Wie sicher ist eine Reise nach Tunesien?

Wie sicher ist eineReise nach Tunesien?

Seit der Revolution und anschließenden Unruhen ist Tunesien fast komplett von der touristischen Landkarte verschwunden. Doch wie sicher ist eine Reise nach Tunesien? Tunesische Freunde hatten mir versichert, es sei kein Problem allein durch das Land zu reisen. Kurzerhand buchte ich einen Flug nach Tunis. Knapp zwei Wochen wollte ich im Frühling 2017 durch das Land reisen. Allein, mit dem Rucksack, von Nord nach Süd und zurück. Bei meiner Recherche im Internet kam ich aber ins Zweifeln… Ich fand fast keinerlei andere aktuelle Reiseblogs und die Aussagen des Auswärtigen Amtes klangen nicht gerade rosig. Damit ihr euch diese Sorgen nicht machen müsst, habe ich im Folgenden meine Erfahrungen und Tipps zusammengestellt

Das auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Tunesien

Aufgrund sozialökonomisch bedingter Protestbewegungen kann es derzeit vor allem in den Regionen um Tataouine und Kebili im Süden des Landes zu spontanen Straßenblockaden und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kommen.

Darüber hinaus besteht in Tunesien weiterhin ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge. Die tunesischen Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz saisonbedingt in den Touristengebieten verstärkt. Das tunesische Innenministerium hat die Beamten der Touristenpolizei erheblich aufgestockt sowie mobile Sicherheitsposten eingerichtet, die in den Sommermonaten an touristischen Anlaufpunkten, Stränden und öffentlichen Plätzen im Einsatz sein werden.

Reisenden wird grundsätzlich empfohlen, sich über die aktuellen Reisehinweise und die Medien zur Lageentwicklung informiert zu halten. Generell sollten Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen, sowie z.B. im Rahmen der Freitagsgebete um die Moscheen, gemieden und die Anweisungen der Sicherheitskräfte befolgt werden.

Quelle: Auswärtiges Amt

Was heißt das jetzt für euch? Wenn man die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes liest, klingt es, als sollte man einen sehr großen Bogen um das Land machen. Ist es also nicht sicher in Tunesien? Meiner Meinung nach doch! Das Auswärtige Amt ist immer sehr übervorsichtig und listet jede Kleinigkeit auf. Generell ist das Auswärtige Amt ein guter Anhaltspunkt für erste Recherchen, verrückt machen solltet ihr euch aber nicht. Ich habe viele Regionen, vor denen gewarnt wurde besucht und hatte nie Angst oder fühlte mich unwohl. Ich war in der Wüste, zwei mal an der Grenze zu Algerien und entführt wurde ich nur einmal: Und zwar in eine Bar direkt am Rande der Sahara, wo ich Bier mit tunesischen Freunden trank.

Wie Sicher ist ein Urlaub in Tunesien
Urlaub in Tunesien, das Auswärtige Amt rät zu Vorsicht.

Anschläge und Terrorismus

Aufgrund hoher Arbeitslosigkeit konnten leider viele junge Leute zum Fanatismus bekehrt werden, welche dann nach Syrien reisten. Nun erfährt Tunesien (wie aber z.B. auch Deutschland) eine große Welle an Rückkömmlingen. Während Gerald Grissner, in seinem sehr lesenswerten Buch “In einem Land, das neu beginnt” von gelegentlich wehenden ISIS-Fahnen und bärtigen Männern im Camoflagelook berichtet, konnte ich nichts dergleichen feststellen. Ich hatte sogar das Gefühl, der Islam spielte eine kleinere Rolle als in Marokko. Man sah weit weniger Leute beim Gebet, weniger Kopftücher und auch Alkohol war präsent.

Die einstmalige Welle von Anschlägen ist abgeklungen und es scheint derzeit nicht wahrscheinlicher als anderenorts, dass es zu größeren Anschlägen kommen könnte. Wobei ich persönlich sogar Anschläge an Orten, wie Paris oder Berlin für wahrscheinlicher halte, da hier die Wirkung weitaus angsteinflößender ist, als in einem afrikanischen Land, von dem sowieso schon so viele glauben, es herrsche Sodom und Gomorra. Seit 2015, gab es meiner Kenntnis nach keine nennenswerten Anschläge mehr. Zur Zeit meines Aufenthalts ereignete sich nachts und außerorts von Kebili eine Schießerei, die aber für einen Touristen hätte kaum gefährlich werden können.

Wie sicher ist eine Reise nach Tunesien? Das Kolosseum in El Djem könnt ihr ohne Gefahr besuchen.
Das drittgrößte Kolosseum der Welt steht in Tunesien und ihr könnt es völlig sicher besuchen

Polizei und Militär in Tunesien

Das Militär und Polizei sind stark präsent in Tunesien, was euch aber in keinster Weise abschrecken sollte. Man versucht, wirklich viel für die Sicherheit im Allgemeinen und die von Touristen im Besonderen zu tun. Es kommt häufig zu Kontrollen auf viel befahrenen Straßen und an den Eingängen zu großen Städten, ähnlich wie in Marokko. Sowohl Sammeltaxis, Busse als auch Pkws werden angehalten und kontrolliert. Seid immer kooperativ und freundlich, dann geht alles sehr schnell. Meist wurde mir mein deutscher Pass direkt wieder in die Hand gedrückt, während sie die tunesischen Pässe der Mitinsassen kontrollierten.

Dinge, die ihr noch beachten solltet: Einer der größten Fehler, den ihr machen könnt, ist Polizei oder Militär zu fotografieren. Niemals solltet ihr einen Kontrollposten auf der Straße fotografieren! Auch, wenn es vielleicht ein abenteuerliches Bild ist, aber tut euch selbst den Gefallen und lasst es. Gleiches gilt für einzelne Polizisten auf der Straße, auch wenn euer Motiv ein ganz anderes ist. Das musste ich an meinem ersten Tag in Tunis selbst lernen. Eigentlich wollte ich nur das Stadttor am Eingang der Medina aus einiger Entfernung fotografieren. Die schwer bewaffneten Polizisten, die davor standen hatte ich nicht gesehen. Sofort wurde ich herbei gerufen und mir wurde befohlen, das Foto vor ihren Augen zu löschen. Aber keine Angst! Bleibt freundlich, erklärt, dass ihr nur ein Tourist seid und warum ihr das Foto machen wolltet und alles ist gut.

Solltet ihr kein Französisch sprechen, ist es aber umso besser, die Polizei zu vermeiden. Nur wenige können Englisch und das macht Erklärungen umso schwerer. Ebenso solltet ihr vorsichtig sein, wenn ihr ein Auto mietet. Ich hatte das Gefühl, dass die Polizei gerne etwas Taschengeld mit unwissenden Touristen verdient, zweimal entging ich knapp einem ordentlichen Bußgeld und konnte nur durch meinen tunesischen Couchsurfing-Gastgeber gerettet werden. Ich muss ehrlich sagen, alleine würde ich nicht noch einmal einen Mietwagen nehmen. Mit Taxis und Bussen seid ihr auf der sicheren Seite.

Schlepper und Nepper in Tunesien

Keine wirkliche Gefahr, aber ein Ärgernis. Diese Plagegeister sind in Tunesien weit weniger aufdringlich als in Marokko, lästig aber trotzdem. Eigentlich sind mir die typischen Tricks wie, “Ich zeige dir einen tollen Ort” nur in den touristischen Orten von Sousse und Tunis begegnet. Ein freundliches Gespräch endet dann aber schnell in einem Teppich- oder Souvenirladen. In Sousse wurde ich oft angesprochen mit dem Spruch, “Hey ich bin Ali. Kennst du mich? Ich bin der Kellner aus deinem Hotel.” Diese Witzbolde wird man schnell los mit “Welches Hotel?” oder “Ach hey Ali! Du schuldest mir noch Geld!”. Überall sonst könnt ihr euch aber auf die Ehrlichkeit der Tunesier verlassen, was mich zum nächsten Punkt bringt…

Ist ein Urlaub in Tunesien gefährlich? Nein!
Tunesien ist voller heiliger Orte und die Menschen gastfreundlich und glücklich über euren Besuch!

 

Die Tunesier, ein nettes, gastfreundliches Volk

Abgesehen von diesen doch eher kleineren Schikanen, kann ich aber versichern, dass die Tunesier ungemein gastfreundlich sind. Gerade in heutigen Zeiten, in denen Touristen Mangelware sind. Ich hatte immer das Gefühl, man würde sich noch etwas mehr Mühe geben. Die Leute waren allgemein sehr ehrlich und ich hatte eigentlich nie das Gefühl, abgezogen zu werden. Die Preise waren meiner Ansicht nach immer korrekt. Bei so etwas wie Souvenirs solltet ihr natürlich immer handeln. Auf der Straße wurde ich freundlich behandelt. Leute halfen mir, den richtigen Weg zu finden oder gaben mir Hotelempfehlungen.

Couchsurfing ist wie immer eine gute Möglichkeit, schon vorab zuverlässige Kontakte zu knüpfen. So habt ihr die Möglichkeit, das Land von einer anderen Seite kennen zu lernen und ihr könnt euch noch ein Stück sicherer fühlen.

Abschließend kann ich sagen, all das sind meine persönlichen Meinungen. Während viele Leute immer noch nicht glauben, es wäre sicher genug, um nach Tunesien zu reisen, behaupte ich das Gegenteil. Meines Erachtens ist es sehr sicher. Da dies aber nur subjektive Erfahrungen sind, solltet ihr euch vor eurer Reise noch einmal informieren. Zwar sieht es im Augenblick sehr gut aus für Tunesien, aber die Situation kann sich natürlich verändern.

Die Tunesier sind wirklich gastfreundlich und dank ihnen wird euer Urlaub in Tunesien noch sicherer.
Dank Couchsurfing hatte ich viel Kontakt zu Tunesiern und bin mehrere Male Zeuge ihrer Gastfreundschaft geworden.

Wer es sicherer Möchte

Sollte ich euch nicht ganz überzeugen können, lässt sich das ohnehin geringe Risiko minimieren, indem ihr die Wüste im Süden und die Grenzgebiete zu Libyen und Algerien meidet. Sousse und Monastir sind gut ausgebaute Touristenorte. Von hier könnt ihr prima Tagesausflüge unternehmen, z.B. nach Kairouan, so wie ich. Eure Zeit könnt ihr dann in einer Stadt verbringen, in der Touristen keine Seltenheit sind und ihr in keinster Weise auffallt.

Wie sicher ist Urlaub in Sousse?
Sousse ist ein wunderschöner Ort direkt am Meer gelegen, von hier aus könnt ihr Ausflüge fast ins ganze Land unternehmen.

Warum sollte ich überhaupt nach Tunesien?

Solltet ihr keinen Grund für eine Reise nach Tunesien sehen, dann schaut euch diese 10 Bilder an, die euch garantiert überzeugen, euren nächsten Urlaub in Tunesien zu verbringen!

Andere Blogs zu Tunesien, die auch aktuell waren, hatte ich vor meiner Reise kaum entdeckt. Einen sehr ausführlichen Online-Guide kann ich aber empfehlen: 13 Days in Tunisia, North Africa – Backpacking Travel Guide.

 

Wart ihr schon einmal in Tunesien? Was waren eure Erfahrungen? Schreibt es in die Kommentare oder erzählt mir über meine Social-Media-Channel davon!


Pin it!

Wie sicher ist eine Reise nach Tunesien?

Kommentare

  1. Pingback: Mos Eisley, das Star Wars Filmset in Tunesien|wasgesternwar.com

  2. Pingback: Ein Fotospaziergang: Die Wüstenstadt von Tozeur | wasgesternwar.com

Teile deine Gedanken...