ruinen von Haidra im Westen Tunesiens.
Heidra im Nordwesten von Tunesien.Der unentdeckte grüne Nordwesten von Tunesien.Heidra im Nord-Westen von Tunesien.Heidra im Nord-Westen von Tunesien.

Das antike Dougga

Die wohl sehenswertesten und größten Ruinen von ganz Tunesien. Sie befinden sich in der Nähe des kleinen, unscheinbaren Ortes Teboursouk nur gut 1,5 Stunden entfernt von der tunesischen Hauptstadt. Viel hatte ich über die Ruinen, ihre Größe und ihre Pracht gelesen, doch meine Erwartungen wurden übertroffen! Die Ruinen von Dougga zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO in Tunesien. Die alte Stadt ist gigantisch und viele der alten Gebäude sind sehr gut erhalten bzw. restauriert. Ihr solltet mindestens 3 Stunden für den Besuch einplanen. Das säulengestützte, römische Kapitol, eine byzantinische Festung und ein numidischer Grabturm sind nur ein paar der Highlights!

as Panorama über die gigantischen Ruinen vonDougga im Norden von Tunesien
Der Panoramablick über Dougga vom Parkplatz aus.

Schon vom Parkplatz aus, bot sich ein spektakulärer Blick über die riesige Anlage. Wer hier noch glaubt, die Ruinen seien gar nicht so weitläufig, wird spätestens, wenn er in den engen Gassen nahe der Festung steht, schier erschlagen. Tahar führte unsere bunte Gruppe bergauf durch die Ruinen. Viele Male hielten wir und bestaunten die eindrucksvolle, römische Architektur. Wie die Steine, völlig ohne Mörtel, zu hohen Wänden gestapelt waren und wie fein die Säulen und Verzierungen des Kapitols waren.

Das Kapitol von Dougga in Tunesien
Das mächtige Kapitol von Dougga
Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien
Könnte die Anlage noch mächtiger sein?
Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien. Ein UNESCO Weltkulturerbe.Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien. Ein UNESCO Weltkulturerbe.Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien. Ein UNESCO Weltkulturerbe.Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien. Ein UNESCO Weltkulturerbe.

Der Ort wurde bereits zu Zeiten der Numider als Siedlungsort genutzt. Ein Zeugnis dessen, ist die wunderschöne Grabsäule, ein kurzes Stück unterhalb der Stadt. Hier grasten Ziegen und schnell vergaß man die gigantischen Überreste von Dougga hinter sich. Mitten in einem grünen Feld, steht dieses wunderschöne Stück Architektur, welches eher einem Turm gleicht.

Die römischen Ruinen von Dougga in Tunesien. Ein UNESCO Weltkulturerbe.
Viele tunesische Familien besuchen Dougga am Wochenende und an Feiertagen.

Mein Tipp: Diese Ruinen könnt ihr auch gut als Tagesausflug von Tunis besuchen. Hierzu nehmt ihr einen Bus oder ein Sammeltaxi bis zur Ortschaft Teboursouk. Von hier müsst ihr die letzten 7 Kilometer wohl per Taxi fahren. Eventuell, könnt ihr an einem Wochenende von der Abzweigung, am Rande des Ortes per Anhalter fahren. Dougga scheint auch bei Tunesiern ein beliebtes Ausflugsziel zu sein.

Es gibt einen Ticketschalter und ihr müsst für Eintritt und gegebenenfalls für eine Fotoerlaubnis zahlen. Ansonsten schien es keine Einrichtung für Touristen zu geben und ein Reiseführer mit den wichtigsten Punkten, sowie Sonnenschutz, Wasser und Snacks sind unverzichtbar.

Bizerte, eine Hafenstadt mit Flair und ohne Touristen

Viele der Küstenstädte Tunesiens, insbesondere südlich von Tunis, hatten sich früher voll und ganz dem Tourismus verschrieben. Auch heute, ohne große Touristenmassen, ist dies noch zu spüren. Ganz anders ist hier jedoch Bizerte. Die schöne Hafenstadt, nördlich von Tunis, bezaubert mit ihrem idyllischen, alten Fischereihafen, um den sich die Medina und eine Kashbah mit Wohnviertel gruppiert.

Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.
Der alte Fischerhafen im Zentrum von Bizerte.

Verträumt und idyllisch, schaukeln die kleinen, bunten Fischerboote im Hafen auf und ab. Hier und da beobachtet man einen Fischer beim Reparieren der Netze. Es riecht nach Fisch und Möwen kreisen über den Kopfen der spazierenden, tunesischen Familien und Paare. Der Seeeingang zum kleinen Hafenbecken wird bewacht von zwei massiven Festungen, der Kashba und dem Fort El Hani. Auch ein Spaziergang durch die engen Gassen der Kashba ist lohnenswert. Zwar ist das Netz aus Wegen und Tunneln überschaubar, dennoch findet man diverse nette Ecken.

Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.
Der Blick über den Vieux Port(alten Hafen von Bizerte in Tunesien.
Ein Fischer bei der Arbeit, seine Netze zu reparieren.

Bizerte im Norden von Tunesien

Mein Tipp: Bizerte lässt sich leicht in einem Tagesausflug von Tunis erkunden. Die Altstadt und der Hafen sind klein und nach zwei bis drei Stunden habt ihr alles gesehen. Ich nahm einen direkten Bus vom Flughafen in Tunis nach Bizerte. Auch vom regulären Busbahnhof sollten regelmäßig Busse in die Küstenstadt fahren. Die Fahrt dauert nur knapp eine Stunde. Eine Übernachtung hier lohnt sich kaum.

Anmerkungen zum Nordwesten Tunesiens:

Wir waren eine Gruppe aus hauptsächlich Tunesiern, einem Algerier und mir. Vieles wurde wesentlich leichter durch deren Arabischkenntnisse und das menschliche Geschick meines Freundes Tahar. Solltet ihr versuchen, selbst mit dem Mietwagen eine Tour in diesem Teil des Landes oder in Tunesien allgemein zu unternehmen, stellt euch auf zahlreiche Polizeikontrollen und Straßensperren ein. Habt jederzeit und überall euren Pass griffbereit. Zum Table de Jugurtha und nach Heidra, sowie für einen kleinen Abstecher auf einen Tee im gleichnamigen Ort bekamen wir eine Polizeieskorte. Durch die Nähe zur algerischen Grenze, passiert dies im äußeren Westen Tunesiens häufig, so auch auf meiner Tour zu den Berberoasen im Süden des Landes.

Um ehrlich zu sein habe ich die Polizei nicht immer hundert Prozent ehrlich wahrgenommen. Es schien mir, manch ein Beamter ist verleitet, einem unwissenden Touristen eine Bußgeldstrafe unterzujubeln. Tahar musste mich zweimal aus einer ungerechtfertigten Strafe reden.

Ansonsten ist dieser Teil des Landes wunderschön, überraschend grün und komplett untouristisch. Die Leute begegnen Touristen offen und freundlich. El Kef, Bizerte und Dougga sind auch gut ohne Mietwagen besuchbar.

Wie gefällt euch der Nordwesten Tunesiens? Wart ihr selbst in Tunesien? Wo hat es euch gut gefallen? Teilt es mir in den Kommentaren oder auf einem meiner Social Media Kanäle mit!


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Der unbekannte Nord-Westen Tunesiens. Eine Zeitreise durch Nordafrika.

 

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