Von mystischen Bergen und Kirchen

Von schneebedeckten Viertausendern umgeben, liegt eine der mystischten Regionen Georgiens. Svanetien. Die Landschaft ist durchzogen von seltsam in den Himmel ragenden Türmen und vereinzelt findet man die wohl schönsten und rustikalsten Kirchen des Landes. Lange war Svanetien eine unerschlossene, wilde Bergregion, deren Bewohner als gefürchtete Kämpfer galten.  Selbst die Sowjetunion vermochte es nicht, diesen Teil des Kaukasus unter ihre Kontrolle zu bringen.
Nur ein geringer Teil des Gebiets ist wirklich erschlossen und der Rest bleibt immer noch eine wilde, wunderschöne Region im Hohen Kaukasus. Vor allem für Wanderer gibt es zahlreiche gut markierte Wege, welche einen zu Gletschern, Aussichtspunkten und Bergseen führen.

Mit traumhaftem Wetter begab ich mich auf eine etwas beschwerliche, aber lohnenswerte Minibusfahrt. Auf einer engen Bergstraße näherte ich mich mit halsbrecherischen Manövern dem größten Ort Svantiens.
Am ersten Tag erkundete ich zunächst einmal den Hauptort der Region, Mestia. Heute gönnte ich mir erst mal etwas Erholung. Gemütlich spazierte ich durch den im Zentrum schön hergerichteten, kleinen Touristenort. Ein liebevoller, kleiner Platz, unweit meiner Unterkunft bot die ideale Möglichkeit, mich erst einmal zu orientieren. An der Touristeninformation versorgte ich mich mit kostenlosen Karten für Wanderungen in der Umgebung.
Außerhalb des Zentrums gab es noch zahlreiche, weniger stark renovierte Svantürme. Je weiter man lief, mit desto authentischeren Exemplaren wurde man belohnt. Auch das ethnographische Museum war wirklich lohnenswert. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass die griechische Legende des Goldenen Vlies vermutlich in dieser Region ihren Ursprung gefunden hat. Die Bewohner haben Schafsfelle in die Bachläufe gespannt, um so feinste Goldpartikel aus dem Bach zu fischen. Als griechische Reisende die in der Sonne trocknenden, goldschimmernden Felle erblickten, wussten sie natürlich nicht um deren Ursprung und hielten es für ein Wunder.

Mestia selbst.
Mestia selbst.

Am nächsten Tag unternahm ich meine erste Wanderung. Hoch zum Kreuz, welches über Mestia thront. Dann noch weiter zu den Bergseen, welche zwei weitere Stunden und einen elendig steilen und langen Anstieg erforderten.
Der Weg war durchgehend gut markiert und man hatte trotz der Bewölkung eine fantastische Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Am Kreuz angekommen, war es zwar windig, aber der Blick einfach umwerfend.  Der Anstieg bis zu den Seen wiederum war nicht ganz so lohnenswert. Wie schon erwähnt war der Anstieg furchtbar anstrengend und die Seen nicht viel mehr als Pfützen, aus welchen eine Rinderherde trank.

Solche Blicke lassen mich zurück an Nepal denken.
Solche Blicke lassen mich zurück an Nepal denken.

Der nächste Tag war vermutlich das größte Highlight der Reise. Gemeinsam mit einem polnischen Ehepaar, welches ich schon am ersten Abend kennengelernt hatte, machte ich mich auf zu einem weit entfernten Dorf. Ushguli. Nur mit einer dreistündigen Fahrt über eine ungeteerte Straße war das Örtchen zu erreichen. Bei der Suche nach einem Jeepfahrer, lernten wir noch eine belgische Frau kennen, welche sich uns ebenfalls anschloss. Zu viert schlugen wir einen recht guten Preis heraus, wenn man die reine Fahrzeit bedenkt und dass der Fahrer von morgens um acht Uhr bis abends um sieben bei uns war.

Auf dem Weg nach Ushguli erblickten wir zahlreiche weitere wunderschöne Dörfer und hatten eine tolle Sicht auf den gefährlichsten Berg Georgiens, den Berg Ushba. Schon beim Anblick des zackigen Gipfels lässt es einen erschaudern, bei der Vorstellung, dort hochzusteigen. Leider platzte einer der Reifen, doch auch das war kein Problem und binnen weniger Minuten war der Reifen gewechselt. Die Georgier aus dem Auto hinter uns versorgten uns währenddessen mit kleinen Snacks und versicherten uns, so etwas sei hier gar kein Problem.

Ushguli selbst war einfach bezaubernd. Mitten in den Bergen gelegen, ragten zahlreiche, schneeweiße Gipfel empor. Zwar gibt es mittlerweile recht viele kommerzielle Unterkünfte und Restaurants, trotzdem ist noch eine Menge Charme des kleinen Bergdorfs erhalten. Insbesondere die Kirche mit den hohen Bergen im Hintergrund hatte es uns angetan. Leider war die Kirche verschlossen, doch schnell war Jemand mit einem Schlüssel ausfindig gemacht und wir bekamen Zugang zu den wunderschön bemalten Innenräumen. Wirklich bunte Fresken zierten die Wände. Anschließend spazierten wir im Dorf umher und sogar zu ein paar weiter entfernten Ortsteilen.

Auf der Rückfahrt hielten wir noch bei einem besonderen Steinturm an. Er wurde auf einem kleinen Felsen im Fluss errichtet. Anschließend spendierte uns unser freundlicher Fahrer noch ein Bier. Den ganzen Tag über hatte er uns mit interessanten Informationen versorgt. Glücklicherweise sprachen meine polnischen Begleiter russisch, somit fungierten sie als Dolmetscher für unsere belgische Freundin und mich.

Den letzten Tag wanderte ich gemeinsam mit Maria, der Belgierin, zum nahe gelegenen Gletscher. Zunächst ging es gute zweieinhalb Stunden auf einer staubigen Schotterstraße entlang des Flusses, welcher seinen Ursprung im Gletscher findet. Dann ging es noch ein Stück bergauf durch den Wald. Es war der erste Gletscher, an dem ich je war und es war einfach atemberaubend. Eine Landschaft, wie man sie sonst nur im National Geographic Magazin sieht. Wasserfälle, ein eiskalter Strom, Schnee und Eis und ein riesiger Schotterhang, welchen ich noch bis zum Fuß des eigentlichen Gletschers erklomm. Hier trennte ich mich von Maria, weil sie mir nicht bis nach oben folgen wollte.

PanoramaGletscher

Der Rückweg meines letzten Tages gestaltete sich aber noch etwas anders als erwartet. Zurück auf der steinigen Straße, hielt schon nach kurzer Zeit ein Jeep für mich. Die Insassen waren vier junge Georgier und eine Frau. Zu viert quetschten sich die Jungs auf den Rücksitz, um mich auf dem Beifahrersitz mitnehmen zu können. Kurz vor Mestia boten sie mir sogar an, mich noch mit zu einem Skilift mitzunehmen, welcher einen im Sommer zu einem tollen Aussichtspunkt brachte. Als wäre es noch nicht genug gewesen, mich mit dem Auto mitzunehmen, verweigerten sie auch noch jeden Versuch, meinen Liftpass zu zahlen. Oben angekommen traf ich auch prompt Maria wieder, welche ebenfalls von einem Touristenpaar und ihrem Guide hierher “entführt” worden war. So klang auch noch der letzte Tag in Svanetien recht abenteuerlich aus.

Und schon wieder viel zu schnell war die Zeit vergangen. Und es hieß Abschied nehmen von Georgiens mächtiger Bergregion. Mit einer 11-stündigen Fahrt sollte es zurück in die Hauptstadt gehen und am nächsten Tag weiter zum höchsten Berg Georgiens.

Aufgrund der wunderschönen Natur und zahlreichen Wandermöglichkeiten, hoffe ich, es wird ein Wiedersehen geben. Bis bald Svanetien!

Kommentare

  1. Pingback: 10 Highlights einer Reise durch den Kaukasus | wasgesternwar

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