Warum die heilige Stadt Moulay Idriss auf keiner Marokkoreise fehlen sollte.

Die Heilige Stadt: Moulay Idriss.

Der sunnitische Islam erlaubt eigentlich keine Heiligenverehrung. Dennoch findet man an jeder Ecke Marokkos Gräber sogenannter “Marabuts” (wörtlich Weise/Gelehrte). Diese Marabuts sind vergleichbar mit christlichen Heiligen und werden dementsprechend verehrt. Marokkaner erbitten dort den Segen der Heiligen, z.B. für eine reiche Ernte oder gesunden Nachwuchs.

In der heiligen Stadt Moulay Idriss, unweit von Fes, wird ein für die Marokkaner ganz besonderer Heiliger verehrt. Hier befindet sich das Mausoleum des Namensgebers der Stadt, Moulay Idris I., auch Idriss Ben Abdellah genannt, der 788 nach Christus die Stadt gründete. Zugleich war auch er es, der das Königreich Marokko gründete. Die Stadt ist den Marokkanern so wichtig, dass bis ins 20. Jahrhundert kein Nichtmuslim die Stadt betreten durfte. Auch heute noch sind das Mausoleum und die Moscheen, wie überall in Marokko für Nichtmuslime tabu.

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Das Stadtbild von Moulay Idriss von Oben

Dennoch hat die Stadt viel zu bieten. Trotz ihrer Nähe zu Fes kommen nur vergleichsweise wenige Touristen hierher. Ihr solltet unbedingt die Gelegenheit nutzen und hier eine oder besser zwei Übernachtungen einplanen. Leider hatten wir nur eine Nacht, aber wenn ihr keinen allzu straffen Zeitplan habt, genießt die Stadt. Die Altstadt ist zwar verglichen mit den Königstätten relativ klein, doch die vielen engen Gassen am Hang des Berges Zahoune laden zum Umherschlendern ein. Es gibt ein paar sehr schöne Sehenswürdigkeiten in der Stadt und nur wenige Kilometer vom Ort entfernt, befindet sich das UNESCO Weltkulturerbe Volubilis. Eine alte, phönizische, später römische, Stadt und heute eine der besterhaltenen und schönsten Ausgrabungsstätten ganz Marokkos.

Sehenswürdigkeiten in Moulay Idriss

Der Aussichtspunkt

Eine der bei Touristen beliebtesten Sehenswürdigkeiten ist der Aussichtspunkt am oberen Ende der Stadt. Von hier habt ihr eine geniale Aussicht über die Altstadt und besonders auch über das Mausoleum von Moulay Idriss. Die grünen Dächer und das große viereckige Minarett, bilden einen herrlichen Kontrast zu den weißen, roten und braunen Häusern der Altstadt. Am besten kommt ihr morgens oder am frühen Vormittag hierher. Dann könnt ihr die Aussicht ganz alleine genießen. Jedoch ist auch der Sonnenuntergang eine tolle Gelegenheit, hier hoch zu kommen, da die Sonne direkt gegenüber von euch hinter der Stadt untergeht. Also mein Tipp: spaziert zweimal hier hoch, es lohnt sich!

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Der Blick vom Aussichtspunkt auf den Mausoleumskomplex.

Bestimmt wird euch das ein oder andere Mal einer der, in ganz Marokko verbreiteten “Faux-guides” ansprechen. Diese Fremdenführer haben keine offizielle Erlaubnis, Touristen gegen Geld herumzuführen und die Polizei ist dazu angehalten, dagegen vorzugehen. Meist wird man ihn von euch wegschicken. Wenn es dumm läuft, kassiert ihr eine kleine Geldstrafe, für den Guide kann es sogar ein Jahr Haft bedeuten, wenn er euch führt. Aber ohnehin wird euch ein Faux-guide unnötig viel Geld abknöpfen. Keine Angst, auch wenn die Führer anderes behaupten, Moulay Idriss ist kein Labyrinth. Wer kein Problem damit hat, ein oder zwei Mal in eine Sackgasse zu laufen, findet sich prima alleine zurecht. Wer aber auf eine Stadtführung besteht, ist vermutlich mit einem echten Guide besser bedient und muss sich um nichts sorgen.

Möchtet ihr alleine zum Aussichtspunkt gehen folgt dieser Wegbeschreibung: Wenn ihr vor dem Haupteingang des Mausoleums steht, dreht euch 90 Grad nach links und nehmt die Straße rechter Hand welche Bergauf führt. Ihr gelangt in die engen Gassen der Altstadt. Folgt dem Weg immer Bergauf und haltet euch im Zweifelsfall rechts. Uns wurde sogar mehrmals der Weg von netten Einheimischen gewiesen, ohne dass wir gefragt haben. Wenn ihr am Mausoleum und der Moschee von Sidi Abdallah Hajjam angelangt seid (Ein Schild auf Arabisch und Französisch über der Tür), geht ihr durch die schmale Gasse links von der Tür und ihr seid am Ziel. Der Aussichtspunkt!

Das einzige runde Minarett im Maghreb und ein Spaziergang durch die sich windenden Gassen

Die Moschee (Jemaa) Sidi-n-Tizi im unteren Teil der Stadt könnt ihr zwar auch nur von außen besichtigen jedoch besitzt sie eine große Besonderheit! Ihr mit grünen Fliesen besetztes Minarett ist das einzige Runde im ganzen Maghreb. Zwar kein Grund, nach Moulay Idriss zu kommen, aber wenn ihr hier seid, solltet ihr diese Kuriosität auf keinen Fall verpassen.

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Das wohl größte Highlight in Moulay Idriss aber, ist die Medina selbst. Die Sträßchen schlängeln sich am Berg entlang und die Häuser sind weiß, blau und rot gestrichen. Mit bunten Fenstern und Türen und kleinen Verzierungen eine wahre Augenweide. Ihr solltet definitiv ein paar Stunden für einen Spaziergang einplanen, wenn ihr es genießt immer neue Winkel zu erforschen und postkartenperfekte Fotos zu schießen. Lasst euch einfach treiben. Zwar sind einige der Gassen Sackgassen, aber wenn ihr immer wieder zu einer der großen Hauptadern zurück geht könnt ihr euch kaum verlaufen. Und falls doch lauft einfach ein Stück bergab. Früher oder später erreicht ihr wieder den großen Platz vor der Moschee. Der Platz ist nach einem historischen Ereignis benannt: Platz des grünen Marsches.

 

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Das traditionelle Leben in den Gassen

Das kleine Mekka von Marokko.

Direkt an besagtem Platz befindet sich der Haupteingang zum großen Komplex des Moulay Idriss. Der Bau umfasst eine Ziwa, eine Institution, am besten vergleichbar mit einem Kloster. Hier gibt es meist eine Bibliothek, Schlafsäle für die Schüler und ähnliches. Außerdem gibt es eine Moschee und natürlich das Herzstück der Anlage, das Mausoleum mit dem Grab Moulay Idriss I. Der Ort ist Marokkanern so heilig, dass mehrere Pilgerfahrten zum großen Fest (Moussem) Ende August sogar die Hadj (Pilgerfahrt nach Mekka) ersetzen können. Hierzu habe ich von verschiedenen Zahlen gehört, drei bis sechs Mal. Natürlich ist dies keine offizielle Regel des Islams, jedoch sind viele Marokkaner schlichtweg zu arm, um eine Hadj ins ferne Saudi-Arabien zu finanzieren und es bietet ihnen die Möglichkeit, dies zu kompensieren.

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Vor dem Eingang verkaufen ein paar Läden religiösen Schnickschnack wie Räucherwerk und Blumen. Außerdem gibt es einige Cafés und simple Restaurants, falls ihr euch ausruhen möchtet. Durch ein Arkadengewölbe gelangt ihr so nahe an den Eingang, wie es euch gestattet ist. Ein großer Holzbalken auf Brusthöhe versperrt euch den Durchgang und nur Gläubige dürfen eintreten. Solltet ihr hier Fotos machen wollen, seid lieber extra umsichtig. Es ist ein heiliger Ort und die Menschen möchten ungestört sein. Fragt um Erlaubnis, da viele Muslime in Marokko es nicht möchten, dass sie fotografiert werden. Zeigt Verständnis.

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Das UNESCO Weltkulturerbe Volubilis

Nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt liegt Volubilis. Es gibt prinzipiell drei Arten hierher zu gelangen. Entweder ihr fahrt mit eurem Mietwagen, wie wir, einfach wenige Minuten bis zum großen ausgeschilderten Parkplatz, direkt am Eingang der Anlage. Hier könnt ihr euer Auto sicher abstellen und zahlt dem Wächter beim Verlassen einfach ein paar Dirham. Die Zweite, ihr lauft. Ja, es sind nur drei Kilometer und es ist ein schöner einstündiger Spaziergang. Fragt am besten noch einmal in der Unterkunft nach dem Weg. Oder ihr nehmt einen Bus oder ein Sammeltaxi vom kleinen Busbahnhof in Moulay Idriss. Man sollte euch an der Abzweigung rauslassen, von wo aus es nur ein oder zwei Gehminuten sind. Von Meknès aus gibt es auch Busse und Sammeltaxis.

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Voulubilis aus der Ferne umgeben von kargem Ackerland.

Die Ausgrabungen selbst bieten wenig Schatten, also besichtigt sie im Sommer am besten früh morgens und bringt ausreichend Wasser mit. Leider gibt es trotz des Weltkulturerbe-Status wenige Infotafeln, sondern eher Namensschilder in der ganzen Anlage. Wenn ihr also Interesse an Archäologie habt, solltet ihr zumindest einen guten Reiseführer bei euch haben. Alternativ kostet ein Führer für eine Stunde ca. 150 Dirham.

Ein ganz besonderes Highlight sind die zum Teil außerordentlich gut erhaltenen Mosaike in den ehemals glanzvollen Villen reicher Römer. Diese solltet ihr nicht verpassen. Einige davon scharen sich um den Kern der Anlage, das Kapitol und das Forum. Wenn ihr von hier aus, dem gut erkennbaren Weg nach Nordosten folgt, erreicht ihr das Tangertor, welches, wie der Name schon sagt, früher auf die Straße in die Hafenstadt Tanger geführt hat. Linkerhand befinden sich mehrere geniale Mosaiken. Sie zeigen unter anderem die Aufgaben des Herkules und die vier Jahreszeiten.

Alles in allem ist die Anlage sehr sehenswert und ihr solltet es euch nicht entgehen lassen.

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Moulay Idriss von Voulubilis aus gesehen.

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Übernachten in Moulay Idriss

Allgemein hatte ich den Eindruck, die Preise für ein Zimmer sind in Moulay Idriss minimal über dem Durchschnitt. Dafür bekommt ihr aber auch etwas für das Geld! Normal mache ich mir nichts aus schönen Hotelanlagen, aber einmal wollten wir uns auch ein klassisches Riad gönnen. Wir buchten spontan ein Zimmer im “La Colombe Blanche“. Ein traditionelles Haus mit Innenhof und marokkanischer Architektur und Deko. Alles war mit dunklem Holz und Fließen verziert und es herrschte eine luxuriöse Atmosphäre.

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Ein schönes Doppelzimmer mit Bad kostete uns 29 € inklusive großem Frühstück. Deutlich über unserem Schnitt, aber wir fanden nichts Günstigeres auf die schnelle und hatten ohnehin zu wenig Zeit in Moulay Idriss. Der Besitzer riet uns, auf dem zentralen Parkplatz direkt am Platz des grünen Marsches zu parken. Übernacht kostete uns der bewachte Parkplatz 20 Dirham, wir zahlten vorab. Empfehlen würde ich aber, etwas weiter außerhalb zu parken. Sonst geht es euch wie uns und ihr fahrt durch den Suk, mit Eselskarren und Marokkanern, die nicht aus dem Weg gehen, bis die Leute in den Cafés anfangen die Stühle beiseite zu rücken.

Anreise

Ohne Auto kommt ihr am leichtesten von Meknès aus nach Moulay Idriss. Es sollten stündlich bis ca. 18.45 Busse verkehren.

Viel Spaß in Moulay Idriss! Wart ihr selbst schon einmal dort und könnt noch weitere Tipps geben oder habt ihr noch Fragen? Schreibt es in die Kommentare!

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Der Blick von der Dachterasse unseres Hotels über Moulay Idriss.

 

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