Überraschungen und Enttäuschungen

Nach zwei herrlichen Hostels in Shiraz und Yazd war die Unterkunft in Kerman wirklich ein Schock. Zuvor saß ich in wunderschönen, historischen Gebäuden und lernte beim Tee trinken im Innenhof interessante, andere Reisende kennen. Hier schlief ich in einem Raum ohne Fenster.  Es gab zwei sehr simple Betten und sonst nichts. Oh… doch! Der einzige andere Einrichtungsgegenstand war einer dieser runden Steine, den die Moslems beim beten, mit der Stirn berühren, anstatt den dreckigen Boden. Das Bad war einmal quer über den Flur und Niemand hier konnte Englisch. Aber nun gut, es war ein Platz zum schlafen und es war relativ sauber.

Ansonsten genoss ich meine Zeit in Kerman. Am Abend, als ich ankam, unternahm ich noch einen kleinen Spaziergang, verrirrte mich natürlich, kam aber letzten Endes an einem schönen Platz direkt vor dem Basar an. Dort gab es ein Restaurant mit  traditionellen iranischen Gerichten. Anschließend war ich sehr erschöpft und müde und ging zurück in meine “5-Sterne Unterkunft”.

MoscheeAbend

Ein Ausflug zur Lehmfestung Rayen

Am zweiten Tag unternahm ich spontan einen nicht geplanten Ausflug nach Rayen. Die Fahrt dorthin in einer Art Sammeltaxi durch die staubige Wüste brachte mich zu einer riesigen Lehmfestung. In der Ferne sah man leicht schneebedeckte Berge, was einen tollen Kontrast bot. Ich wanderte durch die antiken Ruinen bis ins Zentrum der Anlage, wo sich die Zitadelle befand.  Der letzte  Rückzugsort im Falle eines Angriffs. An mehreren Stellen konnte man auf die alten Befestigungsanlagen klettern und hatte einen tollen Überblick. Insbesondere mit den Gipfeln im  Hintergrund. Zu Mittag aß ich Kebab in einem kleinen, versteckten Innenhof, bevor es mit einem Safari, einem dieser  Sammeltaxis zurück nach Kerman ging.

Panorama

Arg-e.RayenFestungskern

RayenBerge
Mein Lieblingsblick mit der ganzen Festung im Vordergrund und den Gipfeln im Hintergrund.

Kerman ist unscheinbar aber sehr lohnenswert!

Nachmittags schlenderte ich über den großen Basar, besichtigte, was für eine Überraschung in einem islamischen Land, ein paar Moscheen, aber auch einen zoroastrischen Feuertempel.

BunteKücken
Bunt gefärbte Küken auf dem Basar.
Bögen
Der überdachte Basar.

Kupferschmied

Portal
Prunkvoller Eingang einer Moschee.

KarawansereiKuppel

Feuertempel
Ein Priester im Feuertempel.

Lohnt sich Bam seit dem Erdbeben noch?

Am nächsten Tag ging es noch ein Stück weiter Richtung Osten gen Pakistan, bevor ich letzten Endes wieder zurück nach Yazd fuhr. Genauer gesagt ging es nach Bam. Vor etwas mehr als 10 Jahren war dies noch eine der größten Touristenattraktionen im ganzen Iran. Heutzutage aber liegt die einstmals gigantische Festung in Trümmern, von einem verheerenden Erdbeben zerstört.  Ich wollte mir selbst ein Bild machen, zugegeben ich wurde enttäuscht.

Arg-e-Bam

Zitadelle
Die Festung wurde sehr stark restauriert.

BasarBam

Wenn es auch kleiner war, dafür aber weitaus besser erhalten war Rayen ein weitaus lohnenswerterer Ausflug. Insbesondere ist Rayen schneller zu erreichen und liegt nicht ganz so abgeschlagen wie Bam. Desweiteren hatte Rayen den Bonus durch die naheliegenden Berge noch malerischer zu wirken.

Trotzdem war es ganz schön, durch die befestigte Stadt zu schlendern. Im heutigen, modernen Teil von Bam machten die extrem freundlichen Einheimischen aber alles wieder gut.  Auf dem Weg zu und von der Festung wurde ich von fast jedem überfreundlich begrüßt. Als ich in einem kleinen Kebabimbis zu abend essen wollte, wurde mein Versuch zu zahlen beharrlich abgelehnt. Trotz mehrerer Versuche zu Zahlen und ein eventuelles Taroof zu umgehen. Wirklich gastfreundlich.

Auch der Besitzer des ‘guesthouses Akbar‘ ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Etwas melancholisch hängt er den Zeiten hinterher, als täglich unzählige Europäer mit dem Auto oder Motorrad auf ihrem langen Weg nach Indien Bam passierten. Immer noch kommen ein paar, aber längst nicht mehr so viele Durchreisende, erzählt Akbar. Zu groß ist die Angst vor Pakistan. Abends setzte ich mich mit ihm in den Hof des Hotels, Akbar liebt es, den Geschichten Reisender zu lauschen, selbst war er viel unterwegs in Europa. Der pensionierte Englischlehrer wirkt trotz des Erdbebens, das ihm so viel genommen hat glücklich. Wir trinken Tee und plaudern, bis ich völlig die Zeit vergesse.

 

Brautkleider
Brautkleider?? So was kann doch Niemand im Iran tragen.
Safariselfie
Eine große Hilfe beim Finden eines Safaris.

Auf dem Rückweg half mir ein junger Student, den Transport  zurück nach Kerman und anschließend nach Yazd zu  organisieren. Er konnte gutes Englisch und überredete den Safarifahrer, mich für nur ca 50 Cent in Kerman quer durch die halbe Stadt zum Busbahnhof zu fahren.

BamPanorama
Das Panorama über die Festung.

Kommentare

  1. Pingback: Top ten Iran: Von Wüsten über giganitsche Moscheen bishin zu Ziegenhirn | wasgesternwar

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