Welcome to Iran, Welcome to Shiraz.

Ja… Willkommen… So hatte ich mir meine Ankunft im Iran sicher nicht vorgestellt. Seit einer dreiviertel Stunde sitze ich, als mittlerweile fast einziger Passagier meines Flugs aus Schardschah, vor dem Immigrationsschalter. Auf einer unbequemen Sitzbank rätsle ich  insgeheim schon, was passiert, wenn ich das Land nicht betreten darf, weil irgendetwas mit meinem Visum nicht stimmt. Naja, soweit wollen wir es ja hoffentlich nicht kommen lassen, beruhige ich mich. Aber ernsthaft. Was mache ich? Zurück nach Schardschah? Da hätte ich zumindest einen Freund und von Dubai aus kommt man auch überall hin. Ganz im Gegensatz zu diesem jämmerlichen Provinzflughafen.  Was machen sie überhaupt für ein Drama? Das Visum ist gültig und frisch gedruckt aus der Botschaft.

Erst ging alles recht zügig. Die Schlange am Schalter für die Passkontrolle wurde recht schnell durchgerufen und schon war ich an der Reihe. Ganz entspannt gab ich dem Beamten meinen Pass. Er blätterte das Visum auf und schaute auf einmal ganz genau hin. Wischte mit dem Finger darüber und verschwand ohne ein Wort mit meinem Pass. Verdutzt blickte ich ihm nach. Er trug meinen Pass in ein Büro. Kurz darauf kam er ohne Pass zurück und bedeutete mir, Platz zu nehmen.

Und so sitze ich hier seit nun schon seit einer Stunde. Jetzt endlich kommt dieser Kerl mit meinem Pass zurück und verzieht keine Miene. Er gibt ihn seiner Kollegin, welche mich zu sich winkt. Ich frage, ob es ein Problem gäbe und sie behauptet “Nein”. Noch einmal prüft sie das Visum  ganz genau und gibt mir endlich meinen Pass zurück, inklusive des Einreisestempels.

So, jetzt brauche ich erst mal mein Gepäck. Da wartet auch schon ein Typ mit einem Koffertrolley und meinem Rucksack. Er beginnt loszurollen, natürlich spricht er kein Englisch. Ich versuche herauszukriegen, wohin er will. Taxi, ist die sparsame Antwort. Taxi? Toll. Wie denn, ohne Geld? Bis jetzt habe ich doch nur Dollar und keine iranischen Rial. In jedem anderen Land würde ich jetzt zum nächsten Geldautomaten rennen und einfach etwas Geld abheben, nicht aber im Iran. Aufgrund des Embargos akzeptiert kein Automat im Iran eine ausländische Kreditkarte. Diese ist hier praktisch wertlos, nur ein dummes Stück Plastik. Weswegen jeder Ausländer all sein Geld in bar in das Land bringen muss. Vorzugsweise Euro oder Dollar, die werden überall getauscht und erzielen einen guten Kurs. Ich suche nach einem Geldwechselschalter, aber der Einzige, den ich finde ist geschlossen. Sowieso ist die Empfangshalle winzig und ich habe keinerlei Hoffnung, dass es noch einen zweiten gibt. Zumindest der Infoschalter ist besetzt und ich frage hoffnungsvoll, wo ich denn Geld wechseln kann.

Frau: “Dort bei der Wechselstube.”

Ich (genervt): “Geschlossen.”

Frau: “Oh ja, die machen nur auf, wenn ein Auslandsflug ankommt.”

Ich: “Und wann kommt der Nächste?”

Frau: “Um fünf””.

Ich schaue auf die Uhr. In drei Stunden also. Herrgott. Was ist denn das für ein Flughafen, in dem man nicht einmal Geld wechseln kann. Genervt und nur mit einem gemurmelten “Thank you” wende ich mich ab. Der Typ, der mein Gepäck hatte folgt mir immer noch wie ein Schatten, obwohl ich meinen Rucksack schon lange selbst trage. Jetzt kommt ein Dritter hinzu, der mir anbietet, er könne mit mir wechseln. Ich erkundige mich nach dem Kurs. 25.000 Rial für einen Dollar? Der spinnt doch. Der eigentliche Kurs liegt bei 33.000. Oder nein. Dieser Kerl spinnt nicht, er weiß genau, dass es meine einzige Möglichkeit ist, wenn ich nicht drei Stunden lang hier am Flughafen festhängen will. Mehrmalige Versuche, den Kurs etwas aufzubessern scheitern ohne eine Reaktion seinerseits. Mit zusammengebissenen Zähnen wechsle ich zehn Dollar, somit ist der Verlust gering. “Idiot”, denke ich mir. Die Situation schamlos auszunutzen. Soweit ist nichts von der iranischen Gastfreundschaft zu spüren, von welcher man immer hört. Stattdessen begegnet mir eine große Gier und Kälte.

Wortwörtliche Kälte begegnet mir auch, als ich den Flughafen verlasse. Es regnet und hat sicher unter 20 Grad, praktisch Winter im Vergleich zu den 40 Grad in Schardschah. Ich packe meine Jacke aus, dann aber kommt der größte Schock. Ein Flughafen, vor dem kein Taxi wartet? Wo gibt es denn so was? Was bedeutet, dass ich im Regen, samt Gepäck bis an die Hauptstraße laufen darf. Fünfzehn Minuten später sitze ich endlich in einem trockenen Taxi, welches mich zu meinem Hotel bringt. Überraschend günstig. Drei Dollar, zumindest bei dem richtigen Kurs… Und das für eine sehr lange Strecke.

Im Hotel angekommen beruhige ich mich langsam wieder. Gestresst und genervt von diesem Flughafen checke ich ein und bin angenehm überrascht von der Freundlichkeit des Personals. Das Hotel ist in einem historischen Gebäude untergebracht. Komplett mit Innenhof, farbigen Fenstern und persischen “Esstischen”. Diese sind einfach eine Art erhöhte Plattform, ausgelegt mit einem Teppich und Kissen als Rückenlehne. Darauf sitzt man im Schneidersitz, hierfür muss man natürlich seine Schuhe ausziehen. Etwas unbequem, mit einer sehr ungesunden Haltung für den Rücken, esse ich mein erstes iranisches Mahl. Ein halbes Hühnchen mit Soße und Reis, welcher mit Safran eingefärbt und mit getrockneten, sauren Beeren garniert ist. Ich wandere noch ein bisschen umher und wechsle endlich zu einem vernünftigen Kurs Geld. Alles in allem bin ich aber eher erschöpft und lasse es für den Tag gut sein.

Mein erster richtiger Tag startet gleich mit einem wahnsinnig tollen Highlight. Eine Moschee, deren eine Fassade komplett bunt verglast ist, was morgens einen genialen Effekt erzielt. Das Innere ist ein Farbenspiel zwischen dem einfallenden Licht und den farbigen Fliesen. Wozu das Gewölbe mit den kargen, steinernen Säulen einen tollen Kontrast bildet. Des Weiteren besichtige ich an diesem Tag die Altstadt von Shiraz. Im Zentrum gibt es eine große Festung, deren Turm versucht, dem schiefen Turm von Pisa Konkurrenz zu machen. Bei meinem Spaziergang merke ich das erste Mal, wie wahnsinnig neugierig die Iraner gegenüber Individualtouristen woah wie hipster sind. Ständig hört man ein “Welcome to Iran”, was oft als eine Art Einleitung dient für weitere Fragen wie zum Beispiel, “Wo bist du her?” oder “Gefällt dir Iran?”.

Solche Konversationen auf offener Straße waren sehr nett, wobei sie noch sehr schnell lästig werden sollten, wenn es ständig passiert. In der Nähe des Basars gab es noch eine weitere Moschee, welche ich besichtigte, bevor es für den Tag genug war. Die Vakilmoschee. Leider war der Innenhof eine halbe Baustelle, dafür war zumindest die berühmte Säulenhalle sehr schön. Für den Basar war es mir schon zu spät, aber ich stehe ja auch nicht unter Zeitdruck.

 VakilSäulen

Am nächsten Tag wollte ich mich mit einem Mädchen über Couchsurfing treffen. Sie hatte mir angeboten, mich herum zu führen. Wir trafen uns am Grab von Hafez, ein sehr berühmter persischer Dichter. Von dort aus fuhr sie mich überraschenderweise mit ihrem Auto in der Stadt umher. Es war, als hätte man einen persönlichen Guide. Sie brachte mich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Mittags aßen wir gemeinsam Faludeh. Ein sehr ungewöhnliches Dessert, bestehend aus einer Art gefrorener Reisnudeln mit Rosenwasser und Zitronenaroma. Nach dieser angenehmen Pause machten wir uns auf zu weiteren schönen Plätzen. Sie brachte mich zu traditionellen Häusern und zu einer islamischen Schule.

Nach unserem Treffen besichtigte ich noch den heiligen Schrein in Shiraz, welcher ein zweites Highlight darstellte. Von außen war er ein prächtiges Gebäude mit einer immensen Kuppel. Von innen war es ein Meer aus Spiegeln und Spiegelmosaiken. Es glänzte und glitzerte überall und man spürte die religiöse Atmosphäre des Ortes. Überall saßen Leute auf den Teppichen und beteten, manche riefen laut nach Allah oder Ali, so viel ich verstand. Offiziell durfte man als Ausländer nicht alleine umherlaufen, weswegen mir ein wirklich sehr netter Führer alles zeigte. Zum Beispiel erklärte er mir die Symbolik der dominanten Farben: blau, grün und rot. Am meisten sah man blau, wie auf den Kuppeln. Dies steht für den Himmel und die Verbindung zu Gott. Grün ist eine Art heilige Farbe und steht symbolisch für Mohammed oder den Islam. Nur wenige rote Akzente waren zu finden, diese stehen für vergossenes Blut der Märtyrer.

Zum Schluss meines Aufenthalts in Shiraz, besichtigte ich natürlich noch Persepolis und die naheliegenden Felsgräber von Nashq-e-Rostan. Mit einem deutschen Ehepaar aus dem Hotel teilte ich mir die Kosten für einen Taxifahrer. So war es uns möglich, die archäologische Anlage am späten Nachmittag zu besichtigen. Wenige Touristen, angenehmere Temperaturen und gutes Licht versprachen viel. Während ich etwas enttäuscht von Persepolis war, überraschten mich dafür die Felsgräber umso mehr.

Kommentare

    1. Autor
      des Beitrages
    1. Autor
      des Beitrages
      wasgesternwar

      Ja genau so kann ich es unterschreiben. Es sind eben alles genauso Menschen wie in jedem Land. Es gibt nette und weniger nette. Zb wurde ich nach nicht einmal 10 Minuten Gespräch von einem völlig Fremden eingeladen mit ihm seine Familie in Kurdistan zu besuchen. 😀

  1. Pirouz Kas

    Ich habs auch noch falsch geschrieben… also Taarof heißt, wenn Leute etwas anbieten und erwarten dass man ablehnt. Merkwürdige Angewohntheit in Iran. Muss man nicht verstehen. Wikipedia erklärt es vielleicht besser
    de.m.wikipedia.org/wiki/Taarof

    1. Autor
      des Beitrages
      wasgesternwar

      Oh ich kenne Taarof. Aber dass war glaub ich kein Taarof, ich hab mehrmals gesagt das sei zu viel. Und er wollte gleich meine Handnummer um in Kontakt zu bleiben. Letzten Endes hat es nicht geklappt, aber er ist ein netter Kerl. Allgemein passiert mir Taarof aber nicht oft.

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